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Foto: Raymond Clement / Naturpark Our

Foto: Franz Kovacs

Wald und Naturpark im Klimawandel

Naturpark Sparbach von DI Susanne Käfer; MSc

Projektbeschreibung

Naturpark Sparbach (Foto: Susanne Käfer)

Der Klimawandel ist nicht erst seit der „Fridays for Future“-Bewegung ein Thema in den Schlagzeilen. Wie aber geht der Wald bzw. der Naturpark damit um? Bäume können nicht „übersiedeln“, sie sind auf Jahrzehnte oder Jahrhunderte an ihren Standort gebunden. Welche Möglichkeiten nutzt ein Naturpark als Teil eines Forstbetriebes um den Wald klimafit zu machen? Begleiten Sie uns im Naturpark Sparbach auf einer geführten Tour. Wir zeigen Ihnen, wie vielfältig der Wald im Naturpark Sparbach aussieht und mit welchen Maßnahmen wir dem Wald helfen, auch zukünftigen Generationen als klimafitter Wald, als Wirtschafts- und Erholungswald zur Verfügung zu stehen.

Im Jahr 2017 erhielt der Gesamtbetrieb (Stiftung Fürst Liechtenstein – Forstbetrieb Wilfersdorf) den Staatspreis für Vorbildliche Waldwirtschaft verliehen. Im Jahr 2018 wurde vom Verein BIOSA das Projekt „GENial – der Wald im Klimawandel“ durchgeführt, dabei hat Susanne Käfer (Leiterin des Naturpark-Büros) maßgeblich an der Gestaltung der Begleitbroschüre mitgewirkt. Daraus entstand die Idee für den Naturpark Sparbach, diesen Themenbereich aufzubereiten und in einem ersten Schritt ein Führungsangebot zu entwickeln.

Wald und Naturpark im Klimawandel“ stellt ein neu entwickeltes Führungsprogramm dar. Damit soll das aktuelle Thema „Klimawandel“ für die interessierten Gäste erlebbar gemacht werden. Im Rahmen dieser Führung, die entweder vom Förster des Naturparks oder von fachlich versierten WaldpädagogInnen geleitet wird, begibt sich die Gruppe auf eine Tour durch die verschiedenen Wald- und Bewirtschaftungstypen des Naturparks Sparbach. Bei ausgewählten Plätzen werden Fakten zum Klimawandel aus der Sicht der Meteorologie behandelt: Was bedeutet Klimawandel für den Wald? Die Begriffe Klimahüllen, Klimabilanz, Wasser, Temperatur und Anpassungsmechanismen werden vermittelt und erklärt. Teil des Inputs ist auch die Phänologie – die Lehre der Naturerscheinungen (was zeitigt wann?) – am Beispiel der „Fieberkurve“ des Schwarzen Holunders. Im Rahmen der Führung werden verschiedene Aufforstungsflächen besucht, dabei das Thema Baumartenwahl und Waldgenetik angesprochen und die Notwendigkeit im Naturpark eine Aufforstungsfläche einzuzäunen behandelt sowie die auf diesen Flächen anzutreffende Biodiversität erläutert.

Die Baumriesen des Naturparks stellen Bäume mit ihrem nahe des Erntezeitpunktes notwendigen Platzbedarfs dar. Hier kann auf vielfältige Weise in die Geschichte des Naturparks eingetaucht werden. Beim Besuch der Wiesenflächen, die aus naturschutzfachlicher Sicht Hotspots der Biodiversität darstellen, lässt sich hervorragend über die Biodiversität der Pflanzen- und Tierwelt diskutieren, inklusive des Themas Arten auf Wanderschaft. Vom Wäldchen auf der Dianawiese liegen Bilder aus den 60er Jahren aus dem Landesarchiv vor: ein Blick in die Vergangenheit – ein Blick in die Zukunft. Der Heuberg bietet die Möglichkeit über den Eisbruch des Jahres 2014 zu berichten: was das für den Forstbetrieb bedeutet hat und wie man mit topografischen Ungunstlagen umgehen kann. Vom Köhlerhaus kann Waldbewirtschaftung „von oben“ betrachtet werden. Der Weg über die Ruine Johannstein zurück gibt Diskussionsstoff zum Thema „Wegesicherheit und wie der Naturpark damit umgeht“. Hier kann das Verweilen unter den Baumriesen den Eindruck der Führung vervollständigen. Interessierte können vor dem Rückweg zum Ausgang noch die ehemalige Kastanienallee beim Damwild- und Muffel-Gehege aufsuchen. Als Erinnerung an diese Führung bekommen die TeilnehmerInnen eine Phänologische Scheibe und die Broschüre „GENial – Wald im Klimawandel“.

Fürstenföhre (Foto: Susanne Käfer)

Partner:
Fachlich konnten wir auf das Know-how folgender Organisationen zurückgreifen: BIOSA: GENial – Wald im Klimawandel, PEFC, LIECO, BFW. Besuche der Themenwege im Naturpark Mürzer Oberland und im Naturpark Rheinland nahe Bonn ergänzten die Informationen.

Umsetzung und Bewerbung:
Das Programm ist seit Saisonstart 2019 auf der Website des Naturparks Sparbach platziert. Im Besucherzentrum haben die Gäste die Möglichkeit einen Handzettel zum Angebot mitzunehmen. Es wird eine Kooperation des Vereins der Niederösterreichischen Naturparke mit dem für die landwirtschaftlichen Schulen verantwortlichen Inspektor angestrebt; hier wurde dieses Angebot ebenfalls vorgestellt.

Das Projekt wurde 2019 auf der Österreichischen Bildungslandkarte platziert und erhielt die Anerkennung im Bereich Bildung für Nachhaltige Entwicklung BEST OF AUSTRIA.

