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Schmalblättrige Wollgras, Foto: Naturpark Riedingtal

Hirschbirne, Foto: Ewald Neffe

Schachblume, Foto: F. Kovacs

Echte Johanniskraut, Foto: Ewald Neffe

Rostblättrige Alpenrose, Foto: R. Zideck

Hirschzungenfarn, Foto: H. Marek

Spinnweb-Hauswurz, Foto: H. Marek

Herbstzeitlose, Foto: E. Neffe

Landschaften voller Pflanzen

Besonderheiten aus der Pflanzenwelt

Dass man den Bärlauch besser nicht mit der Herbstzeitlose verwechselt und von der stark giftigen Rostblättrigen Alpenrose die Finger lassen muss, ist gut zu wissen, wenn man in der Natur unterwegs ist. Wenn Sie das und noch viel mehr über die Pflanzen der Naturparke erfahren möchten, können Sie das bei uns, wenn wir Ihnen jeden Monat einen besonderen Vertreter der Naturparkflora vorstellen. Sie erhalten wissenswerte Informationen über ihren Lebensraum, ihre Besonderheiten und ihr Verhältnis zu bestimmten Tieren.

Fotos: E. Neffe & H. Marek

Erst durch diese engen Beziehungen wird bewusst, wie wichtig es ist, dass für ein intaktes Ökosystem die biologische Vielfalt erhalten bleiben muss. Projekte zum Schutz und Erhalt der Biodiversität des VNÖ in Zusammenarbeit mit den Österreichischen Naturparken leisten einen wertvollen Beitrag um diese beeindruckende Vielfalt zu bewahren.


Ein- und zweijährige Pflanzen

Königskerze

Foto: Herfried Marek

Die Großblütige Königskerze (Verbascum thapsiforme) ist eine zweijährige Halbrosettenpflanze. Im ersten Jahr bildet sich eine Blattrosette aus; im zweiten Jahr kommt es zu einem extremen Höhenzuwachs (bis 2,5 m). Die Blütenfarbe ist gelb, die Blüten stehen in einem endständigen, langen walzenartigen Blütenstand zusammen. Von Juni bis August blüht die Pflanze von unten nach oben allmählich auf. Die oberirdischen Teile der Königskerze sind dicht filzig behaart.

Als Standort bevorzugt die Pflanze trockene, nicht nährstoffreiche Böden. In der Volksmedizin wir die Königskerze gegen Rheuma und bei Husten verwendet.

Kürbis

Foto: Ewald Neffe

Der Kürbis (Cucurbita pepo) wächst als einjährige Kletterpflanze oder kriechende Pflanze mit einer maximalen Ausdehnung von 10 m. Die goldgelbe trichterförmige Blüte hat einen Durchmesser von 7 bis 10 cm. Die Früchte sind drei- bis fünffächrige, sehr große und vielsamige Panzerbeeren. Form, Größe und Farbe variiert je nach kultivierter Sorte sehr stark. Bei den Wildformen ist die Fruchtwand hart und verholzt und bleibt lange intakt. Die Samen sind flach, im Umriss oval und haben einen verdickten Rand.

Angebaut wird der Kürbis auf Äckern zur Gewinnung von Fruchtfleisch und Kernen. Kürbisse sind vielfältig nutzbar: Die gerösteten Kerne sind gut für die Prostata, Kernöl wird auf Salat, Eierspeise und Eis gegessen und das Fruchtfleisch findet Verwendung für Suppen und Beilagen.

Wilde Möhre

Kleine Einzelblüten einer Wilden Möhre (Foto: A. Kristl)

"Zahm", also gezähmt und kultiviert, ist was für den Hausgarten – unsere "Naturpark-Pflanze des Monats" August ist das nicht, denn sie präsentiert sich ungezähmt und unkultiviert und trägt den Namen "Wilde Möhre".
Familiär gliedert sie sich bei den Doldenblütengewächsen ein, die oft gemieden werden, weil schwierig zu bestimmen; nicht so unsere Wilde Möhre, die ganz charakteristische Merkmale aufweist. Diese blüht jetzt in extensiv genutzten Wiesen, wo sie in vielen der Österreichischen Naturparke noch zu finden ist.

Ein ganz besonderer Doldenblütler

Gesamtbild einer Wilden Möhre (Foto: VNÖ)

Ein leicht zu erkennender weißer Doldenblütler, der jetzt gerade in bunten Blumenwiesen zu bewundern ist, dessen Pfahlwurzel den Boden lockert und ausgesprochen gut schmeckt und dessen Blüten unterschiedlichste Tierarten zu einem Besuch anlocken, ist unsere Pflanze des Monats – die Wilde Möhre.

Viele Strahlen gehen von einem Punkt aus und an deren Endpunkt beginnt wieder ein Büschel voller Strahlen, an deren Ende kleine Einzelblüten sitzen – das ist das Grundverzweigungsmuster des Blütenstandes der meisten Doldenblütengewächse (Doppeldolde). Und weil daraus im Umriss ein kleiner, meist weißer Schirm aus sehr vielen Einzelblüten gebildet wird, werden die Doldenblütler untereinander leicht verwechselt.

Unsere Wilde Möhre weist am Ausgangspunkt des Blütenstandes schmale und wenig verzweigte lange Hüllblätter auf, die wie kleine Dolche erscheinen. Öfters ist in der Mitte des Blütenstandes eine dunkelviolette Einzelblüte zu entdecken. Das gibt´s nur bei unserer „Naturpark-Pflanze des Monats“ August. Und an warmen Plätzen kann jetzt schon der junge Fruchtstand beobachtet werden, welcher sich ganz typisch vogelnestartig nach oben zusammenkrümmt und aus borstigen Spaltfrüchten aufgebaut ist.

Pfahlwurzel einer Wilden Möhre (Foto: VNÖ)

In ihrem ersten Lebensjahr wächst die Wilde Möhre oberirdisch zu einer kleinen Grundblattrosette heran. Diese Blätter sind mehrfach gefiedert, also verzweigt, bestehen aus kurzen linealischen Einzelabschnitten und sind oft behaart. Unterirdisch bildet sie eine Pfahlwurzel aus, die bis fingerdick werden kann.

Im zweiten Lebensjahr gelangt sie fast immer zur Blüte. Diese erscheint im Hochsommer oder, wenn die Wiese bis dorthin schon einmal gemäht wurde, im Spätsommer, also im Zeitraum Mitte Juli bis Mitte September. Die Früchte reifen bis in den Frühherbst, worauf der Rest der Pflanze abstirbt und nur die Samen überdauern. Somit ist unsere Wilde Möhre eine zweijährige Pflanze.

