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Hirschbirne, Foto: Ewald Neffe

Schachblume, Foto: F. Kovacs

Echte Johanniskraut, Foto: Ewald Neffe

Rostblättrige Alpenrose, Foto: R. Zideck

Hirschzungenfarn, Foto: H. Marek

Spinnweb-Hauswurz, Foto: H. Marek

Herbstzeitlose, Foto: E. Neffe

Landschaften voller Pflanzen

Besonderheiten aus der Pflanzenwelt

Die Österreichischen Naturparke beheimaten eine Vielzahl interessanter Pflanzenarten. Um Ihnen diese näher zu bringen, stellen wir nun jeden Monat einen besonderen Vertreter der Pflanzenwelt vor - darunter finden sich charateristische ebenso wie außergewöhnliche. Neben Wissenswertem zu der jeweiligen Pflanze, erhalten Sie auch Informationen über deren Lebensraum und Verhältnis zu bestimmten Tierarten. Denn erst durch die gegenseitigen Abhängigkeiten von Fauna und Flora wird ersichtlich, wie wichtig ein intaktes Ökosystem ist - und wie hoch der Anspruch, diese biologische Vielfalt zu erhalten, sein sollte.

Fotos: E. Neffe & H. Marek

Um diese beeindruckende Vielfalt zu bewahren, führt der VNÖ in enger Zusammenarbeit mit den Österreichischen Naturparken gegenwärtig einige Projekte zum Schutz und Erhalt der Biodiversität durch. Damit wollen auch wir einen bedeutenden Beitrag dazu leisten, diese wunderschönen Natur- und Kulturlandschaften unseres Landes so zu erhalten, wie sie sind - Landschaften voller Leben.

Die Hirschbirne "Naturpark-Pflanze des Monats" Juli

Foto: Ewald Neffe

Imposante Obstbaumriesen, ihrer kulinarischen Werte hoch geschätzt – auch wenn sie mit ihrem Prädikat der „geschützten Ursprungsbezeichnung“ EU-Luft schnuppern darf, bleibt die Hirschbirne ein steirisches Original von der Wurzel bis zum Kerngehäuse ihrer g´schmackigen Früchte.

Gut Ding braucht Weile

Foto: Ewald Neffe

Ein erster Biss in ihre süß duftenden Früchte lässt oft Gesichter lustige Grimassen schneiden – die adstringierende Wirkung ist schon etwas gewöhnungsbedürftig. Die Hirschbirne ist mit ihren herb-aromatischen Früchten eine Mostbirnensorte, die sich durch einen hohen Gerbstoffgehalt auszeichnet. Anders als die meisten Kultur-Birnensorten stammt sie von der Schnee-Birne ab, einer Birnenart die ursprünglich im südlichen Mitteleuropa und in Kleinasien beheimatet war. Die Sorte entstand vermutlich als Zufallssämling um 1800 und ist sowohl historisch als auch heute noch ausschließlich in der Oststeiermark insbesondere im Naturpark Pöllauer Tal und der Buckligen Welt verbreitet.

Foto: Ewald Neffe

Hirschbirnbäume können sehr alt werden. Das Alter der aktuell mächtigsten lebenden Bäume wird auf rund 200 Jahre geschätzt. Traditionell werden die Bäume auch heute noch in Streuobstwiesen und Baumreihen kultiviert. Zur Blütezeit Anfang Mai verwandeln sich die mächtigen Baumkronen in weiße Blütenwolken, die Dank der Frostunempfindlichkeit der Blüten auch überraschende Kälteeinbrüche unbeschadet überstehen können. Mit der Fruchtreife lässt sich die Hirschbirne viel Zeit. Erst später im Herbst, wenn in den Obstplantagen und Spalierreihen bereits wieder Ruhe nach dem Erntestress eingekehrt ist, kommt die Zeit der kleinen, rundlichen Hirschbirnen.

Oststeirerin mit Potenzial

Foto: Alois Pöltl

Die Pöllauer Hirschbirne g.U. hat es geschafft, als regionale Besonderheit bis in internationale Kreise der Europäischen Union vorzudringen und findet sich hier in illustrer Gesellschaft mit anderen namhaften kulinarischen Größen mit verordnetem EU-Herkunftsschutz (g.U. = „geschützter Ursprungsbezeichnung“) wieder, wie der „Wachauer Marille“, der „Steirischen Käferbohne“ aber auch italienischen Schmankerln wie dem „Grana Padano“ und dem „Prosciutto di San Daniele“. So bemerkenswert und besonders die kleinräumige Verbreitung der Hirschbirne auch ist, hat dies jedoch auch Schattenseiten, die sich aktuell in einer Überalterung der Bestände und einem starken Rückgang der Zahl der Hirschbirnbäume äußern.

Foto: Alois Pöltl

Dies stellt große Herausforderungen an die regionalen Bäuerinnen und Bauern, die bemüht sind, die Baumbestände zu sichern, was nur durch Nachpflanzen junger Bäume erreicht werden kann. Die Nutzung der Hirschbirnen erfolgt auf mannigfaltige, sowohl traditioneller als auch modern-innovativer Weise, beispielsweise zu Saft, Most, Essig, Spirituosen, Kletzen (=gedörrte Birnen) oder Fruchtaufstriche und findet Eingang in zahlreiche kreative Gerichte. Und wer sich schließlich noch fragt, wie die Birne eigentlich zu ihrem „Hirsch“ im Namen kam, erfährt nun vielleicht ein kleines „Aha!-Erlebnis“. Tatsächlich leitet sich ihr Name vom mundartlichen „Hirscht“ oder „Hiascht“ für „Herbst“ ab und weist damit auf die späte Reifezeit der Birne hin.

Das Echte Johanniskraut "Naturpark-Pflanze des Monats" Juni

Echte Johanniskraut (Hypericum perforatum), Foto: Ewald Neffe

Stolz streckt es seine zarten, leuchtend gelben Blüten der Sonne entgegen. Das Echte Johanniskraut, "Pflanze des Lichts" – ein magisches und heilendes Kraut unserer Landschaft. Wenn es blüht, ist der Sommer da!

Wir zeigen, wieso diese Besonderheit der heimischen Pflanzenwelt als "Sonnwendkraut" bezeichnet wird und stimmungsaufhellend, magisch wie auch zart in gleicherweise Weise ist.

Lichtverliebt und heiß begehrt

Foto: Andreas Kristl

Seine ersten Blüten öffnet das Echte Johanniskraut jährlich um die Sommersonnenwende, einem Ereignis, mit dem das Echte Johanniskraut, Hypericum perforatum, schon seit uralter Zeit in Verbindung gebracht wird. Der Tag, an dem "das Licht das Dunkel besiegt", wurde von den Menschen seit jeher gefeiert. Mit Johanniskraut wurden die Altare geschmückt, beim Tanzen verzierten Kränze aus blühendem Johanniskraut die Häupter der Damen. Das ursprünglich heidnische Fest wurde zur Sommersonnenwende (21. Juni) gefeiert, jedoch nach der Christianisierung auf den 24. Juni verlegt und mit dem heiligen Johannes in Verbindung gebracht – daraus entstand der Johanni-Tag. Dies hat der Pflanze schließlich auch zu seinem deutschen Namen verholfen.

