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Foto: dmitriydanilov62/stock.adobe.com

Foto: Rupbilder-fotolia

Foto: Anja H/Pixabay

Baukünstler in Haus und Garten

Ameisenlöwe
Foto: stock.adobe.com/Vitalii Hulai

Insekten und andere Tiere kennen keine Grundgrenzen und Zäune. Daher dringen sie natürlich auch in den unmittelbaren Wohnbereich des Menschen und in die Gärten ein. Ins Haus kann sich bald einmal ein laufstarkes Insekt oder ein fliegendes Tier verirren. Nur wenige leben dauerhaft unter Dach wie Zitterspinnen, Kellerspinnen, Silberfischchen oder bestimmte Material- und Nahrungsmittelschädlinge.

Zu den auffälligsten Bauten von Insekten an Gebäuden gehören die Tönnchen der Orientalischen Mauerwespe, die an regengeschützten Stellen unter Dach, sowohl innen als auch außen am Haus, angelegt werden. Die Tiere sehen durch ihre Größe bedrohlich aus, sind aber gänzlich harmlos.

Gleiches gilt für die Ameisenlöwen, die sehr gerne an sandigen, sonnigen Stellen, ebenfalls unter Dach, ihre Fangtrichter anlegen. Je naturnäher ein Garten ist, desto mehr unterschiedliche Arten können auftreten – auch wenn es sich in der Regel dabei um häufige und ökologisch anspruchslose Arten handelt. Manche Tagfalter zählen dazu wie Tagpfauenauge, Kleiner Kohlweißling, Admiral oder Distelfalter. Als ein Problem werden von vielen die Grab- und Fraßtätigkeit der Maulwurfsgrille wahrgenommen.

Was kann ich tun?

  • bestehende Bauten nicht zerstören
  • trockene, regengeschützte Stellen südseitig am Haus nicht verbauen
  • keine Chemie im Garten
  • heimische Stauden und Gehölze verwenden
  • Blüten- und Früchtereichtum fördern, z.B. durch einen Blühstreifen oder einer Beerenhecke
  • weniger Pflege (v. a. weniger oft mähen, „wilde“ Ecken zulassen) bedeutet mehr  Vielfalt

Ideen und Tipps

Nachfolgend finden Sie Anregungen und Projektbeschreibungen für verschiedene Aktivitäten, um Kindern und Jugendlichen Baukünstler in Haus und Garten näher zu bringen.

Einfallsreiche Baukünstler: Wespen

Foto: Pixabay/Capri23auto

Hintergrund: Wespen bauen kunstvolle Nester aus Papier, wie z.B. die Gemeine Wespe oder die Hornisse. Manche Arten formen ihre Brutzellen aus Lehm, wie z.B. die Lehmwespe.

Die Erfinder der Papierherstellung: Wespen stellen für den Bau ihrer Nester Papier aus dem Grundstoff Holz her. Dafür zerkauen die Weibchen die Holzfasern und vermischen den entstandenen Brei mit einem Sekret aus ihren Speicheldrüsen. Die Nester der verschiedenen Arten schauen ganz unterschiedlich aus, denn jede Wespenart verwendet unterschiedliche Holzfasern und auch bei der Vorliebe für den Nistplatz gibt es Unterschiede. Anhand der Färbung und des Ortes des Nestes können die Arten unterschieden werden.

Lehmige Puppenstube: Aus feuchtem Lehm, vermischt mit Speichel, baut die Lehmwespe ihre einzelligen Nester. In Zweigen, am Mauerwerk oder auch in Nisthilfen können die mit Lehm verschlossenen Einzelnester beobachtet werden.


Bildungsziele: Kennenlernen der Bauweise, Baumaterialien und Formen der Nester von Wespen, Förderung der Kreativität, Fantasie und des dreidimensionalen Vorstellungsvermögens


Alter: Kindergarten

Gruppengröße: Kleingruppe, Gesamtgruppe


Papier selber machen

Material:

  • Papierreste (Altpapier, Zeitungen etc.)
  • Stabmixer
  • dünnmaschige Siebe (z.B. Pfannenspritz- schutz oder Fliegengitter)
  • Lappen und Handtücher
  • große Wanne und Eimer mit Wasser
  • Holzbretter zum Pressen (mind. 2 Stück)
  • Blüten, Blätter und Gräser
  • evtl. Stifte, Bänder und Perlen zum Verzieren