Artenreiche Blumenwiese - Lebensraum der Wilden Möhre (Foto: A. Kristl)

Magere, artenreiche Blumenwiesen sind der bevorzugte Lebensraum der Wilden Möhre, aber auch an offenen Wegrändern ist sie als Pionierpflanze bis in die Bergstufe hinauf zu finden. Die nektarreichen Blüten werden gern von Fliegen, Wildbienen und Käfern besucht, welche die Bestäubung übernehmen. Die kräftige Pfahlwurzel lockert den Boden und ergibt für uns Menschen, nach der Ernte im nichtblühenden Zustand im Herbst oder Frühjahr (1. Standjahr!) und zusammen mit dem Kraut der Pflanze in Butter gebraten, ein ausgesprochen schmackhaftes Wildgemüse. Aber auch den Raupen vom Schwalbenschwanz schmecken die Blätter der Wilden Möhre sehr gut und Streifenwanzen laben sich gern an den Früchten.

Neue Lebensräume bzw. die Ausbreitung am Standort erfolgt über die Samen, welche aufgrund ihrer Klettwirkung meist von Tieren verbreitet werden. Sie sind rasche Lichtkeimer, benötigen aber offene Böden, wie sie nur an nährstoffärmeren Standorten zu finden sind.
Die Wilde Möhre ist damit eine Pflanzenart, die für unsere extensiv und nachhaltig genutzte Kulturlandschaft typisch ist. Daher können wir sie auch noch vielfach in den bunten Blumenwiesen unserer Österreichischen Naturparke bewundern.

Zwiebeln, Knollen und Rhizome

Bärlauch

Foto: Ewald Neffe

Vorhang auf für das schmackhafte Frühlingskraut! Sobald die Sonne den Waldboden erwärmt, tritt er auf die Bühne. Der Bärlauch sagt der Frühlingsmüdigkeit den Kampf an, putzt unsere Körper durch und liefert Vitamine. Ein echter Tausendsassa.

Foto: Naturpark Purkersdorf / Orosel

Seit ich deine Blätter kenne, sammle ich dich

Kaum ein anderes Wildkraut ist in unserer modernen Zeit so populär. Dank seiner vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten und heilsamen Wirkungen wird der Bärlauch wieder hochgeschätzt. Vor dem Sammeln in freier Wildbahn schrecken jedoch viele zurück – und Vorsicht ist in der Tat geboten, Panik jedoch unbegründet, solange der/die SammlerIn "Gutes von Bösem" unterscheiden kann. Wahrhaft lebenswichtig ist es, die Blätter des Bärlauchs gut zu kennen und somit eine Verwechslung mit der tödlich giftigen Herbstzeitlose auszuschließen. Die beiden Pflanzen können nämlich, besonders in Auwäldern, in gemeinsamen Beständen auftreten. Dabei ist darauf zu achten, dass die Blätter des Bärlauchs gekielt sind (d.h. der Längsnerv tritt an der Blattunterseite hervor) und sich die Blattober- und Blattunterseite farblich unterscheiden. Außerdem treten die Blätter des Bärlauchs jeweils einzeln aus der Erde und sind nach ihrer Entfaltung gestielt. Mit diesem Wissen gewappnet empfiehlt es sich, einmal in Ruhe beide Pflanzen zu betrachten und sich ihre Wuchsform einzuprägen – am besten, wenn sich die Gelegenheit ergibt, die "Verdächtigen" nebeneinander wachsend vorzufinden.
Der Auftritt des Bärlauchs in den frühlingshaften Wäldern währt jedoch nicht allzu lange. Wie auch andere Frühjahrsblüher nutzt er die bis zum Boden fallenden Sonnenstrahlen dieser Jahreszeit, um sich zu entfalten. Beginnt sich das Kronendach zu schließen wird es jedoch Zeit für ihn, seine Blätter einzuziehen und sich auf die Ruhephase vorzubereiten. Für den Rest des Jahres wird er nun die Bühne anderen Pflanzen überlassen und sein "Comeback" im nächsten Frühling feiern.

Foto: Ewald Neffe

Wirksam – nicht  nur gegen Hexen

Es ist nicht das erste Mal in der Geschichte, dass der Bärlauch ins Rampenlicht rückt. Ob in Mythologie, Heilkunst oder Kulinarik, seit jeher lenken verschiedene Motive das Interesse immer wieder auf diese Pflanze. Als Heil- und Nutzpflanze ist der Bärlauch seit dem Altertum bekannt. Schon die Kelten und Germanen schrieben dem bärenstarken Lauch magische Kräfte zu. Seine Fähigkeit, Hexen und böse Geister zu vertreiben, spiegelt sich beispielsweise im Brauchtum des "Ramschelfestes", das in Thüringen am Wochenende vor Walpurgi (Nacht zum 1. Mai) gefeiert wurde. Dabei zogen die Dorfbewohner in die Wälder um "Ramschel" (= Bärlauch) zu ernten und damit das Vieh vor den Heimtücken der Hexen zu schützen. Die Römer verliehen dem Bärlauch sogar den klingenden Namen "Herba Salutaris" (= heilsames Kraut). Sie schätzten vor allem seine heilsame Kräfte bei Bluthochdruck, Verdauungsstörungen, Arteriosklerose und Bronchitis. Seine Heilwirkungen sind zahlreich und vor allem den im Bärlauch enthaltenen ätherischen Ölen und Senfölglycosiden zuzuschreiben. Heute hat der Bärlauch als "neues altes Wildgemüse" wieder Eingang in unsere Küchen gefunden. Sogar in Supermärkten ist er zu finden; als saisonales Schmankerl hat es das Kraut auch auf die Speisekarten der Haubenküchen geschafft. Und erstmals erobert der Bärlauch neue Dimensionen: Eine Suchanfrage im Internet nach "Bärlauch" spuckt über eine Million Einträge aus – allen voran diverse Rezepte und Nutzungsvorschläge. Hier tut es gut einmal inne zu halten, aus der digitalen Welt auszusteigen und sich an einem lauen Frühlingstag genussvoll in den Auwald zu begeben, um ein reales Büschel würzigen Bärlauchs zu pflücken. Mit der frischen Ernte nehmen wir die Erinnerungen an Vogelzwitschern und erwachenden Frühling mit nach Hause. Und mit etwas Glück führt uns die Suche nach Bärlauch auch an einem Autümpel vorbei, in dem sich Moorfrösche gerade in Balzgruppen einfinden. Alles in allem – ein Fest für alle Sinne.