In unserer heimischen Flora finden wir mehrere Johanniskraut-Arten. Das Echte Johanniskraut lässt sich am besten anhand seiner Stängel identifizieren: Wird dieser direkt unter dem Blütenstand zwischen den Fingern gerollt, fühlt er sich zweikantig an. Dafür verantwortlich sind zwei gegenüber liegende Längsleisten an den sonst stielrunden Trieben. Auch seine Blätter sind charakteristisch: Gegen das Licht gehalten, werden auf ihren Flächen durchscheinende Pünktchen erkennbar – Öldrüsen, die in das Blattgewebe eingelagert sind. Der lateinische Artbeiname "perforatum" bezieht sich auf dieses Merkmal.

Während seiner Blütezeit zwischen Juni und August tummeln sich zahlreiche Insekten auf den filigranen Blüten. Aber nicht alle Blütenbesucher sind unbedingt nur an Pollen und Nektar interessiert. Auch Sonnenanbeter wie der Apollofalter und andere Schmetterlinge nutzen die Pflanze als sonnig-warmen Rastplatz.

Mit der Sonne kommt die gute Laune

Foto: Klaus Wanninger

"Pflanze der Sonne" wird das Echte Johanniskraut auch genannt – ein klingender Name, der große Erwartungen wach werden lässt. Was hat es mit dieser Pflanze auf sich, dass mit ihrem Beinamen der zentrale Stern unseres Sonnensystems gewürdigt wird? In der Tat schreiben die Menschen seit Jahrtausenden dem Echten Johanniskraut magische, vor bösen Einflüssen schützende Eigenschaften zu, die auf ihre heilende Wirkung hinweisen. Heute ist die Wirkung der einzelnen Inhaltsstoffe durch medizinische Forschung bestätigt, das Zusammenspiel der Wirkstoffe ist jedoch teilweise noch immer nicht geklärt.

Seinen Bezug zur Sonne zeigt das Johanniskraut jedenfalls in mehrfacher Hinsicht. Als Pionier und Magerkeitszeiger bevorzugt die Pflanze sonnenreiche und karge Standorte, wie Magerweiden, Wegränder und Waldsäume. Im übertragenen Sinne kann das Johanniskraut auch "Sonne in die Seele" bringen - es gilt als bestes pflanzliches Mittel gegen Depressionen. Seine antidepressive Wirkung ist seit langer Zeit bekannt. Schon Hildegard von Bingen hat dem Kraut den Beinamen "Arnika der Nerven" gegeben. Durch den Gehalt an Hypericin wirkt die Pflanze photosensibilisierend, das heißt, es macht die Haut empfindlich gegenüber UV-Strahlung. Positiv in lichtarmen Wintermonaten – mit Vorsicht zu genießen bei besonders heller Haut oder starker Sonneneinstrahlung. Hyperforin und andere Inhaltsstoffe des Johanniskrauts sorgen für eine verstärkte Verfügbarkeit von Neurotransmittern (= Botenstoffe) im Gehirn, welche die Reizleitung verbessern und somit stimmungsaufhellend wirken können. Dies sind die gleichen Wirkmechanismen, wie sie auch von synthetischen Antidepressiva bekannt sind.

Die Edelkastanie "Naturpark-Pflanze des Monats" Mai

Foto: Klaus Wanninger

Kraftvoller Baum und anspruchsvolle Diva unserer Wälder, weitgereist und schon von den Römern hochgeschätzt, ihre Früchte sind heute schmackhafte herbstliche Delikatesse und waren früher lebensrettendes "Notbrot". Die Edelkastanie, ein Wunderwuzzi!

Die Nüsse haben´s in sich – und nicht nur die!

Foto: Ewald Neffe

Ursprünglich aus Kleinasien und mit den Römern bis in unsere Breiten nordwärts gereist, konnte sich die Edelkastanie in klimamilden Lagen in unseren Laubmischwäldern ansiedeln. Sie gehört mit ihren Schwesternarten, der Eiche und der Buche, zu den mächtigsten Laubbäumen unserer heimischen Wälder. Was den Standort betrifft, ist die exotische Diva äußerst anspruchsvoll. Warm muss es sein, wo sie gedeiht, und gleichzeitig feucht genug. Spätfröste oder Dauerregen zur Blütezeit – nein danke! Mit ähnlichen Vorlieben wie der Weinstock harmonieren die beiden Gehölze somit nicht nur kulinarisch in Form von "Sturm und Maroni". Und was essen wir hier eigentlich, wenn wir von Maroni oder Kestn, wie die Früchte der Edelkastanie auch genannt werden, reden? Botanisch gesehen handelt es sich hierbei um Nussfrüchte mit dicken Speicher-Keimblättern. Bis zu drei Nüsse werden von einem stacheligen Fruchtbecher umschlossen, der sich bei Fruchtreife durch einen Austrocknungsmechanismus öffnet. Reich an Stärke, hochwertigem Eiweiß, wichtigen Mineralstoffen und Spurenelementen sowie Vitaminen können sich sowohl der Nähr- als auch der Heilwert der Maroni sehen lassen. Sie sind gekocht oder gebraten magenfreundlich und sorgen für eine gute Verdauung. Sie wirken blutbildend und antiseptisch, außerdem stark stopfend, sind also Heilnahrung bei Durchfall, aber auch bei Hauterkrankungen und allgemeiner Schwäche. Auch für DiabetikerInnen sind sie aufgrund der fehlenden Glucose und Fructose sehr gut verträglich. Neben ihren geschmacklichen Vorzügen bringt die Edelkastanie auch ein sehr wertvolles Holz hervor. Es ist extrem widerstandsfähig und haltbarer als Eichenholz. Unter Wasser ist Kastanienholz eines der dauerhaftesten Hölzer und dadurch im Wasser- und Schiffsbau sehr begehrt.

Gut Ding braucht Weile

Foto: Klaus Wanninger

Nicht nur wir Menschen erfreuen uns an den Produkten, welche die Edelkastanie zur Verfügung stellt. Wenn die Kastanienbäume zwischen Mai und Juni erblühen, lockt der intensive Blütenduft zahlreiche Insekten an. Sieht man sich die Blüten genauer an, lassen sich rasch zwei unterschiedliche Formen erkennen. Die Edelkastanie bildet nämlich männliche und weibliche Blüten in getrennten Teilblütenständen ("Kätzchen") aus. Die männlichen Blüten sind leicht an den zahlreichen, lang abstehenden Staubbeuteln zu erkennen, die weiblichen hingegen sind unscheinbarer. Die Blüten, besonders die männlichen, werden von Bienen und Käfern besucht. Ihre reiche Pollen- und Nektarproduktion ist unter anderem für die Honigbienen von großer Bedeutung. Hier finden sie große Mengen an Pollen und Nektar, der sowohl in den Blüten selbst, als auch zusätzlich in sogenannten extrafloralen Nektarien, also Nektardrüsen, die außerhalb der Blüten in den Blattachseln sitzen, angeboten wird. Bis Kastanienbäume das erste Mal in ihrem Leben blühen, vergeht viel Zeit. Zumindest 20-30 Jahre alt sind sie, wenn sie ihre ersten Blüten und Früchte hervorbringen. Früher durften Menschen, die keinen eigenen Grund besaßen, auf öffentlichem Boden Edelkastanien für den Eigengebrauch pflanzen. Durch die lange Entwicklungszeit der Bäume profitierten jedoch oft erst die nächsten Generationen von deren Früchten. Aus diesen dunklen Zeiten stammt auch die Tradition des Maronibraters. Heute bemüht sich die Pflanzenzüchtung um die Entwicklung von Sorten, die schon in jüngeren Jahren fruchten, um die Edelkastanie für den Kulturanbau effizienter nutzen zu können. Trotz aller Beliebtheit ist der Glanz unserer Diva nicht ungetrübt: Ein parasitischer Pilz, Cryphonectria parasitica, treibt sein Unwesen unter den Edelkastanien unserer Wälder. Aus Asien in den 1960er-Jahren bis Österreich verschleppt, ist der Kastanienrindenkrebs in unseren Breiten die gefährlichste Krankheit für die Edelkastanie. Über kleine Wunden gelangt der Pilz in die Bäume, wächst in ihre Leitgefäße ein und zerstört das Gewebe. Dadurch können die darüber liegenden Astabschnitte nicht mehr versorgt werden und sie sterben ab. Das kann bis hin zum Tod des ganzen Baumes führen. Oft hilft nur ein starker und großzügiger Rückschnitt der befallenen Äste und Stämme.

