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Foto: H. Marek

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Foto: F. Kovacs

Foto: H. Marek

Foto: E. Neffe

Foto: H. Marek

Lebensräume in Naturparken

Die schönsten Natur- und Kulturlandschaften Österreichs

Reist man mit offenen Augen durch Österreich, wird einem klar, wie abwechslungsreich die Landschaft in vielen Regionen ist. Bunte Wiesen, eindrucksvolle Wälder, sonnige Weinberge, kristallklare Seen, naturnahe Flusslandschaften mit ihren Auen, geheimnisvolle Moore und natürlich die imposante Gebirgswelt prägen das Bild von Österreich. Dabei ist wohl den wenigsten bewusst, dass ursprüngliche Naturlandschaften in Österreich nur noch in den höchsten Hochgebirgslagen und in sehr kleinen Resten (Moore, Urwaldreste) im übrigen Bundesgebiet vorkommen. Ein Großteil der Fläche ist stark vom Menschen beeinflusst und stellt vielmehr eine Kulturlandschaft als eine Naturlandschaft dar.

Könnte man einige tausend Jahre in die Vergangenheit reisen, würde man in den meisten Gegenden Österreichs buchstäblich im Wald stehen. Große Teile wären von Wäldern unterschiedlicher Ausprägung eingenommen. Die Tätigkeit des Menschen im Bestreben Lebensraum zu erschließen, Nahrung zu produzieren und Bodenschätze zu gewinnen, veränderte die Landschaft grundlegend. Es entstanden große ausgedehnte Wiesen und Weiden, die entsprechend ihrer Bewirtschaftung, ihrer geologischen Lage und ihren Standortverhältnissen unterschiedlichen Lebewesen Platz bieten. Viele dieser Arten hätten im geschlossenen Wald keine Chance auf ein Überleben. Wiesen und Äcker mit ihren Hecken und Randstrukturen, Streuobstwiesen mit alten Obstbäumen und Weingärten prägen nun über weite Teile das Land und geben wiederum vielen Tieren und Pflanzen eine Lebensgrundlage.

Foto: F. Kovacs

Diese traditionell gewachsene Vielfalt in der Landschaft spiegelt sich auch in einer enormen Biodiversität wider, also der Vielfalt an Lebensräumen und an pflanzlichem und tierischem Leben. Annähernd 45.000 Tierarten und beinahe 3.500 Farn- und Blütenpflanzen besiedeln die unterschiedlichsten Lebensräume in Österreich. Manche dieser Tiere und Pflanzen sind wenig spezialisiert und weit verbreitet, wie etwa die Fichte, das Tagpfauenauge und der Buchfink, andere sind hoch spezialisiert. Die Sonnentau-Arten, allesamt fleischfressende Pflanzen, sind zum Beispiel nur in extremen Moorlebensräumen konkurrenzfähig und können andernorts nicht existieren.

Die enorme Zahl an Pflanzen und Tieren ist nur möglich, wenn auch eine reich strukturierte und vernetzte, vielfältige Landschaft mit verschiedenen Groß- und Kleinlebensräumen vorhanden ist. Durch den steigenden wirtschaftlichen Druck auf unsere Bäuerinnen und Bauern und die dadurch immer intensiver werdende Bewirtschaftung landwirtschaftlicher Flächen kam und kommt es abermals zu einer dramatischen Veränderung in der Landschaft. Die Vielfalt der Natur geht zugunsten von eintönigen und oft artenarmen Produktionsflächen verloren.

Den Naturparken, mit ihrem Auftrag den Naturraum durch nachhaltige Nutzung in seiner Vielfalt zu sichern und die traditionelle Kulturlandschaft zu erhalten, kommt hier eine wichtige Rolle zu. Die 48 Österreichischen Naturparke, welche rund 6% der Landesfläche einnehmen, beherbergen allesamt besonders artenreiche Kultur- und teilweise auch Naturlandschaften. Die Charakterarten der jeweiligen Naturparke klingen wie das „Who is who“ der seltenen, außerordentlich schönen und speziell schützenswerten Vertreter der Flora und Fauna Österreichs, um nicht zu sagen Europas. Ob Schachblume, Türkenbundlilie, Illyrische Gladiole oder Deutsche Tamariske bei den Pflanzen und Ameisenbläuling, Alpenbockkäfer, Huchen oder Bienenfresser bei den Tieren – sie alle werden nur längerfristig überleben, wenn die in den Naturparken gelebten Grundsätze der nachhaltigen und schonenden Nutzung unserer Landschaft innerhalb und auch außerhalb dieser Schutzgebiete beherzigt werden. Achtsame Nutzung der Landschaft durch den Menschen fördert die Vielfalt an Leben, und davon profitieren auch nachfolgende Generationen.