Einfache Mondraute

Foto: E. Schwienbacher

Die einfache Mondraute (Botrychium simplex) ist aufgrund seines unterirdischen Wurzelwachstums nur kurze Zeit im Jahr oberirdisch sichtbar. Jedes Jahr treibt die Pflanze einzeln stehende, rundliche, 3 bis 4 cm große Blätter aus. Überragt werden diese Grundblätter von den fortpflanzungsfähigen Pflanzenteilen, die eine Größe von bis zu 15 cm erreichen können. Auf ihnen sitzen rund 5 bis 15 kugelförmige sogenannte Sporangien. Diese sind gelb, bei der Reife rotbraun.

Der Farn wächst oft einzeln auf mäßig trockenen bis feuchten Standorten im Bereich der Zwergstrauchheiden und Borstgrasrasen (Hauptvorkommen), die nur lückenhaft bewachsen sind. In Österreich sind aktuell nur Wuchsorte in der Steiermark (Turracher Höhe, Gurktaler Alpen) und in Nordtirol (inneres Ötztal) bekannt. Im inneren Ötztal wurden Exemplare der einfachen Mondraute erst im Jahr 1989 entdeckt. dieser Standort ist zugleich höchster bekannter Verbreitungsort. Aufgrund ihres kleinen Wuchses ist die Mondraute ehr konkurrenzschwach.

In der alpinen Stufe (Lebensraum Gebirge) fehlt die schützende Baumschicht. Alle Lebewesen sind hier den klimatischen Extremen der Witterung ausgesetzt. Insbesondere die Ausrichtung auf Sonn- oder Schattseite spielt eine Rolle für die vegetationskundliche Besiedelung. Im Bereich der alpinen Stufe dominieren die Zwergstrauchheiden, die u.a. durch die Rostblättrige Alpenrose oder den Zwergwacholder gebildet werden.

Die Mondraute genießt absoluten Schutz. Sie ist über den Anhang II der EU-Schutzrichtlinie Natura 2000 strengstens geschützt und wird auf der österreichischen Roten Liste gefährdeter Pflanzen als „vom Aussterben bedroht“ genannt.

Feuerlilie

Foto: Ewald Neffe

Die Feuerlilie (Lilium bulbiferum) ist eine ausdauernde, krautige Zwiebelpflanze, die Wuchshöhen zwischen 20 und 90 cm erreicht. Der Stängel ist rot oder schwarz gefleckt, daran sitzen längliche Laubblätter, die bis zu 10 cm lang werden. Die Blüten erreichen
4 bis 6 cm Länge, sind leuchtend rot oder gelbrot und haben auf der Oberseite dunkelbraune, behaarte Erhebungen.

Unter den sonst häufig stark duftenden Arten der Gattung Lilium bildet die Feuerlilie eine seltene Ausnahme, da sie gänzlich duftlos ist. Die Pflanze steht unter Schutz.

Herbstzeitlose

Wiese voller Herbstzeitlosen, Foto: K. H. Aschbacher / Naturpark die Wüste Mannersdorf

Die Herbstzeitlose ist die einzige Pflanze, die im Herbst blüht und deren Blätter und Früchte erst im nächsten Jahr zu sehen sein werden, weshalb sie als "zeitlos" gilt. Sie blüht in zartem Rosa, dabei ist sie die giftigste unserer Wildpflanzen – eine Verwechslung mit dem Bärlauch endet fatal.

Eine Herbstzeitlose in voller Blüte, Foto: E. Neffe

Tod in Rosa und Grün

Ein Krokus im Herbst, der rosa blüht? Weit gefehlt! In der Erscheinung der Blüte ähneln sie sich zwar, aber Krokus und Herbstzeitlose sind nur sehr, sehr weitschichtig miteinander verwandt. Unsere Pflanze ist die einzige in Österreich, die jetzt im Herbst blüht, deren Blätter und Früchte aber erst im nächsten Jahr zu sehen sein werden. Und diese Blätter sehen jenen des Bärlauchs täuschend ähnlich, was bei einer Verwechslung fatal endet – doch dazu später. Die jetzt blühende Pflanze wird von Faltern, Bienen und langrüsseligen Fliegen besucht, welche den angebotenen Nektar sammeln. Dabei wird die Pflanze auch bestäubt, somit der Pollen übertragen. Die Befruchtung, also die Verschmelzung von männlichen und weiblichen Zellen im Fruchtknoten, erfolgt tief unter der Erde im Inneren einer Zwiebel erst im Winter. Dann wird Jahr für Jahr eine Tochterzwiebel gebildet, welche die "Mutterzwiebel" ersetzt und etwas tiefer als diese liegt – die Zwiebel gräbt sich selbst jedes Jahr ein wenig ein! Und im kommenden Frühjahr erscheinen dann erst die Blätter und bis zum Frühsommer reifen die Samen in den dreispaltigen Kapseln – eine wahrlich zeitlose Pflanze.

Colchicin ist der namensgebende Inhaltsstoff unserer Pflanze Colchicum autumnale. Benannt nach der Kolchis, einer antiken Landschaft am Ostrand des Schwarzen Meeres, war dies die Heimat der erfahrenen Zauberin Medea aus der Argonauten-Sage – und die Herbstzeitlose war ihr pflanzliches Gift. Schon wenige Blätter oder gar nur ein paar Samen führen einen erwachsenen Menschen in ein bis zwei Tagen in den Tod durch Atemlähmung. Damit ist unsere Pflanze des Monats September die giftigste heimische Wildpflanze.

Eine Streuobstwiese - einer von vielen potenziellen Lebensräumen der Herbstzeitlosen, Foto: A. Kristl

Giftig aber wichtig

Die giftige Herbstzeitlose bleibt auf der Weide stehen – erfahrene Rinder fressen sie nicht, unerfahrenes Jungtier aber ist in Gefahr. Und auch im getrockneten Heu bleibt die Giftwirkung erhalten. Wieso rotten wir die Pflanze nicht aus?  Die Herbstzeitlose wächst in unterschiedlichen Lebensräumen: in Auwäldern und vor allem auf nicht zu nährstoffreichen Wiesen. Durch Düngung geht sie zurück und verschwindet, auch eine häufige Mahd verträgt sie nicht. Auf vielfach gemähten Futterwiesen fehlt sie daher. Typisch ist sie auf den einmal im Herbst gemähten Streuwiesen, aber auch auf bunten Blumenwiesen. Finden wir sie, wissen wir: Da wird nicht gedüngt, das ist eine Extensivwiese. Und auf solchen Wiesen gibt es noch viele andere Pflanzenarten zu bewundern, welche wiederum Nahrungsgrundlage und Lebensraum für viele Insektenarten sind. Es lohnt also sich zu merken, wo derzeit die Herbstzeitlose blüht, denn diese Wiesen werden im nächsten Jahr ganz sicher bunt und vielfältig sein – und damit ein Ort der Lebensfreude!

