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Foto: LACON

Naturkalender Steiermark - Naturparkschulen erforschen die Bestäuberphänologie

Die Wissenschaft der Phänologie untersucht Zusammenhänge zwischen dem saisonalen Zyklus von Pflanzen und Tieren und der Witterung bzw. dem Klima. Vor allem Pflanzen wirken dabei als sehr empfindliche Messinstrumente der bodennahen Atmosphäre und reagieren mit zunehmend früherer Blüte oder Fruchtreife auf die Temperaturerhöhung der letzten Jahre.

Grafik: NATURPARKE STEIERMARK

Die Naturkalender-Drehscheibe veranschaulicht die 10 Jahreszeiten eines Naturjahres. Sie ist ein wertvolles Hilfsmittel um die konsequente Regelmäßigkeit der Natur-Ereignisse und ihre Abfolge in einem Naturjahr zu beschreiben und zu beobachten.

Mit dem Vorgängerprojekt Naturparkschulen – Pflanzen, Beobachten, und Forschen“  (08/2016 – 12/2018) wurde der Grundstein für die Etablierung eines phänologischen Naturbeobachtungsnetzwerkes in den steirischen Naturparken gelegt. 28 Naturpark-Schulen beobachteten und dokumentierten Blattaustrieb, Blüte und Fruchtreife an 12 typischen, heimischen Wildgehölzarten in ihren eigens gepflanzten Schulhecken und lieferten wichtige Beiträge zum besseren Verständnis der Auswirkungen von Klimaveränderungen auf die biologische Vielfalt der Steiermark.

Um diese Aktivitäten in den Naturparken nachhaltig erhalten und verankern zu können, werden diese phänologischen Naturbeobachtungen im Folgeprojekt „Naturkalender Steiermark – Naturparkschulen erforschen die Bestäuberphänologie“ in den Jahren 2020 – 2022

  • thematisch, das heißt phänologische Beobachtungen unter besonderer Berücksichtigung von Bestäuberinsekten, und
  • personell, durch den Aufbau eines generationenübergreifenden „Phäno-Teams“,

weiterentwickelt.

Konkrete Maßnahmen (Auswahl)

7 Generationenpartnerschaften

SeniorInnen stellen in den Naturparken eine wichtige Zielgruppe für die Durchführung von phänologischen Beobachtungen dar. Sie haben teilweise noch selbst in der Schule phänologisch gearbeitet, verfügen sehr oft über einen reichen Erfahrungsschatz im Umgang mit Natur und Landschaft und sind zumeist sehr gewissenhafte BeobachterInnen. Durch die Einrichtung von je einer Generationenwerkstatt pro Naturpark wird die Möglichkeit geschaffen, interessierte Seniorenorganisationen in das Beobachtungsnetzwerk einzubinden. Kinder, Jugendliche, LehrerInnen und SeniorInnen werden gemeinsam phänologische Beobachtungen an Hecken und zu Bestäuberinsekten durchführen, Erfahrungen austauschen und sich gegenseitig unter Einbringung ihrer individuellen Fähigkeiten bei der Naturkalenderarbeit unterstützen.

Foto: LACON

Generationenübergreifendes Werken an und mit der Hecke – z.B. ein Weidenpfeiferl bauen.

7 ausgebildete PhänologInnen

Um die Naturkalenderaktivitäten nachhaltig in den Naturparken zu verwurzeln und vor Ort- Netzwerke aufzubauen, wird pro Naturpark je eine phänologisch interessierte Person (NaturvermittlerInnen, ImkerInnen, LandwirtInnen, WetterkundlerInnen, o. Ä.) gesucht, die zu einer „NaturparkphänologIn“ ausgebildet wird. Die PhänologInnen werden fachlich und beobachtungsmethodisch trainiert und erhalten hilfreiche digitale Materialien für ihre Arbeit. Sie übernehmen schwerpunktmäßig die Motivation der Schulen, Begleitung und Betreuung der Schulklassen und Generationenwerkstätten und die Dokumentation der durchgeführten Aktivitäten.