Die Schachblume "Naturpark-Pflanze des Monats" April

Foto: Franz Kovacs

Mit hübschen und ungewöhnlichen Blüten begrüßt die Schachblume den Frühling. Jedoch lässt sich die nickende Schönheit bei uns immer seltener blicken. Ihre Lebensräume verschwinden nach und nach, was sie zu einer stark gefährdeten Pflanze macht.

Die Schachblume und ihre Verwandten

Foto: Gerlinde Wakonigg

Ihre auffälligen glockig-nickenden Blüten machen die Schachblume zu einer äußerst attraktiven Pflanze. Nicht nur die bräunlich-purpurne Färbung findet sich selten als Blütenfarbe, auch das schachbrettartige Muster ist einzigartig. Bei ihrem Anblick taucht vielleicht eine Ahnung auf wie: "Kenn ich zwar nicht, aber kommt mir dennoch irgendwie bekannt vor". Eine gute Spur, die uns zur Verwandtschaft der Liliengewächse führt, wo auch Tulpe, Hundszahnlilie und Gelbstern zuhause sind. Mit ihnen hat die Schachblume die langgezogenen, etwas fleischigen Blätter und die Art des Blütenbaus gemein. Eine weitere Gemeinsamkeit ist die Ausbildung einer Zwiebel, die die Pflanze befähigt, schon früh im Jahr auszutreiben, was ihr gegenüber der restlichen Vegetation einen Vorsprung verschafft. So kann sie noch ein paar Wochen lang Sonnenlicht tanken, bevor sie von den umgebenden Pflanzen beschattet wird.

Für den Menschen ist die Schachblume giftig. Besonders die Zwiebel enthält giftige Alkaloide, die zu Kreislaufbeschwerden, Erbrechen und Krämpfen, bei hoher Dosis auch bis hin zum Herzstillstand führen können. Der wissenschaftliche Gattungsname "Fritillaria" leitet sich übrigens vom lateinischen "fritillus" ab, was "Würfelbecher" bedeutet und sich auf das schachbrettartige Muster der rotbraunen Blüten bezieht.

Sensibel trotz Zwiebel

Foto: Gerlinde Wakonigg

Wer auf einem Frühlingsspaziergang die Schachblume bei uns in ihrem natürlichen Lebensraum besuchen möchte, wird sich bald fragen, wo sie denn überhaupt noch zu finden ist. In Österreich existieren nur mehr drei Vorkommen dieser anmutigen Pflanze. Sie liegen im Oststeirischen Hügelland bei Großsteinbach und im südburgenländischen Strem-Tal bei Hagensdorf und Luising im Naturpark Weinidylle. Die Schachblume benötigt nährstoffarme Feuchtwiesen, die erst später im Jahr gemäht werden. Diese Lebensräume sind durch die Intensivierung ihrer landwirtschaftlichen Nutzung stark gefährdet. Die Veränderung im Wasserhaushalt durch Trockenlegung der Standorte verträgt sie nicht. Auf Düngung reagiert sie empfindlich und ihre Zwiebel beginnt zu faulen. Auch eine frühe Mahd würde den Bestand schwächen. Dank der in ihrer Zwiebel gespeicherten Nährstoffe ist die Schachblume zwar in der Lage, bereits im April Blätter und Blüten zu entwickeln, jedoch sind die Samen erst Ende Juni reif. Dann beginnen auch die oberirdischen Teile der Pflanze zu verwelken, die Zwiebel sammelt erneut Nährstoffe, um für die nächste Vegetationsperiode gerüstet zu sein, und bereitet sich auf eine Ruhephase vor, die bis ins nächste Jahr dauert. Von der Erhaltung der letzten natürlichen Schachblumenvorkommen profitieren letztlich viele weitere Pflanzen, die auf diese nassen und mageren Standorte angewiesen sind. Und schließlich können sich auch Blütenbesucher, wie beispielsweise die Große Holzbiene, daran erfreuen, dass sie auf diesen, in der Jahreszeit sonst eher blütenkargen Flächen, auf pollenspendende Schachblumen treffen können.

Der Bärlauch "Naturpark-Pflanze des Monats" März

Foto: Ewald Neffe

Vorhang auf für das schmackhafte Frühlingskraut! Sobald die Sonne den Waldboden erwärmt, tritt er auf die Bühne. Der Bärlauch sagt der Frühlingsmüdigkeit den Kampf an, putzt unsere Körper durch und liefert Vitamine. Ein echter Tausendsassa.

Seit ich deine Blätter kenne, sammle ich dich

Foto: Naturpark Purkersdorf / Orosel

Kaum ein anderes Wildkraut ist in unserer modernen Zeit so populär. Dank seiner vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten und heilsamen Wirkungen wird der Bärlauch wieder hochgeschätzt. Vor dem Sammeln in freier Wildbahn schrecken jedoch viele zurück – und Vorsicht ist in der Tat geboten, Panik jedoch unbegründet, solange der/die SammlerIn "Gutes von Bösem" unterscheiden kann. Wahrhaft lebenswichtig ist es, die Blätter des Bärlauchs gut zu kennen und somit eine Verwechslung mit der tödlich giftigen Herbstzeitlose auszuschließen. Die beiden Pflanzen können nämlich, besonders in Auwäldern, in gemeinsamen Beständen auftreten. Dabei ist darauf zu achten, dass die Blätter des Bärlauchs gekielt sind (d.h. der Längsnerv tritt an der Blattunterseite hervor) und sich die Blattober- und Blattunterseite farblich unterscheiden. Außerdem treten die Blätter des Bärlauchs jeweils einzeln aus der Erde und sind nach ihrer Entfaltung gestielt. Mit diesem Wissen gewappnet empfiehlt es sich, einmal in Ruhe beide Pflanzen zu betrachten und sich ihre Wuchsform einzuprägen – am besten, wenn sich die Gelegenheit ergibt, die "Verdächtigen" nebeneinander wachsend vorzufinden.
Der Auftritt des Bärlauchs in den frühlingshaften Wäldern währt jedoch nicht allzu lange. Wie auch andere Frühjahrsblüher nutzt er die bis zum Boden fallenden Sonnenstrahlen dieser Jahreszeit, um sich zu entfalten. Beginnt sich das Kronendach zu schließen wird es jedoch Zeit für ihn, seine Blätter einzuziehen und sich auf die Ruhephase vorzubereiten. Für den Rest des Jahres wird er nun die Bühne anderen Pflanzen überlassen und sein "Comeback" im nächsten Frühling feiern.