Dass die Herbstzeitlose auch in Auwäldern gedeiht, ist vielen unbekannt, denn wer ist jetzt noch dort unterwegs? Aber im Frühling werden es wieder viele sein, die durch diese wundervollen Wälder streifen. Ja und dann sind sie vielleicht auf der Suche nach dem Bärlauch. Ob wir dann noch wissen, dass die Blätter der Herbstzeitlose beidseitig gleichfärbig sind, die vom Bärlauch aber andersfärbig auf Ober- und Unterseite bzw. dass der Geruch kein gutes Unterscheidungsmerkmal ist? Im März werden wir nochmal darüber sprechen!

Illyrische Gladiole

Foto: Herfried Marek

Die Illyrische Gladiole (Gladiolus illyricus) ist eine ausdauernde, krautige Pflanze, die 25 bis 50 cm hoch wird. Die schwertförmigen Laubblätter sind 10 bis 40 cm lang. Die Blüten sind dunkel rosa bis violett und die Blütezeit von Ende Mai bis Mitte Juni.

Die Pflanze wächst auf Feuchtwiesen, die einmal im Jahr gemäht werden. Die Illyrische Gladiole ist strengstens geschützt und kommt in Österreich nur in Südkärnten vor und kann im Naturpark Dobratsch gefunden werden.

Kren

Der Kren (Armoracia rusticana) ist eine ausdauernde, krautige Pflanze, die 50 – 120 cm hoch wird. Das Überdauerungsorgan ist eine senkrechte, walzenförmige Pfahlwurzel, die eine Länge von 30 – 40 cm und einen Durchmesser von 4 – 6 cm erreicht. Zum Stängel hin ist die Wurzel vielköpfig und am Wurzelende ästig; sie hat viele Seitenwurzeln. Die Laubblätter sind sowohl grundständig als auch über den Stengel verteilt; sie variieren im Aussehen. Die grundständigen Blätter haben einen Balttstiel mit bis zu 60 cm Länge, die Blattspreite ist oval-lanzettlich, meist 20 – 45 cm lang und der Blattrand stark gekerbt und teils gewellt. Die Blätter am Stengel haben kurze Blattstiele, die Blattspreite ist lineal-lanzettlich und der Blattrand je höher desto glatter. Die Blütezeit ist von Mitte Mai bis Juli. Der Blütenstandschaft erreicht Höhen von bis zu 1,20 m. Der traubige Blütenstand kann Durchmesser bis zu 40 cm erreichen. Die stark duftenden Blüten sind zwittrig und vierzählig, die Kronblätter weiß und 5 -7 mm lang. Die Früchte sind 4-6 mm lange Schoten, in denen sich die Samen befinden. Diese sind oval, braun und fast glatt.

Ursprünglich stammt der Kren wahrscheinlich aus dem südöstlichen Russland, wurde aber schon sehr früh als Kultur- bzw. Gewürzpflanze verwendet und so in ganz Europa heimisch. Verwildert kommt der Kren am Rand von feuchten Wiesen, Bachläufen und Flussufern auf stickstoffreichen Ruderalstandorten vor. In Österreich wird die Pflanze hauptsächlich in der Süd- und Oststeiermark angebaut und jährlich rund 4.000 t produziert. Die Bezeichnung „Steirischer Kren“ ist seit 2009 eine von der EU geschützte geografische Angabe.

Das Wort „Kren“ kommt aus dem Slawischen und bedeutet weinen. Die Meerrettichwurzel ist im unverarbeiteten Zustand geruchlos, wird sie aber geschnitten oder gerieben, hat sie einen stechenden, zu Tränen reizenden Geruch. Der Meerrettich enthält sehr viel Vitamin C und wird gerne verwendet, um die Abwehrkräfte zu stärken. Er wirkt auch kreislaufanregend und hustenlösend. Das Einatmen des Duftes hilft gegen Kopfschmerzen, da leichte Verspannungen gelöst werden. Außerdem ist Kren hilfreich bei Magen-Darm-Störungen und hat eine krebsvorbeugende Wirkung.

Pyrenäen-Schaftmilchstern

Foto: Naturpark Südsteiermark

Der Pyrenäen-Schaftmilchstern (Loncomélos pyrenáicus subsp. sphaerocárpus) ist eine ausdauernde Zwiebelpflanze, die Höhen von 30 bis 80 (selten 100) cm erreicht. Er hat meist 5 bis 6, grundständige Laubblätter; die ziemlich dick, lineal-lanzettlich, rinnig und 2 bis 10 mm breit sind. Die Farbe ist graugrün und sie bleiben kürzer als der Stängel. Zur Blütezeit sind sie bereits absterbend.

Pyrenäen-Schaftmilchsterne haben weiße, endständige, reichblütige (30 bis 50-blütige) Blüten-Trauben. Diese sind zuerst kegelförmig gedrungen, später verlängert; die Blütenstiele sind abstehend. Die Blütezeit ist im Juni und Juli; die Blüten sind nachts geöffnet. Die Samen sind 3 bis 4 mm lang, schwarz und in Kapseln.

Die Pflanze wächst auf Wiesen, in Gebüschen, an Waldrändern, auf Äckern und auf Ruderalstellen. Die Art befindet sich auf der Roten Liste Österreichs und ist als „gefährdet“ eingestuft; regional ist sie im Alpengebiet, im Vorland nördlich der Alpen und im Pannonischen Gebiet stärker gefährdet.

