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Foto: Hochgebirgs-Naturpark Zillertaler Alpen (Michaela Walch)

Foto: Herfried Marek

Foto: Herfried Marek

Alpensteinbock

Foto: Hochgebirgs-Naturpark Zillertaler Alpen (Michaela Walch)

Der Alpensteinbock, ein äußerst gewandter Felskletterer, war im Mittelalter als „kletternde Apotheke“ bekannt und heiß begehrt unter Wilderern. Ausgerottet und wiedereingebürgert – eine Leidensgeschichte von Kopf bis Fuß – mit Happy End?

Die kletternde Apotheke

Foto: Hochgebirgs-Naturpark Zillertaler Alpen (Michaela Walch)

Heute ist der Alpensteinbock den meisten Alpenbewohnern ein Begriff, aber an seine Berühmtheit im Mittelalter kommt er nicht mehr heran – Gott sei Dank, denn als Hauptlieferant von Magensteinen, den so genannten Bezoaren, wurde er enorm stark bejagt und in den Ostalpen sogar gänzlich ausgerottet. Im Mittelalter wurden dem Bezoar heilkräftige und magische Wirkungen nachgesagt und als Arznei etwa gegen Pest, Fieber, Epilepsie und Seitenstechen eingesetzt.

Foto: H. Marek

Aber nicht nur die Bezoare erfreuten sich großer Beliebtheit, in den Ostalpenländern wurde bevorzugt das Horn des Alpensteinbocks für die Zubereitung von Arzneien verwendet, in der Schweiz und in Westeuropa wiederum das Blut. Sogar Losung, Fett, Haut, Herz, Hoden usw. wurden verarbeitet und für Heilzwecke verwendet. Die Beschaffenheit seiner Hörner machte den Alpensteinbock nicht nur für medizinische Zwecke höchst beliebt, sondern auch für die Hornschnitzerei. Gegenstände, wie Becher, Dosen, Kelche und Anhänger, ab dem Mittelalter hergestellt für Klerus und Adel, haben die Zeit überdauert und existieren zum Teil heute noch. Bereits im 17. Jahrhundert wurde der Schwund der Alpensteinböcke registriert und man versuchte über drakonische Strafen für Wilderei diesen einzudämmen, leider erfolglos. In den Alpen starb das Tier gänzlich aus.

Erste Einbürgerungsversuche ab dem 18. Jahrhundert vom Appenin (Gebirge in Mittelitalien) aus blieben leider hinter den Erwartungen zurück, zumindest in Österreich. Erst ab 1924 konnten erste neue österreichische Kolonien in Salzburg und der Steiermark begründet werden. Die Einbürgerung wurde weiter ausgedehnt und heute leben wieder rund 4.000 Tiere in Österreich. 

König der Alpen

Lebensräume im Gebirge, Foto: H. Marek

Der europaweit geschützte Alpensteinbock ist ein echter Kletterexperte und bewohnt Höhenbereiche zwischen 1.300 m und  3.000 m Seehöhe. Er ist ein Sonnenliebhaber und mag es gerne warm und trocken. Im Sommer hält er sich gerne auf südexponierten Rasen- und Felshängen auf, wo auch die Spinnweb-Hauswurz zuhause ist. Für sein charakteristisches Fluchtverhalten, die Aufwärtsflucht, benötigt er Felswände, -klüfte oder -schluchten. Auch ein freier Rundblick ist ihm sehr recht.

Kletterpartie im Gebirge, Foto: Hochgebirgs-Naturpark Zillertaler Alpen

An seine Wintereinstände stellt er weit spezifischere Ansprüche. Hier spielen Schneelage, Niederschlagsmenge, Hangneigung, Felsanteil und Bewaldungsgrad eine große Rolle. Sind die optimalen Lebensraumbedingungen nicht gegeben, fällt es ihm schwer, zu überleben. Er meidet besiedeltes und beweidetes Gelände, auf Almen ist er somit so gut wie nie zu bewundern. Hat er ein geeignetes Habitat gefunden, ist der Alpensteinbock ein geselliges Tier, allerdings mit klassischer Rollenverteilung. Die alten Böcke streifen einzeln umher, während die Geißen sich um den Nachwuchs kümmern und in einer Herde von 10-20 Tieren zusammenleben. Die männliche Jugend lebt in Junggesellenherden zusammen, bis für sie die Paarungsreife erreicht ist.

Der König der Alpen ist in ein felsiges Reich zurückgekehrt. Medizinische Wunder erwartet keiner mehr, Bewunderung ist angesagt.

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