Wirksam – nicht nur gegen Hexen

Foto: Ewald Neffe

Es ist nicht das erste Mal in der Geschichte, dass der Bärlauch ins Rampenlicht rückt. Ob in Mythologie, Heilkunst oder Kulinarik, seit jeher lenken verschiedene Motive das Interesse immer wieder auf diese Pflanze. Als Heil- und Nutzpflanze ist der Bärlauch seit dem Altertum bekannt. Schon die Kelten und Germanen schrieben dem bärenstarken Lauch magische Kräfte zu. Seine Fähigkeit, Hexen und böse Geister zu vertreiben, spiegelt sich beispielsweise im Brauchtum des "Ramschelfestes", das in Thüringen am Wochenende vor Walpurgi (Nacht zum 1. Mai) gefeiert wurde. Dabei zogen die Dorfbewohner in die Wälder um "Ramschel" (= Bärlauch) zu ernten und damit das Vieh vor den Heimtücken der Hexen zu schützen. Die Römer verliehen dem Bärlauch sogar den klingenden Namen "Herba Salutaris" (= heilsames Kraut). Sie schätzten vor allem seine heilsame Kräfte bei Bluthochdruck, Verdauungsstörungen, Arteriosklerose und Bronchitis. Seine Heilwirkungen sind zahlreich und vor allem den im Bärlauch enthaltenen ätherischen Ölen und Senfölglycosiden zuzuschreiben. Heute hat der Bärlauch als "neues altes Wildgemüse" wieder Eingang in unsere Küchen gefunden. Sogar in Supermärkten ist er zu finden; als saisonales Schmankerl hat es das Kraut auch auf die Speisekarten der Haubenküchen geschafft. Und erstmals erobert der Bärlauch neue Dimensionen: Eine Suchanfrage im Internet nach "Bärlauch" spuckt über eine Million Einträge aus – allen voran diverse Rezepte und Nutzungsvorschläge. Hier tut es gut einmal inne zu halten, aus der digitalen Welt auszusteigen und sich an einem lauen Frühlingstag genussvoll in den Auwald zu begeben, um ein reales Büschel würzigen Bärlauchs zu pflücken. Mit der frischen Ernte nehmen wir die Erinnerungen an Vogelzwitschern und erwachenden Frühling mit nach Hause. Und mit etwas Glück führt uns die Suche nach Bärlauch auch an einem Autümpel vorbei, in dem sich Moorfrösche gerade in Balzgruppen einfinden. Alles in allem – ein Fest für alle Sinne.

Der Hirschzungenfarn "Naturpark-Pflanze des Monats" Februar

Der Hirschzungenfarn, Foto: Herfried Marek

Im schattigen Schluchtwald fühlt er sich wohl. Gleichsam mystisch erscheint er hier und besonders malerisch, wenn die Sonne sein zartes Blatt zum Leuchten bringt. Der Hirschzungenfarn – Hexenkraut im Mittelalter und seltene Pflanze unserer Landschaft.

Nicht so einfach, das mit den Sporen

Eine Wasseramsel, Foto: Tobias Schernhammer

Heben sich die Morgennebel aus der kühlen, schattigen Schlucht, werden langsam Details erkennbar: ein kleines Bächlein zwischen bemoosten Felsblöcken, an den steilen Hängen mächtige Linden, Ahorn und Eschen und am Fuße ihrer Stämme eine üppige Vielfalt an Kräutern. Insekten schwirren in der Luft – ein reich gedeckter Tisch für die Wasseramsel auf Nahrungssuche. In diesem Reichtum bleiben die Blicke gern am Hirschzungenfarn hängen. Seine Blattwedel wirken beruhigend ebenmäßig, glatt ausgebreitet, mit welligen Rändern und in Büscheln trichterförmig wachsend. Im Unterschied zu den meisten anderen Farnen sind sie ungeteilt. Mit etwas Glück sind an der Blattunterseite auch sogenannte "Sori" zu erkennen, braun und linealisch geformt, auf eng benachbarten Nerven paarweise angeordnet. Das sind die Orte, an denen der Farn seine Sporen produziert. Im Unterschied zu den Blütenpflanzen vermehren sich Farne nämlich nicht über Samen, sondern eben über diese Sporen. Und jetzt wird’s spannend, oder jedenfalls ungewöhnlich! Aus den Sporen entwickeln sich unscheinbare, kurzlebige "Vorkeime", die in ihrem Aussehen eher an ein Lebermoos, als an einen Farn erinnern. Hier werden die männlichen und weiblichen Keimzellen gebildet. Nach erfolgreicher Befruchtung der Eizelle kann schließlich die bekannte Farnpflanze wachsen.
Der lateinische Artbeiname "scolopendrium" hat seinen Ursprung im griechischen "skolekes", was "kleine Würmer" bedeutet und sich auf das wurmartige Aussehen der Sori bezieht. Der sprechende Name "Hirschzunge" betrifft, leicht nachvollziehbar, die langgestreckte Form der Blätter.

Zauberhaft und unerkannt

Lebensraum des Hirschzungenfarn, Foto: Herfried Marek

Die Fortpflanzung der Farne gab den Menschen früher ein großes Rätsel auf. Weder Samen noch Keimlinge waren zu finden – das konnte doch nicht mit rechten Dingen zugehen! Fantasie und Aberglauben waren also Tür und Tor geöffnet. Es wurde vermutet, Farnblüten- und Samen wären unsichtbar. Andere Erzählungen wiederum berichten, das Farnkraut blühe nur in der Johannisnacht (23./24. Juni) und werfe dann den begehrten "Wünschelsamen" ab. Wer diesen besaß, hatte ein Zaubermittel in der Tasche, hieß es. Er ließe Wünsche in Erfüllung gehen, könne seinen Besitzer vor Hexereien und Zauber schützen und sogar unsichtbar machen, ihm beim Finden von verborgenen Schätzen helfen und Unwetter abhalten. Kein Wunder also, dass er so heiß begehrt war. Sogar Verbote für das Sammeln von Farn oder Farnsamen in der Johannisnacht wurden erlassen. Erst im 19. Jahrhundert lüftete ein Botaniker das Geheimnis um die Vermehrung der Farne.

In der modernen Homöopathie wird der Hirschzungenfarn wegen seiner lymphunterstützenden Wirkung geschätzt. Schon im Mittelalter schrieb Hildegard von Bingen, der Farn habe derart große Kraft, dass ihn der Teufel fliehe. Auf sie geht die Rezeptur eines Elixiers von Hirschzungenfarn mit Wein, Zimt, Pfeffer und Honig zurück. Es hilft gegen Lungenentzündung, Asthma, Husten, Bauchschmerzen, Störungen im Hormonhaushalt, Menstruationsstörungen, Lebererkrankungen und bei Beschwerden der Wechseljahre. Zu den wichtigen Inhaltsstoffen der Pflanze gehören Schleimstoffe, Gerbstoffe, Vitamin C, Cholin und Kohlenhydrate.