Ablauf: Papierreste sammeln (Altpapier, Tageszeitungen, Pappreste). Nach Farben sortieren, zerkleinern und in Wasser einweichen. Das eingeweichte Papier mit einem Stabmixer zerkleinern („Papiersuppe“= Pulpa). Die Pulpa in eine große Wanne mit Wasser geben und mit den Händen einrühren. Die verdünnte Pulpa mit einem Behälter auf ein engmaschiges Sieb gießen (z.B. Pfannenspritzschutz). Tipp: Die verschiedenfärbigen „Papiersuppen“ können nach Belieben vermischt werden. Blüten, Blätter und Gräser können ebenfalls auf die geschöpfte Pulpa gelegt und festgedrückt werden – so entstehen kunstvolle Papierstücke. Das Sieb auf ein Tuch stürzen (unter dem Tuch mehrere saugfähige Tücher platzieren, um die Flüssigkeit besser aufzunehmen) und mit Hilfe eines Lappens die Flüssigkeit aus dem geschöpften Papier heraussaugen. Papier und Lappen zwischen weitere Lappen und Handtücher legen und die Lappen und Papierstücke mit Hilfe von zwei Brettern pressen. Tipp: Die Kinder können sich zum Beschweren draufstellen. Je mehr gepresst wird, desto besser! Fertige Papierstücke trocknen lassen. Das selbstgemachte Papier kann z.B. als Lesezeichen oder Briefpapier verwendet werden.


Mit Lehmerde experimentieren

Material:

  • Lehmerde (alternativ fertiger Ton)
  • Eimer mit Wasser
  • Materialien aus der Natur (z.B. Stöckchen)
  • evtl. Tonwerkzeuge zum Bearbeiten

Ablauf: Lehmerde mit Wasser vermischen, so, dass ein zäher, geschmeidiger Teig entsteht. Nach Belieben Formen, Malen, Experimentieren. Die fertigen Objekte einfach an der Luft trocknen lassen oder für mehr Stabilität in einem Brennofen oder in heißer Asche brennen.

 

Weitere Anregungen finden Sie hier (kika.de) und hier (kindergarten-ideen.de)!

Meister der Webkünste: Spinnen

Gartenkreuzspinne
Foto: Pixabay

Hintergrund: Spinnen, sind wahre Meister der Webkünste. Sie bauen filigrane Wunderwerke mit präzisem Aufbau in den verschiedensten Formen. Dabei ist die Spinnseide, die die Spinne mit Hilfe ihrer Spinndrüsen produziert, ein wahrer Superstoff der Natur! Bezogen auf ihre Masse ist sie stabiler als Stahl und so elastisch, dass sie um das Dreifache ihrer Länge gedehnt werden kann ohne zu reißen. Dabei ist Spinnseide auch noch extrem leicht und dünner als menschliches Haar.


Bildungsziele: Kennenlernen des Aufbaues, der Formen, der Eigenschaften und der Bauweise von Spinnennetzen, aufmerksames Wahrnehmen und Beobachten


Alter: Volksschule, Mittelschule

Gruppengröße: Kleingruppe, Gesamtgruppe

Material: Zerstäuber mit Wasser, Handy oder Digitalkamera, Stifte, Papier, Bestimmungszettel


Beobachtungsübung

Jede Gruppe sucht ein Spinnennetz und beobachtet, welche Spinne dort lebt.

  • Wie schaut der Körperbau der Spinne aus?
  • Was macht die Spinne?
  • Wie ist das Netz aufgebaut?

Tipp: Mit einem Grashalm kann vorsichtig zuerst das Netz und anschließend die Spinne selbst berührt werden. Wie reagiert die Spinne? Dann wird das Netz vorsichtig mit Wasser besprüht, um die Fäden im Sonnenlicht besser sichtbar zu machen. Durch die Wassertropfen entsteht ein wunderbares Lichtspiel mit den Spinnfäden. Mit einem Handy oder einer Digitalkamera kann das Netz fotografiert werden


Bestimmungsübung

Jede Gruppe sucht das Gelände nach verschiedenen Spinnennetztypen ab, fotografiert diese und versucht sie zu bestimmen. Dafür werden 4 bis 5 Netzformen vorgeben, z.B. Radnetz, Trichternetz, Röhrennetz und Baldachinnetz.

 

Weitere Infos zur Biologie, Ökologie und Geschichte der Spinnen finden Sie hier!


Zeichenübung

Jedes Kind sucht sich im Gelände sein „Lieblingsnetz“ aus und versucht dieses abzuzeichnen.

 

Infos zu Spinnenseide und zum Spinnennetz gibt es hier!

