Zum Inhalt springen

AA AA AA

Foto: Andreas Kristl

Foto: Horst Dolak

Foto: Johannes Puch

Sternenpark Attersee-Traunsee

Einrichtung eines Nacht-Landschaftsschutzgebietes von DI Clemens Schnaitl

Projektbeschreibung

Gahbergkapelle mit Milchstraße
(Foto: Hannes Schachtner – Astronomischer Arbeitskreis Salzkammergut)

Ein Sternenpark ist ein Licht- und Landschaftsschutzgebiet, in dem die nächtliche Dunkelheit, die natürliche Nachtlandschaft als Schutzgut betrachtet und vor Lichtverschmutzung („Lichtsmog“) geschützt wird. Dies wird mittels Umsetzung von Licht-Management-Plänen und Umrüstung von alten und überholten Leuchten und Lichtkörpern erreicht.

Der Naturpark Attersee-Traunsee soll mit einer Gesamtfläche von 106 km² zum 1. Sternenpark Österreichs (Dark Sky Park) werden.

Nach monatelangen Vorbereitungen und vielfachem Engagement aller Naturpark- und zukünftig auch Sternenpark-Gemeinden Altmünster, Aurach am Hongar, Schörfling, Weyregg und besonders der Lichtschutz-Gemeinde Steinbach am Attersee, der Umweltschutz-Abteilung des Landes Oberösterreich, des Institutes für Astrophysik an der Universität Wien, des Astronomischen Arbeitskreises Salzkammergut und des Naturpark-Vereins wurde der Antrag zur Zertifizierung als internationaler Dark Sky Park (Sternenpark) bei der IDA (International Darksky Association) eingereicht.

Ein naturbelassener Nachthimmel ist in Europa schon eine Seltenheit geworden. In größeren Städten ist es so hell, dass eine Neumondnacht von einer Vollmondnacht nicht mehr unterscheidbar ist. Der Einsatz von künstlicher Beleuchtung nimmt in Österreich im Durchschnitt etwa 5 % jährlich zu. Tendenz stark steigend. Der natürlich dunkle Nachthimmel muss daher zu einem schützenswerten Kulturgut erklärt werden.

Aktuelle Forschungsergebnisse belegen, dass der nächtliche Einsatz von künstlichem Licht eine der Hauptursachen für den dramatischen Verlust der nacht- und dämmerungsaktiven Lebewesen ist. Vor allem nachtaktive Insekten leisten einen wichtigen Beitrag im Ökosystem. Durch künstliche Lichtquellen werden diese Tiere angelockt, irritiert und geblendet. Dadurch verlieren sie die Orientierung und verenden oft vor Erschöpfung. Dämmerungs- und nachtaktive Tiere wie Fledermäuse, Igel, Amphibien und auch Vögel sind auch auf diese Insekten als Nahrungsquelle angewiesen. Nachtaktive Insekten – wie vor allem die Schwärmer aus der Familie der Schmetterlinge – sind wichtige Blütenbestäuber. So werden in den dunklen Stunden der Nacht Pflanzen wie die Nachtkerzen, die weiße Lichtnelke, das Nickende Leimkraut, das Wald-Geißblatt und die Heckenkirschen bestäubt.

Umrüstung der Kirchenbeleuchtung in Steinbach (Foto: Alex Limberger)

Der effiziente und intelligente Umgang mit künstlichem Licht ist daher ein Gebot der Stunde. Einige Regionen und Gemeinden in Oberösterreich bekennen sich bereits zum Schutz der vorhandenen natürlichen Nachtlandschaften durch Maßnahmen zur Reduzierung der Lichtverschmutzung.

Die Dunkelheit des Nachthimmels (bzw. wissenschaftlich korrekter Helligkeit des Nachthimmels) wird mit einem Sky Quality Meter (SQM-L), einem Gerät zur objektiven Erfassung der Helligkeit des Nachthimmels, gemessen. Es misst die Leuchtdichte des Himmels in der astronomischen Einheit Größenklassen/Quadratbogensekunden (mag/arcsec2).

Die Messungen wurden durch das Institut für Astrophysik der Universität Wien im Jahr 2019 bei zwei nächtlichen Kartierungen (in der Nacht vom 30. auf den 31. März bzw. vom 30. auf den 31. August 2019) durchgeführt. Die Mindesterfordernis an einen Sternenpark-würdigen Nachthimmel (21,2 mag/arcsec²) wurde im untersuchten Gebiet erreicht.