Schopfige Traubenhyazinthe

Foto: Naturpark Kamptal-Schönberg

Die Schopfige Traubenhyazinthe (Muscari comosum) erreicht Wuchshöhen von 30 bis 70, teilweise bis 100 cm. Die sehr tief im Boden sitzende Zwiebel des Geophyten hat einen Durchmesser von etwa 1 cm, wobei die Zwiebelhülle braun gefärbt ist und das Innere rosa. Die Blätter sitzen in einer Rosette und sind etwa 10 mm breit und 40 mm lang. Die Blüten stehen in lang gestreckten, eher lockeren Trauben. An der Spitze des Blütenstandes befinden sich blauviolette, aufwärtsgerichtete, unfruchtbare Blüten, die in einem Schopf angeordnet sind. Darunter stehen die blassbraunen, röhrig-glockenförmigen, fruchtbaren Blüten waagrecht ab.

Die Pflanze kommt an Ackerrändern, in Weingärten, auf Halbtrockenrasen und in lichten Gebüschen besonders über Löss vor. Sie mögen warme Tage und kühle Nächte sowie wenig Niederschlag. Die Schopfige Traubenhyazinthe kann am besten während der Blütezeit zwischen Mai und Juni gefunden werden. Ihre Blätter ziehen früh ein und sind im Sommer verschwunden. Im nördlichen Voralpengebiet ist sie stark gefährdet.

Türkenbundlilie

Foto: Ewald Neffe

Der Türkenbund (Lilium martagon) ist eine mehrjährige, krautige Zwiebelpflanze, die Wuchshöhen zwischen 30 und 150 cm erreicht. Zwischen Juni und August erscheint ein Blütenstand mit bis zu 16 duftenden, nickenden Blüten, die eine typische Turbanform haben. Die Blüten sind meist fleischrosa, manchmal auch trübviolett bis hell braunrot und haben meist eine dunkle Punktierung. Die Blätter stehen in 4 bis 8 Scheinquirlen aus 8 bis 14 Blättern, die von unten nach oben kleiner werden, sonst sind diese wechselständig angeordnet. Die lanzettlichen Laubblätter werden etwa 15 cm lang und 5 cm breit. Sie sind glattrandig und kahl.

Die Türkenbundlilie besiedelt bewaldete Höhenlagen, insbesondere lichte Buchen- und Mischwälder, wie auch Gebirgswiesen und Hochstaudenfluren. Sie zählt zu den bekanntesten heimischen Arten der Liliengewächse und gedeiht in halbschattiger, kühler Lage. Die Pflanze verströmt besonders abends und auch nachts einen schweren, süßen Duft, der vor allem langrüsselige Schmetterlinge anlockt.

Schachblume

Foto: Franz Kovacs

Mit hübschen und ungewöhnlichen Blüten begrüßt die Schachblume den Frühling. Jedoch lässt sich die nickende Schönheit bei uns immer seltener blicken. Ihre Lebensräume verschwinden nach und nach, was sie zu einer stark gefährdeten Pflanze macht.

Foto: Gerlinde Wakonigg

Die Schachblume und ihre Verwandten

Ihre auffälligen glockig-nickenden Blüten machen die Schachblume zu einer äußerst attraktiven Pflanze. Nicht nur die bräunlich-purpurne Färbung findet sich selten als Blütenfarbe, auch das schachbrettartige Muster ist einzigartig. Bei ihrem Anblick taucht vielleicht eine Ahnung auf wie: "Kenn ich zwar nicht, aber kommt mir dennoch irgendwie bekannt vor". Eine gute Spur, die uns zur Verwandtschaft der Liliengewächse führt, wo auch Tulpe, Hundszahnlilie und Gelbstern zuhause sind. Mit ihnen hat die Schachblume die langgezogenen, etwas fleischigen Blätter und die Art des Blütenbaus gemein. Eine weitere Gemeinsamkeit ist die Ausbildung einer Zwiebel, die die Pflanze befähigt, schon früh im Jahr auszutreiben, was ihr gegenüber der restlichen Vegetation einen Vorsprung verschafft. So kann sie noch ein paar Wochen lang Sonnenlicht tanken, bevor sie von den umgebenden Pflanzen beschattet wird.

Für den Menschen ist die Schachblume giftig. Besonders die Zwiebel enthält giftige Alkaloide, die zu Kreislaufbeschwerden, Erbrechen und Krämpfen, bei hoher Dosis auch bis hin zum Herzstillstand führen können. Der wissenschaftliche Gattungsname "Fritillaria" leitet sich übrigens vom lateinischen "fritillus" ab, was "Würfelbecher" bedeutet und sich auf das schachbrettartige Muster der rotbraunen Blüten bezieht.

Foto: Gerlinde Wakonigg

Sensibel trotz Zwiebel

Wer auf einem Frühlingsspaziergang die Schachblume bei uns in ihrem natürlichen Lebensraum besuchen möchte, wird sich bald fragen, wo sie denn überhaupt noch zu finden ist. In Österreich existieren nur mehr drei Vorkommen dieser anmutigen Pflanze. Sie liegen im Oststeirischen Hügelland bei Großsteinbach und im südburgenländischen Strem-Tal bei Hagensdorf und Luising im Naturpark Weinidylle. Die Schachblume benötigt nährstoffarme Feuchtwiesen, die erst später im Jahr gemäht werden. Diese Lebensräume sind durch die Intensivierung ihrer landwirtschaftlichen Nutzung stark gefährdet. Die Veränderung im Wasserhaushalt durch Trockenlegung der Standorte verträgt sie nicht. Auf Düngung reagiert sie empfindlich und ihre Zwiebel beginnt zu faulen. Auch eine frühe Mahd würde den Bestand schwächen. Dank der in ihrer Zwiebel gespeicherten Nährstoffe ist die Schachblume zwar in der Lage, bereits im April Blätter und Blüten zu entwickeln, jedoch sind die Samen erst Ende Juni reif. Dann beginnen auch die oberirdischen Teile der Pflanze zu verwelken, die Zwiebel sammelt erneut Nährstoffe, um für die nächste Vegetationsperiode gerüstet zu sein, und bereitet sich auf eine Ruhephase vor, die bis ins nächste Jahr dauert. Von der Erhaltung der letzten natürlichen Schachblumenvorkommen profitieren letztlich viele weitere Pflanzen, die auf diese nassen und mageren Standorte angewiesen sind. Und schließlich können sich auch Blütenbesucher, wie beispielsweise die Große Holzbiene, daran erfreuen, dass sie auf diesen, in der Jahreszeit sonst eher blütenkargen Flächen, auf pollenspendende Schachblumen treffen können.

Zwergschwertlilie

Foto: Herfried Marek

Die Zwergschwertlilie (Iris pumila) ist ein ausdauernder Geophyt, der Wuchshöhen von 5 bis 15 cm erreicht. Die Blütezeit ist im April und Mai. Die Laubblätter sind schwertförmig, spitz, graugrün, 6 bis 20 mm breit und bis zu 10 cm lang.