Die Rostblättrige Alpenrose "Naturpark-Pflanze des Monats" Jänner

Eine Rostblättrige Alpenrose (Rhododendron ferrugineum) in voller Blütenpracht, Foto: Robert Zideck

Bekannt aus Heimatfilmen lässt ihr Name "Almrausch" Bilder von romantischer Bergwelt auftauchen und steht für unverbrauchte Landschaft. Die Schönheit der Berge bezaubert mit purpurroten Blüten und hat auch sonst Interessantes zu bieten.

Wir zeigen, was dieses stark giftige Heidekrautgewächs, das zwischen 30 und 130 cm hoch wird, so besonders macht und wie andere Lebewesen von ihrem Vorkommen profitieren.

Rosarot auch ohne Brille

Ein Distelfalter labt sich am Nektar einer Rostblättrigen Alpenrose, Foto: Herfried Marek

Die reich verzweigten, immergrünen Alpenrosen-Gebüsche sind in unseren Alpen an und über der Waldgrenze anzutreffen. Erst bei genauerer Betrachtung fällt auf, dass sich hinter den Alpenrosen, oder "Almrausch" im Volksmund, zwei unterschiedliche Arten verbergen: Neben der Rostblättrigen Alpenrose, die saure Böden bevorzugt, kommt auch noch ihre Schwesternart, die Bewimperte Alpenrose, vor. Diese wächst jedoch nur in den Kalkgebirgen und vertritt dort quasi unsere Rostblättrige Alpenrose. Der Artbeiname "Rostrot" rührt von einem Merkmal der Laubblätter her, die unterseits im Alter durch Schuppenhaare rostbraun gefärbt sind. Im Gegensatz dazu ist die Laubblattunterseite der Behaarten Alpenrose grün und die Blattränder sind deutlich bewimpert. Die purpurroten Blüten des Almrauschs erscheinen zwischen Juni und August in dichten Blütenständen. Danach reifen in holzigen Kapselfrüchten die Samen heran, welche schließlich durch den Wind verbreitet werden. Im Winter benötigen die Pflanzen eine schützende Schneedecke, um nicht zu erfrieren bzw. zu vertrocknen. Blätter, Früchte, Blüten und sogar der Nektar der Rostblättrigen Alpenrose enthalten giftige Inhaltsstoffe (Andromedoxin, Arbutin, Ursolsäure, Rhododendrin). Als "Folia et stipites Rhododendriferruginei" wurde sie früher als offizielle Arzneipflanze eingesetzt. Heute wird sie aufgrund ihrer Giftigkeit nur mehr homöopathisch bei Gicht- und Rheumaschmerzen verwendet. Der botanische Name "Rhododendron" kommt übrigens vom griechischen "Rosenbaum" (Rhodon = Rose und Dendron = Baum). Die weißblühende Form unsere Pflanze gilt als besonders zauberkräftig. Sie zeigt Goldadern oder andere Schätze an, so heißt es.

Von Pionieren und Eroberern

Auch Schneefinken profitieren vom Vorkommen der Rostblättrigen Alpenrose, Foto: H. Marek

Vielleicht nicht auf den ersten Blick erkennbar ist, dass die Rostblättrige Alpenrose ausgezeichnete Pionierfähigkeiten bei der Besiedelung von nährstoffarmen Rohhumusböden hat. So ist sie beispielsweise in der Lage Schutthalden zu überwuchern, loses Hangmaterial zu befestigen und den Untergrund für anspruchsvollere Pflanzen vorzubereiten. Während an solchen Standorten ihr großer ökologischer Nutzen klar im Vordergrund steht, kann sie auf Almweiden zu einem lästigen "Unkraut" werden, da sie als starker Konkurrent zu den wertvollen Weidegräsern und -kräutern auftreten kann. Oftmals hilft schließlich nur mehr ein gelegentliches Schwenden der Gebüsche, um wieder ein für den Menschen zufriedenstellendes Gleichgewicht herzustellen. Immerhin dienen die Almrauschgebüsche auch als wertvoller Lebensraum für Kleinsäuger, Insekten und Spinnen und machen sie damit zum Jagdrevier für Vögel, wie z.B. die Schneefinken, die im Gebirge über der Waldgrenze leben. Die Blütenknospen dienen dem Schneehuhn als wichtige Winternahrung.

Lebensraum des Almrausches, Foto: Herfried Marek

Manche haben sich vielleicht auch schon gefragt, was es denn mit den leuchtend roten "Rosenäpfeln" auf sich hat, die im Herbst oft an den Almrauschbüschen zu beobachten sind. Sind das Früchte? Gehören die zur Pflanze? Nicht ganz, denn das sind Wucherungen, welche weder etwas mit Äpfeln noch mit Rosen zu tun haben. Auch sind es nicht die Früchte des Almrauschs – denn das sind, wie wir schon gehört haben, verholzte Kapseln. Urheber dieser sogenannten Gallen sind Pilze, die das Gewebe auf der Unterseite der Blätter oder im Blütenstand dazu bringen, sich in dieser Form zu verändern. 

Die Spinnweb-Hauswurz "Naturpark-Pflanze des Monats" Dezember

Foto: H. Marek

Eine Pflanze, die spinnen kann? Und was macht eine Wurz´n am Haus? Ja und wo bitte wächst die Wurz, wenn gerade kein Haus da ist? Die Hauswurz ist eine ganz eigenartige Pflanze unserer Vegetation mit einem außergewöhnlichen Stoffwechsel. Sie ist immerlebend, einmalblühend, wasserspeichernd und spinnhaarig. 

Immerlebende Hitzemeisterin...

Eine Spinnweb-Hauswurz im Naturpark Kaunergrat (Pitztal-Fließ-Kaunertal), Foto: A. Vorauer

Dickfleischige Blätter, welche zu kleinen kugelförmigen Rosetten angeordnet sind, und wir haben unsere allseits bekannte Hauswurz, wie sie gern in Tontöpfen oder auf Steinmauern ums Haus gesetzt wird. Oft ist die Freude groß, wenn bekannt wird, dass diese Pflanzen bei uns sehr wohl auch wildwachsend vorkommen. Wo? Dazu später mehr.

Der Sage nach gehört eine Hauswurz auf jedes Hausdach, weil sie dauerhaft vor Blitzschlägen schützt. Daher auch der deutsche Gattungsname unserer Pflanze. Die botanische Bezeichnung "Sempervivum" ist da schon mehr in der realen Welt, denn das heißt wortwörtlich übersetzt immer lebend. Die attraktiven, weniger als 2 cm Durchmesser aufweisenden Grundblattrosetten unserer Spinnweb-Hauswurz, sind aus dickfleischigen Einzelblättern aufgebaut, welche an der Spitze ein kleines Haarbüschel tragen. Schon im ganz jungen Zustand verkleben diese Haare mit denjenigen der Nachbarblätter. Dann wachsen die Blätter in die Länge, dehnen sich nach außen, und die Haare werden zu einem filzigen Netz aufgespannt, welches an ein Spinnennetz erinnert. Im Gegensatz zum Tierreich dient dieses Netz aber als Wärme- und Strahlungsschutz. Die dicken Blätter speichern Wasser (unsere Pflanze gehört zur Familie der Dickblattgewächse) und ermöglichen damit ein Leben an ausgesprochen trockenen Standorten. Wenn die Sonne scheint, ist es hier sehr heiß: An der Blattoberfläche wurden schon 60°C gemessen. An so einem Platz ist ein guter Verdunstungsschutz wichtig. Daher öffnet die Hauswurz ihre Spaltöffnungen zur Aufnahme von CO2 aus der Luft nur in der Nacht, im Gegensatz zu fast allen anderen heimischen Pflanzen. Der Stoffwechsel in Form der Photosynthese findet bei unserer Pflanze sehr wohl auch untertags statt, es braucht ja das Sonnenlicht dazu. In der Zeit dazwischen speichert die Hauswurz das CO2 als Äpfelsäure zwischen. Sie zählt damit zu den sogenannten CAM-Pflanzen (Crassulacean Acid Metabolism).