Lebensraumtypen

Nachstehend werden wichtige Lebensraumtypen beschrieben, die sich allesamt in den Österreichischen Naturparken wiederfinden. In den Darstellungen der Naturparke wird unter anderem gezeigt, welche Lebensräume das Landschaftsbild der einzelnen Naturparke besonders prägen und welche Besonderheiten aus der Tier- und Pflanzenwelt diese beherbergen.

Übersicht der Lebensraumtypen:


Feuchtwiesen und Moore – wichtige Wasserspeicher

Foto: H. Marek

Früher waren Niederungen und Tallagen weitläufig mit Sümpfen und Mooren bedeckt. Der Mensch hat große Teile davon entwässert und für Acker- und Viehwirtschaft nutzbar gemacht. An vielen Stellen ist der Boden aber nach wie vor sehr feucht. Hier finden sich viele an Feuchtigkeit gut angepasste Pflanzen und mit ihnen besonders viele Insekten, die diese als Futterpflanzen, Versteckmöglichkeit oder Jagdrevier nutzen. Zeitweise sind Mulden und grundwassernahe Bereiche nach starken Niederschlägen sogar komplett überschwemmt. Manchmal ist eine Mahd der so genannten Streuwiesen nur händisch im trockeneren Herbst oder nach dem Frieren des Bodens möglich. Besonders viele Orchideenarten (z.B. Geflecktes Knabenkraut, Sumpfstendelwurz) und andere seltene Pflanzen wachsen in solchen staunassen Wiesen. Bereiche, in denen ganzjährig das Wasser steht, sind wertvoller Lebensraum für viele Vögel, Amphibien und Insekten sowie deren Larven. Zusätzlich dazu wird in Feuchtwiesen, Sumpfwäldern und Mooren eine große Menge Wasser gespeichert und zurückgehalten und damit die Pegel der Fließgewässer entlastet. Umgekehrt findet sich zu Trockenzeiten hier ein Wasserreservoir für viele Lebewesen. 


Fließgewässer und Auwald – von der Quelle bis zum Strom

Foto: E. Neffe

Schon der Quellbereich vieler Bäche bietet einen besonderen Lebensraum für spezielle Pflanzen und Tiere, wie z.B. die seltenen Quelljungfern, die größten heimischen Libellenarten. Entlang des Verlaufes vom Bach zum Fluss finden sich unterschiedliche Lebensräume im und am Wasser, die meist durch die Dynamik des Wassers selbst geformt werden. In flachen Abschnitten mit geringer Fließgeschwindigkeit, zu denen auch die Seitenarme von Auwaldbereichen gehören, finden sich wiederum völlig andere Pflanzen, Kleinlebewesen, Amphibien und Fische, als in gestreckten, schnell fließenden Bereichen. Entlang von Fließgewässern bieten die Ufer mit ihren offenen Sandbänken, Steilhängen, dichten Gebüschen oder teilweise überschwemmten Auwäldern eine riesige Strukturvielfalt, die Lebensräume und Nahrung für unzählige Pflanzen und Tiere bietet. Sofern Flusslebensräume noch in ursprünglicher Form vorhanden sind, stellen sie auch die artenreichsten Lebensräume in Mitteleuropa überhaupt dar. Denn durch Regulierungen und Verbauungen sowie durch Eintrag von Umweltgiften über Oberflächenwässer sind natürliche Auwälder in Mitteleuropa extrem selten geworden.


Heckenlandschaften / Feldflur – wertvolles Landschaftsmosaik

Foto: F. Kovacs

Über die Jahrhunderte für unterschiedliche Zwecke durch Menschenhand erschaffen und gewachsen, prägen Hecken unterschiedlicher Breite und Höhe wie auch Feldgehölze stark das Landschaftsbild. Meist kennzeichnen sie Bewirtschaftungs- oder Grundstücksgrenzen. So entstand ein buntes Mosaik an unterschiedlichen Lebensbereichen. Mit der Intensivierung der Landwirtschaft und durch Grundstückszusammenlegungen sind viele dieser für die Biodiversität wertvollen Strukturen verschwunden. Rebhühner und Feldhasen brauchen die dort vorhandene Deckung im hohen Gras genauso, wie eine Vielzahl von Vogelarten, die ihre Jungen im Schutz von Hecken aufziehen. Nützlinge wie Spinnen, Erdkröten, Igel, Ameisen und viele andere Insekten vermehren sich hier geschützt im Gehölz. Bei extensiver Bewirtschaftung von Feldfluren und Krautsäumen entlang von Hecken können auch seltene und geschützte Pflanzenarten vorkommen, die auf den Wirtschaftsflächen längst verschwunden sind. Nicht zuletzt bilden viele dieser Strukturen wichtigen Schutz gegen Bodenerosion.