Die im Burgenland stark gefährdete Pflanze kommt in pannonischen Felssteppen vor. Sie haben einen auffälligen Blütenfarbenpolymorphismus, d.h. in derselben Population gibt es meist bunt gemischt blass gelb bis gelb blühende neben purpurviolett bis dunkelviolett blühende Exemplare. Dies dient der Täuschung von Insekten.

Orchideen

Fliegen-Ragwurz

Foto: Herfried Marek

Die Fliegen-Ragwurz (Ophrys insectifera) ist eine ausdauernde, krautige Pflanze, die Wuchshöhen von 15 – 40 cm erreicht. Sie ist ein Geophyt, der zwei unterirdische Knollen ausbildet. Die Stängel sind dünn und grünlich-gelb. Die Blätter sind in einer grundständigen Rosette angeordnet, wobei die 2 – 5 Blätter steil aufrecht stehen.

Die Blütezeit dauert von Anfang Mai bis Juli. 2 – 12 Blüten stehen locker angeordnet in einem langen Blütenstand zusammen, den man mit einer Ähre vergleichen könnte. Die Blüten sind zwittrig, dreizählig und zygomorph, d.h. sie sind an einer Achse gespiegelt. Die Kelchblätter sind 5 – 9 mm lang und 3 – 4 mm breit. Die fadenförmigen, behaarten Kronblätter sind 6 – 10 mm lang. Die Lippe ist dreilappig, 10 – 12 mm lang und der Mittellappen gespalten. Die Farbe ist braun mit leichter Tendenz zu rot. In der Mitte der Lippe steht ein grau-blaues, leicht metallisch gefärbtes Mal.

Die Fliegen-Ragwurz kommt nur in Europa vor, da aber auch in kälteren Gebieten und Höhenstufen von collin bis subalpin. Sie mag lockere Böden, die kalkhaltig, lehmig oder tonig sind und eine gute Humuseinmischung aufweisen. Sie gedeiht auf Magerrasen, Trockenrasen, Halbtrockenrasen und in lichten Kiefernwäldern.

Die Fliegen-Ragwurz ist eine typische Insektentäuschblume. Die Blütenblätter täuschen die Form von Grabwespen vor und locken die männlichen Tiere auch mittels eines Duftstoffes bzw. Sexualhormons an. Diese versuchen die Lippe zu begatten und nehmen so die Pollenlinien auf. Grundsätzlich ist die Bestäubung durch Insekten aber eher spärlich, meist erfolgt Selbstbestäubung. Die Kapselfrüchte werden durch Wind oder Tiere verbreitet, sie enthalten mehrere Tausend winzig kleine Samen, die durch den Wind sogar bis zu 50 km weit getragen werden können.

Gelber Frauenschuh

Foto: Ewald Neffe

Gelber Frauenschuh (Cypripedium calceolus) wird 15 bis 20 cm hoch und blüht von Anfang Juni bis Mitte Juli. Die Blüten erinnern in ihrer Form an Schuhe. Die vier äußeren purpur- bis schokoladenbraunen Blütenblätter sind etwa 5 cm lang. Sie haben eine spitze Form und umgeben breit abstehend den gelben „Schuh“. Die Blätter sind länglich-oval.

Die ausdauernde, krautige Pflanze kommt in lichten Wäldern mit kalkhaltigen Böden vor. Die Pflanze ist widerstandsfähig gegen Kälte. Sie ist geschützt und durch Zerstörung ihrer Habitate und Wildentnahmen stark gefährdet.

Holunder-Knabenkraut

Das Holunder-Knabenkraut (Dactylorhiza sambucina) wird 10 bis 30 cm hoch und blüht von Anfang Mai bis Anfang Juni. Die Blüten treten in zwei Farbvarianten, in gelb und rot, auf. Am Lippengrund befindet sich eine purpurne oder gelbe Musterung. Die 4 bis 7 Laubblätter sind lanzettlich, grün gefärbt, ungefleckt und laubwerfend.

Die ausdauernde Pflanze kommt auf frischen bis mäßig trockenen Magerweiden, an Gebüschsäumen und vereinzelt bei Wacholderbeständen vor. Bei dieser Art entstehen immer wieder Hybriden mit anderen Orchideen. Sie sind Standortzeiger für den Naturschutz.

Kohlröschen

Foto: Herfried Marek

Das Kohlröschen (Nigritella nigra subsp. austriaca) erreicht Wuchshöhen von 8 bis 27 cm und blüht von Juni bis August. Der Blütenstand ist zur Vollblüte etwas breiter als hoch und kugelig. Die Blütenhüllblätter sind dunkel-rotbraun bis dunkel-braunrot.

Die Pflanze wächst im Hochgebirge auf Kalkmagerrasen. Das sind sehr artenreiche Vegetationsformen, bestehend aus unterschiedlichsten Gräsern und Kräutern darunter seltene Orchideenarten. Es sind sehr trockene, warme und wegen der geringen Mächtigkeit der Böden auch nährstoffarme Standorte.

Die Blüte des Kohlröschens duftet angenehm nach Vanille und die Pflanze ist besonders geschützt. Die Verbuschung von artenreichen Almwiesen durch Latschen und Fichten wird zu einem zunehmenden Problem. Das Zuwachsen der Almen kann mit Hilfe von Schwendarbeiten verhindert werden, auch ein Entsteinen ist auf bestimmten Teilflächen notwendig, damit sich wertvolle Kalkmagerrasen wieder ausbreiten können.

Sumpf-Stendelwurz

Foto: Herfried Marek

Die Sumpf-Stendelwurz (Epipactis palustris) ist eine ausdauernde, sommergrüne, krautige Pflanze und ein Wurzelgeophyt. Es kommt durch die Ausbildung von Neutrieben während der Wachstumszeit zu einer vegetativen Vermehrung. Der Stängel ist aufrecht und erreicht eine Höhe von 20 – 50 cm. Am Grund desselben sitzen 2 – 4 schuppenartige, grün bis violette Blätter; die 5 – 8 Laubblätter sind lanzettlich spitz geformt und haben eine Länge von 5 – 10 cm. Der Blütenstand ist 6 – 15 cm lang und meist lockerblütig mit 5 – 20 zwittrigen Blüten. Die drei äußeren Blütenhüllblätter sind lanzettlich geformt, meist günlich gefärbt und rot-violett überlaufen. Die beiden oberen Blätter des inneren Kreises sind eiförmig und weiß bis hellrosa mit violetten Linien. Die Lippe ist zweigliedrig und 9 – 13 mm lang. Der hintere Teil ist schüsselförmig und weiß mit rötlich-violetten Linien, der vordere Teil ist rund, weiß, mit einer orangeroten Linie um den Grund und am Rand gewellt. Beide Teile sind durch ein bewegliches Glied verbunden. Blütezeit ist zwischen Juni und August.