Weiters wurden „Allsky-Aufnahmen“ (Fischaugenaufnahmen des gesamten Himmels) durchgeführt, welche mittels speziellen Softwares Analysen zur Nachthimmelsqualität und zum Einfluss von künstlichem Licht bei Nacht, möglich machen.
Das aktuelle Lichtinventar im Gebiet des Sternenparks (mit Stand 30.11.2020) sind ca. 460 Lichtpunkte (dazu zählen Lichtpunkte von öffentlichen/gewerblichen Außenbeleuchtungen); davon entsprechen zum Zeitpunkt der Antragstellung drei Viertel dem Licht-Management-Plan, wie er von den Mitglieds-Gemeinden beschlossen wurde.

Die restlichen Lichtpunkte müssen dann in den nächsten 5 bzw. 10 Jahren (nach erfolgter Zertifizierung) umgerüstet werden, sodass nach 10 Jahren ein Umrüstungsgrad von 100% erreicht wird. Durch Bewusstseinsbildung und Förderanreize will man erreichen, dass vor allem im Zuge von notwendigen Erneuerungen von Lichtkörpern/Leuchtmitteln diese Umrüstungen erfolgen.

Was kann jeder selbst für Vermeidung von Lichtsmog und Naturschutz im Dunkeln tun?

  • Licht dorthin lenken, wo es wirklich benötigt wird. Nur von oben nach unten.
  • Licht dann einschalten, wenn ich es wirklich brauche.
  • Warmweißes Licht verwenden (Farbtemperatur zw. 1800 und 3000 Kelvin)

Nähere Infos gibt es im praktischen Ratgeber „Besseres Licht – Alternativen zum Lichtsmog“ oder im Österreichischen Leitfaden für Außenbeleuchtung.

Resümee

Gut gelungen ist, dass wir durch die fachgerechte Unterstützung der Universität Wien, Institut Astrophysik, alle Erfordernisse für eine erfolgreiche Antragstellung erfüllen konnten. Essentiell von Bedeutung ist, dass die Naturpark-Gemeinden für die Flächen des zukünftigen Sternenparks einen Licht-Management-Plan beschlossen haben und dass durch gemeinsame Anstrengungen, vor allem der Naturpark-Gemeinden Steinbach, Altmünster und Weyregg sowie der Unterstützung durch das Land Oberösterreich und der LEADER-Region REGATTA bereits viele Leuchtkörper umgerüstet werden konnten.

Ausblick

Vom Armleuchter zum Nachtschwärmer – Na-turvermittlung im Sternenpark (Foto: D. Stockinger)

Zukünftige Projektvorhaben sind unter anderem die Entwicklung einer Struktur und eines Managementplanes für den Sternenpark sowie eines Bildungs- und Erlebnisangebotes (Fachvorträge und Fachberatungen, Sternen- und Nachtnaturerlebnisführungen und weitere Veranstaltungen). Bewusstseinsbildung und Öffentlichkeitsarbeit zur Vermeidung/Verringerung von Lichtverschmutzung sowie zur Bedeutung der Nachtnatur und BesucherInnenlenkung im Sternenpark und die Entwicklung eines Netzwerkes (ähnlich wie das Netzwerk Naturpark mit Partnerbetrieben, Produzent*innen, Naturvermittler*innen) sowie touristischer Angebote, wie z. B. Himmelsschauplätze runden die Arbeiten ab.

Service-Angaben

Naturpark Attersee-Traunsee • Koordination Sternenpark: DI Clemens Schnaitl
Steinbach 5 • 4853 Steinbach am Attersee • Tel.: +43 (0) 7663 /20 135
E-Mail: naturpark@attersee-traunsee.at

Mustergemeinde „Besseres Licht“ – Steinbach am Attersee
Bürgermeisterin Nicole Eder
4853 Steinbach am Attersee • Tel.: +43 (0) 7663 / 255 18
E-Mail: nicole.eder@steinbach-attersee.ooe.gv.at

Institut für Astrophysik an der Universität Wien • Dr. Stefan Wallner, BSc MSc
Türkenschanzstraße 17 • 1180 Wien • Tel.: +43 (0) 1 / 4277 53841
E-Mail: stefan.wallner@univie.ac.at

Astronomischer Arbeitskreis Salzkammergut, Sternwarte Gahberg
Obmann Erwin Filimon
Sachsenstraße 2 • 4863 Seewalchen • Tel.: +43 (0) 664 / 37 20 422
Email: info@astronomie.at


Sternenpark Attersee-Traunsee (PDF-Download: 0,4 MB)

Stand: Jänner 2021


Top