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Foto: Hochgebirgs-Naturpark Zillertaler Alpen (Michaela Walch)

Foto: Herfried Marek

Foto: Herfried Marek

Europäisches Ziesel

Foto: Ewald Neffe

Das europäische Ziesel (Spermophilus citellus) ist ein gelb-braun-graues, mittelgroßes Nagetier. Es misst ohne den dicht behaarten, rund 5 bis 7 cm langen Schwanz etwa 20 cm. Je nach Jahreszeit wiegt es zwischen 200 bis 430 g. Charakteristisch ist das „Männchen-Machen“, das den Tieren eine bessere Übersicht gibt und das rechtzeitige Erkennen von Gefahren ermöglicht. Bei Gefahr geben die Tiere ihre typischen „Pfiffe“ ab.

Die Art ist in den pannonischen Grassteppen und den agrarisch geprägten Kultursteppen bis ins östliche Mitteleuropa verbreitet. Weide-, Mager- und Trockenrasen der Tief- und Hügelländer Ostösterreichs sind die wichtigsten Habitate für die heimischen Zieselbestände. Heute sind die Vorkommen auf die Reste ehemaliger Trockenrasen, wiesenartige Raine und Böschungen sowie auf Sekundärlebensräume wie Sport- und Golfrasen, Flugplätze, Kasernen- und Fabriksgelände zurückgedrängt.

Ziesel sind rein tagaktiv. Sie leben in Bauen: Der Dauerbau liegt bis zu 1 m tief, besteht aus mehreren Röhren und einem Nestraum und hat bis zu fünf Eingänge. Dort verbringen die Ziesel die Nacht und den Winter und ziehen ihre Jungen auf. Als Abort dient eine zweite Kammer oder ein blind endender Gang. Weiters werden Schutzbaue angelegt, die meist nur aus einfachen Röhren bestehen. In diese flüchten die Ziesel bei drohender Gefahr. Obwohl sie in Kolonien leben, besitzt jedes Tier seinen eigenen Bau.

Das Ziesel hält Winterschlaf und ist daher nur zwischen Mitte März und Ende September zu beobachten. Nach dem Winterschlaf erfolgt die Paarung. Die Jungen werden in der Nestkammer geboren und sind bei der Geburt nackt und blind. Sie wiegen nur etwa 6 g. Nur das Weibchen kümmert sich um die Jungenaufzucht. Die Wurfgröße beträgt zwischen 2 bis 10 Junge, die ca. 6 Wochen gesäugt werden.
Die Nahrung der Ziesel besteht vor allem aus Samen. Sein Name „Spermophilus“ bedeutet Samenfreund. Daneben werden auch Wurzelwerk, Zwiebel, Knollen, Gräser, Kräuter, aber auch Insekten und andere wirbellose Tiere gefressen. Über den Sommer müssen sich die Tiere eine bis zu 5 mm dicke Fettschicht anfressen von der sie während des Winterschlafs zehren.

Während des Winterschlafs sinkt die Körpertemperatur von 37 bis 38°C auf 6 bis 7°C ab. Vor rund 50 Jahren galt das Ziesel noch als Kulturschädling und es wurden „Schwoaferlprämien“ für jedes erlegte Ziesel ausbezahlt. Durch eine großräumige Lebensraumzerstörung ist das Ziesel aber heute stark bedroht und steht auf der Österreichischen Roten Liste und gehört nach europäischem Naturschutzrecht zu den streng zu schützenden Tierarten von gemeinschaftlichem Interesse.

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