Die Pflanze kommt in Europa und Vorderasien vor. Im Voralpengebiet und in den tieferen Lagen ist sie zerstreut zu finden, über 1.500 m Seehöhe wächst sie nicht mehr. Die Sumpf-Stendelwurz mag kalk- oder basenreichen, stickstoffarmen, sickerfeuchten bis staunassen, feinkörnigen und humusreichen Boden. Sie ist lichtliebend und dadurch auf eine niedrige Vegetation bzw. Mahd angewiesen.

Die Bestäubung der Sumpf-Stendelwurz erfolgt durch Insekten wie Bienen, Fliegen und Grabwespen, wobei es selten auch zur Selbstbestäubung kommen kann. Die Samen enthalten kein Nährgewebe, d.h. sie können nur durch das Zusammenkommen mit einem Wurzelpilz keimen.

Gräser

Federgras

Foto: Josef Pennerstorfer
Foto: www.extremfotos.com / Markus Haslinger

Das Federgras (Stipa pennata) ist eine ausdauernde krautige Pflanze, die dichte Horste bildet. Die Halme stehen aufrecht, haben zwei bis vier Knoten, werden 25 bis 70 cm hoch und sind unter der Rispe rau. Die Blattscheiden sind kahl oder mehr oder weniger dicht etwa 0,1 mm lang behaart. Die Blütezeit ist von Mai bis Mitte Juni.

Es kommt auf Trockenrasen und Trockenlebensräumen, wie z.B. lückigen Steppenrasen, felsigen Hängen und lichten Wäldern, auf sommertrockenen, warmen, basenreichen, häufig kalkhaltigen, flachgründigen, nährstoffarmen, steinigen oder seltener sandigen Böden vor. Es handelt sich um eine Lichtpflanze und einen Wärmezeiger.

Das Federgras gilt als eines der Wahrzeichen der Wachau und als ein Symbol der Winzer. Es steht unter Naturschutz und darf nur für lokale Brauchtumszwecke, z.B. als Hutschmuck oder als Schmuck für traditionelle Trachten gepflückt werden.

Hartmans-Segge

Die Hartmans-Segge (Carex hartmanii) ist eine mehrjährige Pflanze und wird 30 bis 70 cm hoch. Sie bildet lange Ausläufer und wächst lockerrasig. Die Blätter sind grasgrün und kurz zugespitzt. Die grundständigen Blattscheiden sind braun bis rotbraun und fein netzfaserig. Sie blüht von April bis Juni und hat großteils weibliche, nur am Grund wenige männliche Blüten.

Der Lebensraum dieser Segge sind Feuchtwiesen und Verlandungsgesellschaften an Bächen, Nasswiesen-Mulden und oft heterogene und höher wüchsige Kalkflachmoore. Sie wächst oft kleinflächig aber in dichten Beständen und besiedelt wechselfeuchte, stau- bis sickernasse, mäßig nährstoff- und basenreiche, oft auch kalkarme, neutrale bis mäßig saure, torfig-humose, sandige oder reine Lehm- und Tonböden. Sie ist eine Ordnungscharakterart für Pfeifengraswiesen.

Scheidiges Wollgras

Das Scheidige Wollgras (Eriophorum vaginatum) wird bis zu 60 cm hoch und wächst lockerrasig mit langen Ausläufern. Die Blätter sind lang und schmal. Das Scheidige Wollgras blüht von Mai bis Juni. Die Früchte ähneln weißen Flocken und werden auch als „Moorblüte“ bezeichnet; tatsächlich handelt es sich aber um Samen.

Die mehrjährige Pflanze mag offene und halboffene feuchte Moorflächen. Die Härchen der Fruchtwolle verwendete man als Watteersatz für die Wundbehandlung und als Polsterfüllung. Fasertorf aus den Blattscheiden wurde in Notzeiten zur Herstellung von groben Spinnwaren oder Karton verwendet.

Schmalblättriges Wollgras

Foto: Herfried Marek

Wenn der Wind über den Sumpf bläst, tanzen sie wie kleine Watteknäuel. Die zarten Fruchtstände des Wollgrases bringen fröhliche Abwechslung in die oft düstere Moorlandschaft und laden uns ein, auch diesem besonderen Lebensraum Beachtung zu schenken.

Foto: Naturpark Riedingtal

Eine windige Angelegenheit

Wenn das Schmalblättrige Wollgras zwischen März und Mai blüht, tut es das vollkommen unspektakulär. Weder leuchtend bunte Blüten, noch besondere Düfte locken Bestäuber an – sein Trick ist: Das Wollgras wird, wie auch viele andere Vertreter der gras- und binsenartigen Pflanzen, durch den Wind bestäubt. Während die winzigen Nussfrüchte in dichten Fruchtständen heranreifen, verlängern sich die sogenannten "Perigonborsten" (= Ersatz für die Blütenhülle rund um Fruchtknoten und Staubblätter) jeder Blüte zu langen Haaren und bilden schließlich die markanten, weiß-wolligen Fruchtstände, mit denen das Wollgras unsere Blicke auf sich zieht. Es ist also die Frucht und nicht die Blüte, welche bei dieser Pflanze unsere Aufmerksamkeit erregt! Und der Wind kommt noch einmal zum Einsatz: Und zwar dann, wenn die Samen reif und bereit für ihre Ausbreitung sind. Während sich die Blauflügel-Prachtlibelle an Pflanzenhalme klammert, um nicht mit dem Wind verblasen zu werden, segeln die Fruchtstände mit Hilfe der langen Haare davon. Sie werden an anderen geeigneten Standorten keimen und uns später wieder mit ihren Wattebäuschen anlocken.