...doch nicht unsterblich

Lebensäume im Gebirge, Foto: H. Marek

Eine große Besonderheit in unserer Flora ist das Blühverhalten der Hauswurz: Sie lebt viele Jahre als eher unscheinbare Blattrosette, bevor sie dann einmal aus der Mitte der Blattrosette stark in die Höhe wächst. Die Spinnweb-Hauswurz blüht dann sehr auffällig in Form von rosafarbigen Sternen, gebildet aus je 8-10 Blütenblättern. Und nach diesem pompösen Ereignis stirbt unsere Pflanze. Es überleben nur die Samen sowie kleine Tochterrosetten, welche schon zuvor gebildet wurden. Diese dienen auch der Ausbreitung als "Bergab-Roller". Und bergab gibt es viel zu rollen, denn die Spinnweb-Hauswurz wächst in den hohen Berglagen unserer Zentralalpen nur über kalkfreiem Gestein in kargen Felsfluren. Hier sind Nährstoffe Mangelware und Wasser ebenso. Dieser extreme Lebensraum im Gebirge erfordert spezielle Anpassungen, wie die schon beschriebenen dicken und Wasser speichernden Blätter oder den ganz besonderen Stoffwechsel. Die kugeligen Blattrosetten sind kleine Nährstoffbomben, weshalb sie als Nahrung für Tiere dienen können und gelegentlich auch vom Alpensteinbock als Energiequelle genutzt werden.

Die Spinnweb-Hauswurz wächst sehr langsam. Erfreuen wir uns daher in aller Ruhe an ihrer Blütenpracht direkt vor Ort auf den Berggraten und -rücken. Schauen wir zu, wie die nektarreichen Blüten von Insekten besucht werden, und wie hübsch sich die Tochterrosetten um die Mutterpflanze herum gruppieren. Und wenn wir unser eigenes Haus vor Blitzschlag schützen oder schlecht heilende Wunden mit dem Pflanzensaft der Hauswurz heilen wollen, dann schauen wir doch zur Gärtnerei unseres Vertrauens für eine deutlich rascher wachsende und kultivierte Dach-Hauswurz.

Die Deutsche Tamariske "Naturpark-Pflanze des Monats" November

Foto: Naturpark Tiroler Lech

Wer die Deutsche Tamariske in natura zu Gesicht bekommt, kann sich glücklich schätzen, denn sie ist bei uns mittlerweile sehr selten. Der Rispelstrauch, wie sie noch genannt wird, gilt als DER Maßstab für naturnahe Fließgewässer und Flusslandschaften und kann im Naturpark Tiroler Lech bewundert werden.  Die Deutsche Tamariske ist ein einzigartiger Strauch mit rosa Blüten und graugrünen, schuppenförmigen Blättern – widerstandsfähig, extrem, selten und anspruchsvoll.

Tamariske ist nicht gleich Tamariske

Foto: H. Marek

Bei "Tamariske" denken viele an einen Zierstrauch für den eigenen Garten oder vielleicht an die letzte Reise nach Nordafrika, wo Tamarisken an Straßenrändern zu finden sind. Unsere heimische Deutsche Tamariske ist zwar mit diesen verwandt, aber doch etwas ganz Eigenes. Sie ist ein kleiner, bodennah reich verzweigter Strauch mit rutenartigen Ästen. Die Blätter sind graugrün und dachziegelartig dem Zweig angedrückt. Damit ergibt sich eine ganz eigentümliche Wuchsform, da die Blätter aus größerer Entfernung praktisch nicht zu sehen sind und der graugrüne bis blaugrüne Farbton der Pflanze überrascht. Auffällig ist unser Strauch während der Blütezeit von Mitte Mai bis spät in den Juni hinein. Dann leuchten die langen und steif aufrecht stehenden hellrosa Blütentrauben am Ende der Zweige und Äste im Sonnenlicht. Die bestäubte Blüte wächst zu einer einen Zentimeter langen schmalen Kapsel aus, welche zur Reifezeit mehr als 100 Samen freigibt. Diese Samen tragen einen Haarschopf und sind ausgezeichnete Schirmchenflieger. Ähnlich wie bei Weiden ist die Keimfähigkeit der Samen ausgesprochen hoch, jedoch nur von kurzer Dauer und erlischt nach etwa einem Monat. 

Foto: Naturpark Tiroler Lech

Der botanische Name unserer Pflanze "Myricaria" ist griechischen Ursprungs und bedeutet "Rispelstrauch", so auch der weniger gängige, zweite deutsche Name der Tamariske. Abgeleitet dürfte diese Bezeichnung vom altsemitischen murr sein, was "bitter" bedeutet, denn die Rinde der Pflanze schmeckt sehr bitter und wurde als gerbstoffreiche Droge eingesetzt. Der Artbeiname germanica bedeutet, dass die Pflanze ursprünglich nach einem Vorkommen in Deutschland beschrieben wurde, obgleich unsere Deutsche Tamariske von den Pyrenäen bis zur Mongolei vorkommt.

Sowas von selten

Foto: E. Neffe

Noch vor 100 Jahren war die Deutsche Tamariske an vielen Fließgewässern in Österreich eine sehr häufige Art, beinahe so wie Weiden. Aber sie benötigt einen sehr naturnahen Gewässerverlauf, da sie gegenüber anderen Arten, wie z.B. den Weiden, wenig konkurrenzstark ist und nur auf häufig sich verändernden Standorten dauerhaft vorkommt. Wird also eine Schotterbank jährlich umgelagert, so fühlt sich unsere Tamariske wohl, denn sie kann selbst bei einer 25 cm starken Überschotterung wieder bis zur Oberfläche durchtreiben – das vermag kein anderes Gehölz! Solche naturnahen Fließgewässer sind die Kinderstube für zahlreiche Fischarten, wie auch der Bachforelle und damit Nahrungsgrundlage z.B. für den Fischotter. Wurde ein Gewässerlauf begradigt und das Ufer befestigt, so gibt es keine Schotterbänke mehr und die Tamariske wird von Weiden verdrängt. In solchen Fällen: auf Nimmer-Wiedersehen. Denn mittlerweile ist die Deutsche Tamariske eine unserer seltensten heimischen Pflanzenarten.

In vielen Bundesländern Österreichs ist die Deutsche Tamariske bereits ausgestorben. Großflächige natürliche Vorkommen existieren nur mehr in Tirol, vor allem an Lech, Isel und Zubringern zur Isel, und sind an letzteren auch Anlass für einigen Streit: Denn mit einem Wasserkraftwerksbau verschwinden die von einem Wildfluss geprägten Flusslandschaften und damit auch die sich bei einem Hochwasser umlagernden Schotterbänke und mit ihnen unter anderem die Standorte für die Tamariske. Wiederansiedelungsprojekte gibt es in einigen Bundesländern, aber nur in wenigen, wie in Kärnten an der Drau, hat dies auch nachhaltig funktioniert.
Darum können sich all die, welche eine Deutsche Tamariske an einem natürlichen Standort entdecken durften, mehr als glücklich schätzen: Hier lebt und werkt ein wildes Gewässer, bildet die Grundlage für einen hochdynamischen Lebensraum, ein Ökosystem mit vielen besonderen und hochspezialisierten Pflanzen- und Tierarten.