Lebensräume im Gebirge – Almen und alpine Rasen

Foto: H. Marek

Mit Felsen durchsetzt und von Wind, Schnee und Eis geformt, sind viele Gebirge nur im Sommer ein lebensfreundlicher Lebensraum. In den restlichen Jahreszeiten dominiert ein raues Klima. Um hier zu überleben, haben Pflanzen und Tiere unterschiedliche Strategien entwickelt. Viele Pflanzen bleiben klein, blühen rasch in eindrucksvoller Blütenpracht und bilden Samen, noch bevor das Eis zurückkehrt. Nicht selten schaut im August schon der Schnee vorbei. Viele Tiere, so das Murmeltier, verschlafen die kältesten Monate gänzlich. Für Rotwild, Auerhahn und Birkhuhn sind Bergwälder wichtige Rückzugsbereiche. In den niedereren Bereichen der Almen haben sich durch die jahrhundertelange Nutzung charakteristische und artenreiche Pflanzengesellschaften gebildet. Diese sind einerseits durch Nutzungsaufgabe und damit verbundene Verbuschung, andererseits auch durch zu intensive Beweidung bedroht. In extensiv bewirtschafteten Almgebieten leben von jeher viele Tier- und Pflanzenarten. Darunter findet sich eine Vielzahl an Heilpflanzen (z. B. Augentrost, Johanniskraut, Frauenmantel) und besondere Berggesellen, wie Kreuzotter, Alpensalamander oder Alpenapollofalter.


Magerwiesen, Trockenrasen – die Natur ist der schönste Maler

Foto: F. Kovacs

Auf Wiesen, die über lange Zeiträume ohne Düngung gemäht oder beweidet werden, entwickelt sich ein ganz besonderer Lebensraum, sogenannte Magerrasen. Durch die traditionelle, maximal 2-mähdige Bewirtschaftung haben sich über die Jahrhunderte die artenreichsten Lebensräume der Kulturlandschaft entwickelt. Diese bieten einer Vielzahl an bunt blühenden Kräutern, Gräsern und einem Heer von Insekten Platz zum Leben. Durch ihre Konkurrenzschwäche auf nährstoffreichen Flächen verschwinden diese meist seltenen Pflanzen und Tiere rasch überall dort, wo Dünger aufgebracht wird. Eine Magerwiese kann bis zu 5.000 unterschiedliche Tierarten beherbergen. Auf von Natur aus steinigen, sandigen Böden oder über Fels bzw. in besonders niederschlagsarmen Gegenden bilden sich Trockenrasen, in denen nur perfekt auf diese extremen Bedingungen angepasste Tiere und Pflanzen überleben können. Echte Trockenrasen, vorwiegend im pannonischen Osten Österreichs zu finden, sind extrem selten und machen insgesamt weniger als 0,02% des gesamten Bundesgebiets aus.


Stehende Gewässer – von der Pfütze bis zum See

Foto: E. Neffe

Als sprichwörtlicher „Quell des Lebens“ ist Wasser Wohnraum und Entwicklungsort für eine Vielzahl an Lebensformen. Für das Wild und für Vögel sind stehende Gewässer wertvolles Trinkwasser und eine Nahrungsquelle, für Amphibien, Libellen und viele andere Insekten der notwendige Kindergarten für ihre Larven und schließlich Heimat von Fischen. Viele Wasserorganismen sind ihrerseits wiederum wichtige Nahrungsquelle für andere Tiere, welche diese im und am Wasser erbeuten. An stehenden Gewässern findet sich auch eine Vielzahl an Pflanzen, die speziell daran angepasst ist, direkt im Wasser oder aber in sehr feuchten Böden zu wachsen. Naturnahe stehende Gewässer sind allerdings stark durch Trockenlegung, intensive Teichwirtschaft und von verunreinigten, zufließenden Oberflächenwässern bedroht, wodurch sehr schnell das sensible Gleichgewicht in diesem Lebensraum gestört werden kann. Daher bedürfen sie eines ganz besonderen Schutzes. Auch für den Menschen sind Teiche und Seen oft nicht nur ein wunderschöner Anblick, sondern auch Erlebnis- und Erholungsraum, den man jedoch mit Bedacht auf ungestörte Rückzugsräume für Pflanzen und Tiere nutzen sollte.