Naturkalender verwurzeln

Hecken für Generationenwerkstätten

Die Naturkalender-Hecken stellen die Grundlage für die Beobachtungen dar und sind wichtiger Nahrungslieferant und Lebensraum für Bestäuber- und andere Insekten. Neben ihrer Funktion als Zeigerarten für eine der 10 natürlichen Jahreszeiten wird bei der Auswahl der Heckenarten auch hoher Wert auf ihre Bedeutung für heimische Insektenarten mit besonderem Fokus auf bestäubungsökologische Aspekte gelegt. Die Artenzusammensetzung der Hecken umfasst die international als phänologische Indikatoren verwendeten Arten (siehe Tabelle „Die Gehölzearten der Naturkalender-Hecke“). Im Projekt werden insgesamt 17 wurzelnackte Naturkalender-Hecken gepflanzt. Damit werden die bereits erfolgten Auspflanzungen von 30 Hecken im Jahr 2017 komplettiert. Nach Abschluss des Projektes werden demnach 47 Naturkalender-Hecken in den Naturparken der Steiermark mit 564 Gehölzen verwurzelt sein.

Die Tabelle: Gehölzearten der Naturkalender-Hecken als PDF-Download finden Sie hier! (PDF-Download: 3,2 MB)

Naturkalender zum Einsäen

Um auf einfache Weise die Idee der lebendigen Naturkalender und der phänologischen Beobachtung möglichst breit und kostengünstig zu den Naturpark-BewohnerInnen zu bringen (d. h. auch für die Personen, die nicht über ausreichenden Platz für Hecken verfügen aber trotzdem mitbeobachten möchten), werden „Naturkalender zum Einsäen“ in Form von kleinen Saatgutsackerln entwickelt und abgegeben. Dazu ist der Aufbau einer Kooperation mit einer Saatgutfirma geplant. Die Artenauswahl (hauptsächlich krautige Arten) berücksichtigt natürlich den im Projekt gesetzten Bestäubungsschwerpunkt. Die teilnehmenden Naturpark-Schulen säen die krautigen Naturkalender selbst ein und tragen die Naturkalenderidee in die Naturparke, indem sie Saatgutsackerln an Verwandte, FreundInnen, etc. abgeben und zur Aussaat sowie zur nachfolgenden Beobachtung motivieren.

Foto: LACON

Schon das Pflanzen der „eigenen“ Hecke ist ein Erfolgsgeheimnis. Dadurch entstehen echt gute Beziehungen zu den Gehölzen und ihren Bestäubern.

Veranstaltungen zum Thema Bestäuberphänologie

Die schon bekannten und gut etablierten, regionalen Veranstaltungen von und mit den Naturpark-Schulen zum „Internationalen Tag der Biodiversität“ werden 2021 ganz im Zeichen der Bestäuberphänologie stehen. Zusätzlich wird ein neues Format eines Obstblütenfests („Countdown Obstblüte“) entwickelt und organisiert, das regional in allen 7 Naturparken jeweils in den Jahren 2020 und 2021 möglichst genau zum Zeitpunkt des Blühbeginns von Apfel bzw. Birne stattfindet. Dazu kommen SchülerInnen auf die Streuobstwiese eines landwirtschaftlichen Betriebes, feiern die Obstblüte und lernen viel über die Blüten- und Bestäuberökologie und -arten. Da die Veranstaltungen in allen Naturparken zu unterschiedlichen Zeitpunkten stattfinden werden, kann sehr gut veranschaulicht werden, wie die phänologische Blühentwicklung der Obstblüte und das Auftreten von Bestäuberinsekten in der Steiermark ablaufen und wie unterschiedlich die Jahre verlaufen. Das Programm findet seinen Höhepunkt in einem Foto-Wettbewerb im Frühjahr 2021, dem „1. steirischen Bestäubungs-Wettbewerb“.

-> Details zu den Veranstaltungen und Wettbewerb folgen!

Organisation und Finanzierung

Projektlaufzeit: 02/2020-02/2022

Projektträger & Gesamtprojektleitung: NATURPARKE STEIERMARK

Externe fachliche Begleitung: Klaus Wanninger, DI Isabella Ostovary (LACON, Wien)

39 beteiligte Naturpark-Schulen in 7 Naturparken

Projektkosten: € 166.765.- (ELER M7.6.1, EU/Land)

PDF-Download:

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