Die Besenheide "Naturpark-Pflanze des Monats" Oktober

Eine Besenheide in voller Blütenpracht, Foto: H. Marek

So spät im Jahr wie sie blüht kaum wer: In zartem Rosa auf kurzen holzigen und stark verzweigten Trieben erfreut uns die Besenheide im späten Herbst noch mit ihren zarten rosafärbigen Blüten. Die Blätter der Besenheide, wie sie noch genannt wird, sind schuppenförmig und dicht anliegend.

Wir zeigen unter anderem, wie diese Pflanze zu ihrem Namen kam und welche Verwendungsformen der Mensch für diese spät im Jahr blühende Schönheit gefunden hat.

Erika ist was anderes

Eine Erika, auch bekannt als Schneeheide

Gern und oft wird die Besenheide als "Erika" verkauft – sie ist eine willkommene Pflanze in Zierbeeten, wo sie als im Herbst blühende Bodendeckerin eingesetzt wird. Aber wer genau schaut, sieht alsbald den Unterschied zwischen diesen beiden Zwergsträuchern: Die Blätter der Besenheide sind schuppenförmig übereinander liegend, wogegen bei der im Frühling blühenden Schneeheide oder Erika die Blätter nadelförmig sind und weit abstehen. Die Blüte der Besenheide täuscht uns gern, denn was da rosa blüht, sind die Kelchblätter. Die sind bei den meisten anderen Pflanzen unscheinbar und grün. Die eigentlichen Blütenblätter sind nur halb so lang und nur bei genauem Hinschauen zwischen dem Kelch zu erkennen.

Heidekrautlandschaft im Naturpark Naturpark Blockheide Gmünd-Eibenstein, Foto: W. Müllebner

Der botanische Name unserer Pflanze, Calluna, leitet sich aus dem Griechischen "kallynein" her, was "schön machen" bedeutet. Damit ist das Wohnhaus gemeint, denn früher wurden die langen und vielfach verzweigten zähen und holzigen Stängel der Besen(!)heide zu gut kehrenden Besen gebunden. Diese fegten dermaßen gut, dass selbst üble Stimmungen und böse Wünsche anderer Menschen aus dem Haus gekehrt wurden, so die Sage. In der Volksheilkunde werden die getrockneten Blüten und Blätter als harntreibender, stark entwässernder Tee eingesetzt. Da die Pflanze viele Gerbstoffe enthält, können die Blüten auch als farbgebende, stark aromatische Speisewürze eingesetzt werden.

Und weil die Besenheide so spät im Jahr blüht, geht es sich mit dem Ausreifen der Früchte heuer nicht mehr aus. Erst im kommenden Frühling öffnen sich die Kapseln und geben die winzigen Samen frei, welche vom Wind verbreitet werden.

Sauer und mager

Vorkommen des Heidekrautes rund um die Steinformationen im Naturpark Blockheide Gmünd-Eibenstein, Foto: Verein Naturparke Niederösterreich / Fotograf: www.pov.at

Der alte Name "Heide" bezeichnete ein unbebautes, karges Gebiet. Namensgebend dafür ist unsere Besenheide: Sie gedeiht nur auf ausgesprochen nährstoffarmen und sauren Böden bei sehr extensiver Nutzung. Durch stärkere Beweidung, häufigere Mahd und vor allem Düngung wird sie rasch zurück gedrängt. Bis in die zweite Hälfte des letzten Jahrhunderts war sie noch auf Weideflächen der Tieflagen und Ebenen weit verbreitet. Heute finden wir sie fast nur mehr auf mageren Weiden der Berglagen außerhalb der Kalkgebirge. So auch auf vielen Almen, wo etwa Wildschweine nach Nahrung suchen. Das Wachstum auf solch kargen Böden ermöglicht der Besenheide eine spezielle Form der Mykorrhiza, also der Symbiose der Pflanzenwurzeln mit Pilzen, welche bei der Nährstoffaufnahme behilflich sind.

Die zarten rosafärbigen Blüten der Besenheide bieten reichlich Nektar an leicht zugänglicher Stelle an. Damit wird unsere Pflanze gern von Insekten besucht, ganz besonders von Honigbienen, welche hier noch eine späte Tracht vorfinden. Aber auch spezialisierte Sand- und Seidenbienen sind auf den Nektar der Besenheide angewiesen. Ist das Wetter im Herbst schlecht und sind daher keine Insekten mehr unterwegs, verlängert die Besenheide einfach ihre Staubfäden und der Pollen wird reichlich über den Wind abgegeben und verbreitet: So ist die geschlechtliche Vermehrung in jedem Falle sicher gestellt. Als Nahrung dient die Besenheide den Raupen einiger Sackträger-Falter sowie den Larven von Rüsselkäfern.

Die Herbstzeitlose "Naturpark-Pflanze des Monats" September

Wiese voller Herbstzeitlosen, Foto: K. H. Aschbacher / Naturpark die Wüste Mannersdorf

Die Herbstzeitlose ist die einzige Pflanze, die im Herbst blüht und deren Blätter und Früchte erst im nächsten Jahr zu sehen sein werden, weshalb sie als "zeitlos" gilt. Sie blüht in zartem Rosa, dabei ist sie die giftigste unserer Wildpflanzen – eine Verwechslung mit dem Bärlauch endet fatal.

Tod in Rosa und Grün

Eine Herbstzeitlose in voller Blüte, Foto: E. Neffe

Ein Krokus im Herbst, der rosa blüht? Weit gefehlt! In der Erscheinung der Blüte ähneln sie sich zwar, aber Krokus und Herbstzeitlose sind nur sehr, sehr weitschichtig miteinander verwandt. Unsere Pflanze ist die einzige in Österreich, die jetzt im Herbst blüht, deren Blätter und Früchte aber erst im nächsten Jahr zu sehen sein werden. Und diese Blätter sehen jenen des Bärlauchs täuschend ähnlich, was bei einer Verwechslung fatal endet – doch dazu später. Die jetzt blühende Pflanze wird von Faltern, Bienen und langrüsseligen Fliegen besucht, welche den angebotenen Nektar sammeln. Dabei wird die Pflanze auch bestäubt, somit der Pollen übertragen. Die Befruchtung, also die Verschmelzung von männlichen und weiblichen Zellen im Fruchtknoten, erfolgt tief unter der Erde im Inneren einer Zwiebel erst im Winter. Dann wird Jahr für Jahr eine Tochterzwiebel gebildet, welche die "Mutterzwiebel" ersetzt und etwas tiefer als diese liegt – die Zwiebel gräbt sich selbst jedes Jahr ein wenig ein! Und im kommenden Frühjahr erscheinen dann erst die Blätter und bis zum Frühsommer reifen die Samen in den dreispaltigen Kapseln – eine wahrlich zeitlose Pflanze.