Streuobstwiesen – vom weißen Blütenmeer zur Aromavielfalt

Foto: A. Kristl

Besonders im Frühjahr stechen die Streuobstwiesen als weißes Blütenmeer in der Landschaft hervor. Charakteristisch sind hochstämmige Bäume mit teils bis in 15 Meter Höhe reichenden Kronen. Vorherrschend sind alte Obstsorten, von denen jede ihren eigenen Geschmack und besondere Eigenschaften hat. Traditionell wurden bestimmte Sorten für unterschiedliche Verwendungen herangezogen wie z.B. für Most- und Essigherstellung, Dörrobst, Marmeladen, Säfte u.v.m. In einigen Naturparken wird bewusst sehr viel Wert darauf gelegt, die Streuobstbestände zu nutzen, um eine breite Palette an gesunden und schmackhaften Produkten herzustellen. Dieser von Menschenhand geschaffene Lebensraum ist sowohl Wald als auch Wiese und bietet daher über seine große Strukturvielfalt besonders viele „ökologische Nischen“ für eine große Anzahl an Tieren. Seltene Käfer, die in den hohlen Obstbäumen leben, sowie höhlenbrütende Vögel wie Grünspecht und Steinkauz, aber auch Fledermäuse und Baumschläfer sind nur einige davon. Auf den meist zweimal gemähten oder beweideten Wiesen zwischen den Bäumen kann sich in vielen Fällen eine artenreiche Pflanzengesellschaft ausprägen. 


Wald / Waldrand und -lichtungen – die grüne Lunge

Foto: E. Neffe

Ein naturnaher Wald ist durch große Strukturvielfalt gekennzeichnet. Neben dichteren Bereichen und Lichtungen mit aufkommendem Jungwuchs findet sich eine je nach Standort und Höhenlage charakteristische Mischung an Baumarten. In morschen Ästen und Totholzbäumen leben unzählige Insekten und in den Höhlen wohnen Eulen, Spechte und Fledermäuse, die in der Nacht auf Jagd gehen. Je nach Dichte der Kronen, die unterschiedlich viel Licht zum Boden durchlassen, herrscht mehr oder weniger artenreicher Unterwuchs vor. Nach feuchten und warmen Perioden treiben die vielen Pilzarten ihre Fruchtkörper aus dem Boden und morschem Holz aus, welche als wichtige Nahrung für viele Tiere dienen und auch dem Menschen so manche Gaumenfreuden bescheren. Viele Wälder sind durch den Einfluss des Menschen heute als Forste auf wenige Arten reduziert, weisen kaum Unterwuchs auf und haben eine rein ökonomische Funktion. Gerade in diesen Bereichen spielen Waldlichtungen und Waldränder eine wichtige Rolle, weil dort einige Weichhölzer und Straucharten sowie Hochstauden vorkommen, die vom besseren Lichteinfall profitieren.


Weingärten – wo sich die Sonne widerspiegelt

Foto: E. Neffe

Weingärten sind ein von Menschenhand geprägter Lebensraum. Den Ansprüchen der Weinrebe folgend wurden sie vor allem auf warmen, trockenen Südhängen angelegt. Über die Jahrhunderte hat sich hier eine eigene, ganz spezielle Lebensgemeinschaft herausgebildet. In besonders steilem Gelände wurden mithilfe von Trockenmauern Terrassen angelegt. In diesen fühlen sich vor allem Reptilien, wie Eidechsen oder Schlangen, und andere wärmeliebende Tiere wie die Gottesanbeterin wohl. Die heute vorherrschenden Intensiv-Weingärten stellen nur bedingt geeignete Lebensräume dar. Viele seltene Pflanzen trockener Standorte findet man deshalb mancherorts nur mehr in traditionell bewirtschafteten und strukturreichen Weingärten bzw. an deren Rändern. Als Beispiele seien die Weinberg-Traubenhyazinthe und die Gewöhnliche Osterluzei genannt. Von der Osterluzei wiederum ernährt sich die Raupe eines der schönsten heimischen Tagfalters, des Osterluzeifalters. Früher waren Hecken und Bereiche mit Obstbäumen, Gemüse- und Kräuterbeeten fixe Elemente von Weingärten. In alten Weingärten kann man auch noch heute Reste dieser Nutzungen mit.

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