Finanzierung:
Die Entwicklung des Führungsprogrammes erfolgte im Rahmen eines LE-Projektes und aus Eigenmitteln (privat).

Bildung für Nachhaltige Entwicklung – Bezug zu den Kriterien

HEUTE für MORGEN (Foto: Susanne Käfer)

Wertorientierung am Leitbild der nachhaltigen Entwicklung
Der Wald stellt seit mehr als 300 Jahren das Symbol für gelebte Nachhaltigkeit dar – 1713 hat Hans Carl von Carlowitz den Begriff geprägt. Bis heute darf nicht mehr Holz aus dem Wald entnommen werden als zuwächst. Das Wiederaufforstungsgebot mit standortgerechten / geeigneten Baumarten ist ebenso wie die Entnahme im Forstgesetz in der geltenden Fassung verankert. Wald stellt DAS Beispiel für generationenübergreifendes Handeln dar. Die Holzentnahme von heute ist von mehreren Generationen von Förstern begleitet worden. Daher sind auch die heutigen Forstleute gefordert, den Wald der Zukunft zu pflanzen und zu pflegen. Als gelebtes Beispiel sei hier die im Jahr 2017 mit den Kindern unserer Naturpark-Schule aufgeforstete Fläche „HEUTE für MORGEN“ genannt. Zusammenhänge von natürlichen Prozessen und Entwicklungen erkennen und begreifen, ist gerade beim Thema Klimawandel unabdingbar. Der respektvolle Umgang mit den Gütern, die die Vorgenerationen für uns gepflegt haben, soll uns Auftrag sein, es ihnen gleichzutun und durch vorausschauendes Handeln die Ressourcen für zukünftige Generationen zu sichern.

Mehrperspektivität / Transdisziplinarität
Die Struktur des nun entwickelten Führungsplanes erlaubt neben der Vermittlung fachlicher Kenntnisse aus den Bereichen Forstwirtschaft, Naturschutz, Schutzgebiete u.a.m. auch das Erleben vor Ort. Die Wegführung ist so gewählt, dass die oben bereits vorgestellten Inhalte an ausgewählten Plätzen erlebt werden können. Durch Anregung von Diskussionen in der Führungsgruppe ist der Austausch über die erlebten und vermittelten Kenntnisse sowie der politischen, gesellschaftlichen und sozialen Faktoren möglich.

Zukunftsorientierung
Wie schon in der Projektbeschreibung und beim Punkt Wertorientierung am Leitbild der nachhaltigen Entwicklung ausgeführt, ist das Thema bestens dazu geeignet über Zukünftiges nachzudenken und zu reflektieren.

Globale Perspektive
Wissen um lokale Handlungsweisen (Bewirtschaftung des Waldes) stellt die Basis dafür dar, über globale Handlungsweisen zu reflektieren. Aktivitäten, die in der Region zur Bewirtschaftungsweise beitragen, können andernorts fehlen, wodurch andere Handlungsweisen notwendig und angezeigt sind. Bewirtschaftung, die aus der Region für die Region entwickelt wurde, trägt zur nachhaltigen Entwicklung dieser Region bei.

Kritisches Denken und Problemlösen
Die Themen „Klimawandel“ und „Wald und Naturpark im Klimawandel“ ermöglichen im Rahmen des derzeitigen Führungsprojektes immer wieder an ausgewählten Orten die Denkweise der TeilnehmerInnen in Diskussionen einzubeziehen, kritische Fragen zu stellen und die Führung so weiter zu entwickeln. Daraus lassen sich Problemlösungen für die Zukunft entwickeln. Diese können ebenfalls im Rahmen der Gruppe diskutiert werden.

Methodenvielfalt
Neben dem klassischen Vermitteln durch Erzählen bzw. Berichten an einer geeigneten Örtlichkeit im Rahmen der Führung kommen die phänomenale Drehscheibe und die Broschüre „GENial – Der Wald im Klimawandel“ zur Anwendung. Diskussionen und Gespräche stellen einen weiteren Schwerpunkt des Lernprozesses dar.

Partnerschaften und Netzwerke
Eine der Kernbotschaften nachhaltiger Wald- und Forstwirtschaft ist, dass Ergebnisse nur durch jahrelanges Miteinander – im Sinne der handelnden Personen, aber auch der Mensch-Natur-Beziehung – zu erreichen sind.

Resümee

Bei den bisher abgehaltenen Führungen zu diesem Thema war das Echo sehr positiv (zwei Führungen) – dann kam Corona…

Ausblick

Auf der Basis dieses Führungsprogrammes soll ein Themenweg entstehen, um die Inhalte für alle interessierten Naturpark-Gäste aufzubereiten und erlebbar zu machen. Eine Einbindung in den ausgezeichneten Audio Guide (BEST OF AUSTRIA 2018) ist ebenfalls vorgesehen.

Service-Angaben

Naturpark Sparbach
Leiterin Naturparkbüro: DI Susanne Käfer, MSc
Stiftung Fürst Liechtenstein • 2393 Sparbach 1
Tel.: +43 (0) 2237 / 207 29
E-Mail: naturpark@sfl.at
Web: www.naturpark-sparbach.at

Kooperationspartner

BIOSA: GENial – Wald im Klimawandel; www.biosa.at
PEFC: www.pefc.at
LIECO: www.lieco.at
BFW: bfw.ac.at


Wald und Naturpark im Klimawandel (PDF-Download: 0,5 MB)

Stand: Juli 2020


Dieser Artikel entstand im Rahmen des Projektes "Klimaschutz in Naturparken" und wurde von Bundesministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie gefördert.

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