Colchicin ist der namensgebende Inhaltsstoff unserer Pflanze Colchicum autumnale. Benannt nach der Kolchis, einer antiken Landschaft am Ostrand des Schwarzen Meeres, war dies die Heimat der erfahrenen Zauberin Medea aus der Argonauten-Sage – und die Herbstzeitlose war ihr pflanzliches Gift. Schon wenige Blätter oder gar nur ein paar Samen führen einen erwachsenen Menschen in ein bis zwei Tagen in den Tod durch Atemlähmung. Damit ist unsere Pflanze des Monats September die giftigste heimische Wildpflanze.

Giftig aber wichtig

Eine Streuobstwiese - einer von vielen potenziellen Lebensräumen der Herbstzeitlosen, Foto: A. Kristl

Die giftige Herbstzeitlose bleibt auf der Weide stehen – erfahrene Rinder fressen sie nicht, unerfahrenes Jungtier aber ist in Gefahr. Und auch im getrockneten Heu bleibt die Giftwirkung erhalten. Wieso rotten wir die Pflanze nicht aus?  Die Herbstzeitlose wächst in unterschiedlichen Lebensräumen: in Auwäldern und vor allem auf nicht zu nährstoffreichen Wiesen. Durch Düngung geht sie zurück und verschwindet, auch eine häufige Mahd verträgt sie nicht. Auf vielfach gemähten Futterwiesen fehlt sie daher. Typisch ist sie auf den einmal im Herbst gemähten Streuwiesen, aber auch auf bunten Blumenwiesen. Finden wir sie, wissen wir: Da wird nicht gedüngt, das ist eine Extensivwiese. Und auf solchen Wiesen gibt es noch viele andere Pflanzenarten zu bewundern, welche wiederum Nahrungsgrundlage und Lebensraum für viele Insektenarten sind. Es lohnt also sich zu merken, wo derzeit die Herbstzeitlose blüht, denn diese Wiesen werden im nächsten Jahr ganz sicher bunt und vielfältig sein – und damit ein Ort der Lebensfreude!

Dass die Herbstzeitlose auch in Auwäldern gedeiht, ist vielen unbekannt, denn wer ist jetzt noch dort unterwegs? Aber im Frühling werden es wieder viele sein, die durch diese wundervollen Wälder streifen. Ja und dann sind sie vielleicht auf der Suche nach dem Bärlauch. Ob wir dann noch wissen, dass die Blätter der Herbstzeitlose beidseitig gleichfärbig sind, die vom Bärlauch aber andersfärbig auf Ober- und Unterseite bzw. dass der Geruch kein gutes Unterscheidungsmerkmal ist? Im März werden wir nochmal darüber sprechen!


Wilde Möhre "Naturpark-Pflanze des Monats" August

Kleine Einzelblüten einer Wilden Möhre (Foto: A. Kristl)

"Zahm", also gezähmt und kultiviert, ist was für den Hausgarten – unsere "Naturpark-Pflanze des Monats" August ist das nicht, denn sie präsentiert sich ungezähmt und unkultiviert und trägt den Namen "Wilde Möhre".
Familiär gliedert sie sich bei den Doldenblütengewächsen ein, die oft gemieden werden, weil schwierig zu bestimmen; nicht so unsere Wilde Möhre, die ganz charakteristische Merkmale aufweist. Diese blüht jetzt in extensiv genutzten Wiesen, wo sie in vielen der Österreichischen Naturparke noch zu finden ist.

Ein ganz besonderer Doldenblütler

Gesamtbild einer Wilden Möhre (Foto: VNÖ)

Ein leicht zu erkennender weißer Doldenblütler, der jetzt gerade in bunten Blumenwiesen zu bewundern ist, dessen Pfahlwurzel den Boden lockert und ausgesprochen gut schmeckt und dessen Blüten unterschiedlichste Tierarten zu einem Besuch anlocken, ist unsere Pflanze des Monats – die Wilde Möhre.

Viele Strahlen gehen von einem Punkt aus und an deren Endpunkt beginnt wieder ein Büschel voller Strahlen, an deren Ende kleine Einzelblüten sitzen – das ist das Grundverzweigungsmuster des Blütenstandes der meisten Doldenblütengewächse (Doppeldolde). Und weil daraus im Umriss ein kleiner, meist weißer Schirm aus sehr vielen Einzelblüten gebildet wird, werden die Doldenblütler untereinander leicht verwechselt.

Unsere Wilde Möhre weist am Ausgangspunkt des Blütenstandes schmale und wenig verzweigte lange Hüllblätter auf, die wie kleine Dolche erscheinen. Öfters ist in der Mitte des Blütenstandes eine dunkelviolette Einzelblüte zu entdecken. Das gibt´s nur bei unserer „Naturpark-Pflanze des Monats“ August. Und an warmen Plätzen kann jetzt schon der junge Fruchtstand beobachtet werden, welcher sich ganz typisch vogelnestartig nach oben zusammenkrümmt und aus borstigen Spaltfrüchten aufgebaut ist.

Pfahlwurzel einer Wilden Möhre (Foto: VNÖ)

In ihrem ersten Lebensjahr wächst die Wilde Möhre oberirdisch zu einer kleinen Grundblattrosette heran. Diese Blätter sind mehrfach gefiedert, also verzweigt, bestehen aus kurzen linealischen Einzelabschnitten und sind oft behaart. Unterirdisch bildet sie eine Pfahlwurzel aus, die bis fingerdick werden kann.

Im zweiten Lebensjahr gelangt sie fast immer zur Blüte. Diese erscheint im Hochsommer oder, wenn die Wiese bis dorthin schon einmal gemäht wurde, im Spätsommer, also im Zeitraum Mitte Juli bis Mitte September. Die Früchte reifen bis in den Frühherbst, worauf der Rest der Pflanze abstirbt und nur die Samen überdauern. Somit ist unsere Wilde Möhre eine zweijährige Pflanze.

Artenreiche Blumenwiese - Lebensraum der Wilden Möhre (Foto: A. Kristl)

Magere, artenreiche Blumenwiesen sind der bevorzugte Lebensraum der Wilden Möhre, aber auch an offenen Wegrändern ist sie als Pionierpflanze bis in die Bergstufe hinauf zu finden. Die nektarreichen Blüten werden gern von Fliegen, Wildbienen und Käfern besucht, welche die Bestäubung übernehmen. Die kräftige Pfahlwurzel lockert den Boden und ergibt für uns Menschen, nach der Ernte im nichtblühenden Zustand im Herbst oder Frühjahr (1. Standjahr!) und zusammen mit dem Kraut der Pflanze in Butter gebraten, ein ausgesprochen schmackhaftes Wildgemüse. Aber auch den Raupen vom Schwalbenschwanz schmecken die Blätter der Wilden Möhre sehr gut und Streifenwanzen laben sich gern an den Früchten.

Neue Lebensräume bzw. die Ausbreitung am Standort erfolgt über die Samen, welche aufgrund ihrer Klettwirkung meist von Tieren verbreitet werden. Sie sind rasche Lichtkeimer, benötigen aber offene Böden, wie sie nur an nährstoffärmeren Standorten zu finden sind.
Die Wilde Möhre ist damit eine Pflanzenart, die für unsere extensiv und nachhaltig genutzte Kulturlandschaft typisch ist. Daher können wir sie auch noch vielfach in den bunten Blumenwiesen unserer Österreichischen Naturparke bewundern.

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