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Foto: Herfried Marek

Foto: Herfried Marek

Foto: Herfried Marek

Blauflügel-Prachtlibelle

Foto: Andreas Kristl

"Suche mäßig fließenden, sehr sauberen Bach mit Wasserpflanzen am Ufer zur Aufzucht meiner Kinder, als Blauflügel-Prachtlibelle bin ich schließlich nur das Beste gewohnt." So oder so ähnlich könnte ein Inserat dieser seltenen und anspruchsvollen Schönheitskönigin lauten.

Ein prächtiger Tänzer

Blauflügel-Prachtlibellen im Paarungsrad, Foto: Holger Gröschl - www.naturspektrum.de/ns1.htm

Die Blauflügel-Prachtlibelle (Calopteryx virgo) ist eine der schönsten Libellenarten und hat als einzige durchgehend tiefblau gefärbte Flügel. Wie fast immer im Tierreich bleibt aber auch hier das prachtvolle Aussehen den Männchen vorbehalten, das Weibchen muss sich mit bräunlich gefärbten Flügeln begnügen. Mit einer Flügelspannweite bis zu 70 mm ist diese Libellenart die größte unter den Kleinlibellen.

Mit etwas Geduld kann man die Blauflügel-Prachtlibelle – von Mai bis in den September hinein – gut beobachten und viele interessante Verhaltensweisen entdecken. Der Paarung geht ein sehr auffälliges Balzverhalten voraus. Beim sogenannten Hochzeitsflug fliegen die Männchen im Schwirrflug, der mehr dem Flug eines Schmetterlings als dem einer Libelle ähnelt, umher. Die Männchen haben ein sehr ausgeprägtes Revierverhalten und verlassen ihr Territorium kaum. Bei ihrem Balztanz präsentieren sie den Weibchen die leuchtend rote Unterseite ihres Hinterleibes, die „Laterne“ oder das „Schlusslicht“. Damit leitet das Männchen das Weibchen zu einem passenden Eiablageplatz. Setzt sich das Weibchen nieder, signalisiert es Paarungsbereitschaft. Bei der Paarung wird das für Libellen charakteristische Paarungsrad gebildet: Dabei packt das Männchen das Weibchen mit den Hinterleibszangen. Danach werden die Eier vom Weibchen in Stängel von Wasserpflanzen unterhalb der Wasseroberfläche gestochen, sie verhält sich dabei wie eine Apnoetaucherin und kann bis zu 90 Minuten unter Wasser bleiben. Das Männchen übernimmt in der Zwischenzeit die Rolle des „Bodyguards“ und überwacht die Eiablage von der Ufervegetation aus.

Foto: Andreas Kristl

Aus den circa 300 abgelegten Eiern schlüpfen nach etwa drei Wochen die Larven, die sich unter überhängenden Pflanzen, Steinen und Baumwurzeln verstecken und so die ersten zwei Jahre im Wasser verbringen. Ihr Körper ist abgeflacht und schmal und auf diese Weise gut an das Leben in der Strömung angepasst. Wenn man vorsichtig unter Steinen oder anderen Verstecken im Wasser sucht, findet man vielleicht die eine oder andere Libellenlarve. Leicht erkennbar sind sie an einer Besonderheit: der zu einer Fangmaske geformten Unterlippe. In Ruhestellung liegt diese zurückgeklappt unter dem Kopf. Kommt ein Beutetier (Kleinwassertiere wie kleine Insektenlarven und Wasserinsekten) in Reichweite kann die Fangmaske blitzschnell ausgeklappt und die Beute gefangen werden. Die erwachsenen Prachtlibellen ernähren sich räuberisch von Insekten.

Die anspruchsvolle Diva

Foto: E. Neffe

Die Blauflügel-Prachtlibelle ist eine charakteristische Art langsam strömender Fließgewässer des Tieflandes. An stehenden Gewässern ist sie kaum zu finden. An ihr außergewöhnlich ist der sehr hohe Anspruch an den Lebensraum mit reichlich krautiger Ufervegetation und schattigen Plätzen. An sehr heißen Sommertagen braucht sie diese sonnengeschützten Ruheplätze, damit sich ihr dunkler Körper und die Flügel nicht zu sehr aufheizen. Der hohe Anspruch an die Wasserqualität macht sie zwar zu einem Anzeiger höchster Wassergüte, aber ihre Lebensraumsuche nicht einfacher. Auch die Wassertemperatur spielt eine Rolle, optimal für die Eiablage sind 13-18° Celsius, daher kommt die Blauflügel-Prachtlibelle meist an stärker (aber nicht völlig) durch Gehölze beschatteten Abschnitten der Fließgewässer und Auwäldern vor, wo zum Beispiel auch der Fischotter leben.

Foto: E. Neffe

Sind die Bachufer jedoch zu stark durch die Vegetation verwachsen, vor allem durch Neophyten wie das Drüsige Springkraut (Impatiens glandulifera), gelangen die Prachtlibellen nicht zu ihren Eiablageplätzen und eine Besiedelung wird unmöglich. Auch kleinsten Wasserverunreinigungen reichen, um ein Biotop für sie unbewohnbar zu machen: Schon die Larven reagieren sehr empfindlich auf Sauerstoffmangel. Durch diese enge Verbindung mit ihrem Lebensraum ist diese Libelle dementsprechend selten. In vielen Bundesländern steht sie daher schon unter Naturschutz und stellt laut der „Roten Liste der Libellen Österreichs“ eine gefährdete Art dar. Zu wirksamen Schutzmaßnahmen zählen der Erhalt und die Wiederherstellung naturnaher Fließgewässerabschnitte mit einer Uferbepflanzung, bei der eine vollständige Beschattung vermieden wird.

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