In der Erde nistende Insekten

Grabwespe
Foto: Pixabay/jggrz

Hintergrund: Zahlreiche Wildbienenarten, Grabwespen oder Wegwespen bauen ihre Nester in den Boden. Die winzigen, kleinen Löcher können oft im Blumenbeet oder an den Straßenrändern beobachtet werden. Kleine Hohlräume unter der Erde, einzelne Brutzellen oder verzweigte Bauten mit Seitengängen und Brutzellen werdenvon den kleinen Baukünstlern angefertigt. Die Gänge dieser unterirdischen Wohnungen können von wenigen Zentimetern bis zu einem Meter tief sein.


Bildungsziele: In der Erde nistende Insekten und ihre versteckten Bauten kennenlernen, Wildbienen fördern und schützen


Alter: Volksschule, Mittelschule

Gruppengröße: Kleingruppe, Gesamtgruppe

Material: Sand oder sandiger Lehm, Blumen- oder Holzkisten, Bruch- oder Hohlblocksteine


Verschiedene Nisthilfen: 

  • Sonnige, warme, wenig bewachsene Böschung anlegen
  • Aus Sand oder sandigem Lehm kann eine künstliche Böschung geschaffen werden
  • Offene Bodenstellen schaffen
  • Mit Sand gefüllte Blumenkästen, -töpfe und Holzkisten werden gerne von den    Erdnistern angenommen
  • Eine sonnenexponierte Stelle im Garten kann mit Bruch- und Hohlblocksteinen (Höhe ca. 50 - 100 cm) eingefasst und mit Flugsand oder lehmigen Sand befüllt werden
  • Sand- und Lehmflächen unter Dachvorsprüngen sind gut vor Regen geschützt und werden gerne als Nistplätze angenommen
  • Pflege: wird der Bewuchs zu dicht, sollten durch Auslichten wieder neue Niststellen geschaffen werden

 

Infos zu Nisthilfen im Erdboden finden Sie hier (wildbienen.info) und hier (wildbee.ch)!

Schmetterlingsspirale anlegen

Schmetterlingsspirale
Foto: stock.adobe.com/terezqua

Hintergrund: Bevor wir einen Schmetterling als Falter bewundern können durchlebt er verschiedene Entwicklungsstadien. Aus winzigen Eiern schlüpfen Raupen, sie durchleben mehrere Raupenstadien. Raupen ernähren sich häufig von ganz bestimmten Pflanzen und müssen vor allem eines machen: fressen. So werden sie immer größer und müssen sich mehrmals häuten. Nach dem letzten Raupenstadium verpuppt sich die Raupe in einem Kokon – und darin findet ihre unglaubliche Verwandlung zu einem Falter mit Fühlern und vier Flügeln statt. Diesen Entwicklungsweg nennt man in der Fachsprache Metamorphose. Als Puppe bezeichnet man übrigens die Insektenlarve, die sich in der Ruhestellung befindet und sich verwandelt, Kokon wird das Gespinst um die Puppe herum genannt.


Bildungsziele: Mit bunten Blumen ein Paradies für Schmetterlinge und deren Raupe schaffen. Naturbeobachtungen vor der Schultüre und Erkennen von jahreszeitlichen Abläufen in der Natur.


Alter: Kindergarten, Volksschule, Mittelschule

Gruppengröße: Kleingruppe

Material: siehe Praxismaterial zum Herunterladen


Ablauf: Eine Schmetterlingsspirale wird ähnlich wie eine Kräuterspirale angelegt. Es werden bestimmte Blumen und Stauden gepflanzt, die einerseits als Futterpflanzen für die Raupen und andererseits als Saugpflanzen für die erwachsenen Falter dienen – perfekt also zum Beobachten von Schmetterlingen. Die gärtnerische Pflege beschränkt sich auf das Abräumen verwelkter Pflanzen. Aber selbst dabei sollten solche mit hohlem Stängel oder mit Blattrosetten teilweise erhalten bleiben, darin können Kleintiere überwintern. Biologische Beobachtungen sind von Frühling bis in den Spätherbst möglich.

Die genaue Beschreibung zur Anlage der Schmetterlingsspirale findet sich über die unten stehenden Links.

Ab Ende April kann das Leben bei der Schmetterlingsspirale beobachtet werden: Welche Raupen und andere Insekten finden sich dort? Welche Tiere leben im Boden? Welche Schmetterlingsarten besuchen welche Pflanzen? Das über den unten angeführten Link erhältliche Praxismaterial enthält Informationen zum Baukünstler Raupe sowie ein Beobachtungsblatt.

 

Die Anleitung für den Bau einer Schmetterlingsspirale gibt es hier!


Download: Praxismaterial - Schmetterlingsspirale (PDF-Download: 0,7MB)

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