Foto: J. Schlosser

Weniger ist mehr

Wir dürfen uns ehrlich freuen, wenn wir das Wollgras in seiner natürlichen Umgebung antreffen dürfen. Denn es ist wirklich nicht mehr allzu häufig. Als Bewohner von nährstoffarmen Mooren ist das Wollgras, wie sein gesamter Lebensraum, sehr sensibel gegenüber Eingriffen in das Ökosystem. Nach dem Motto "weniger ist mehr" reagiert es sehr empfindlich auf Düngung und Entwässerung, also Maßnahmen, die meistens eine intensivere landwirtschaftliche Nutzung zum Ziel haben. So ist das Wollgras traditionell auch als gute Streupflanze bekannt, also als Bewohnerin von nassen Wiesen, die nur einmal im Herbst gemäht werden und deren Erträge aufgrund ihres geringen Futterwertes nur als Einstreu in Ställen genutzt werden. Früher wurden aus den wolligen Samenhaaren auch Kerzendochte geflochten und Kopfkissen damit ausgestopft.  Aufgrund ihrer Brüchigkeit eignen sich die wolligen Knäuel jedoch nicht als Wollersatz.
Die Pflanzen enthalten Bitterstoffe und Gerbsäure, Wirkstoffe, die in der Naturheilkunde zur Kräftigung des Körpers und gegen Durchfall eingesetzt werden. Sowohl die jungen Triebe als auch geschälte Wurzeln können roh oder gekocht genossen werden. Übrigens weist auch die lateinische Bezeichnung des Wollgrases, nämlich "Eriophorum", auf seine charakteristischen Fruchtstände hin. Der Name leitet sich von den griechischen Wörtern "erion" = Wolle und "pherein" = tragen ab.

Mehrjährige krautige Pflanzen

Alpen-Mannsschild

Foto: Herfried Marek

Der Alpen-Mannsschild (Androsace alpina) ist eine ausdauernde, krautige Pflanze, die einen 1 – 3 cm hohen lockeren Rasen oder flachen Polster bildet. Die Blätter sind 3 – 6 mm lang, länglich bis lanzettlich und in Rosetten angeordnet. Die Pflanzenteile sind mit 2- bis 8-strahligen Sternhaaren überzogen, wobei die Blätter nur am Rand, der Spitze und der Unterseite behaart sind.

Die einzelnen Blüten sind nur kurz gestielt und überragen so die Blätter kaum. Sie sind fünfzählig und zwittrig, d.h. es gibt männliche und weibliche Blüten. Die Krone hat einen Durchmesser von 7 – 8 mm und ist rosa oder weiß, hat aber auf jeden Fall einen gelben Schlundring. Die Blütezeit dauert von Juni bis August.

Die Pflanze kommt auf Fels- und Schutthalden der Zentralalpen vor. Sie bevorzugt feuchte, kalkarme Böden, die lange von Schnee bedeckt sind. Der Alpen-Mannsschild gedeiht in Höhenlagen zwischen 2.200 und 4.200 m und gehört damit zu den 10 am höchsten vorkommenden Alpenpflanzen. Die Pflanze ist in den Alpen endemisch, d.h. sie kommt nur hier vor. Durch die Klimaerwärmung ist sie somit besonders stark gefährdet, da sie keine Möglichkeit hat sich in anderen Gebieten anzusiedeln.

Aurikel

Foto: Herfried Marek

Die Aurikel (Primula auricula) wird 5 bis 25 cm hoch und bildet von April bis Juni 4 bis
12 Blüten aus. Diese sind goldgelb und duften stark. Die Pflanze ist mehrjährig und immergrün. Die Blätter sind in einer grundständigen Rosette angeordnet und haben als Schutz gegen die Sonne eine Wachsschicht.

Die Alpenschlüsselblume ist typisch für die nördlichen Kalkalpen. Als Standort bevorzugt diese kalkstete Pflanze kalkhaltige Matten, Felsspalten, Schutt und auch Polsterseggenrasen. Die Aurikel hat während der Eiszeiten Zuflucht in tieferen, geschützten Lagen gefunden.

Das Eiszeitrelikt ist sehr selten und daher geschützt. Es ist als Heilpflanze gegen Husten und Lungengeschwüre bekannt und ziert die Österreichische 5 Cent-Münze.

Brunnenkresse

Foto: Andreas Kristl

Die Brunnenkresse (Nasturtium officinale) ist eine wintergrüne, ausdauernde, krautige Sumpf- bzw. Wasserpflanze. Die Stengel sind hohl, rund, zwischen 15 und 80 cm lang und liegen im Wasser. Die Laublätter sind klein, grasgrün, unpaarig gefiedert und bestehen meist aus 2 – 4 Fiederpaaren. Die Blütenstände sind vielblütig und locker traubig. Die Blüten sind vierzählig und zwittrig mit gelben Staubbeuteln. Die Kronblätter sind weiß und 3 – 4 mm lang. Nach der Blüte von Mai bis Juli verfärbt sich der Trieb oft lila. Die Früchte sind 8 – 20 mm lange Schoten, die bis zu 60 Samen in zwei Reihen enthalten, und reifen von September bis Oktober.

Die Echte Brunnenkresse kann leicht mit dem Bitteren Schaumkraut, auch Falsche Brunnenkresse, verwechselt werden. Sie wachsen am gleichen Standort und sind beide essbar. Das Bittere Schaumkraut hat mit Mark gefüllte Stängel, die nicht kriechen und die Staubbeutel sind violett. Die Brunnenkresse kam ursprünglich in Europa, Nordafrika und Asien vor; inzwischen ist sie auf der ganzen Welt verbreitet. In Österreich ist sie eher selten und gilt im nördlichen und südöstlichen Alpenvorland sowie im Pannonischen Raum als gefährdet. Sie wächst an fließenden, nährstoffreichen Gewässern in sonniger bis halbschattiger Lage.

Der Name der Pflanze leitet sich vom althochdeutschen Wort „cresso“ ab, was „scharf“ bedeutet und auf den scharfen Geschmack hinweist. Brunnenkresse ist eine alte Heilpflanze, die appetitanregend, stoffwechselfördernd und harn- bzw. wehentreibend wirkt. Sie ist Vitamin C haltig und als Wintergemüse sehr beliebt. Nach der Blüte im Mai soll sie nicht mehr geerntet werden. Um dem Bedarf gerecht zu werden, wird die Brunnenkresse auch kultiviert. Sie benötigt dabei viel frisches Wasser, um eine Verunreinigung zu verhindern. Angebaut wird in flachen Gräben, Klingen genannt, die mit langsam fließendem Wasser gefüllt sind.

Clusius Primel

Foto: Herfried Marek

Die Clusius Primel (Primula clusiana) wird 2 bis 5 cm hoch und hat länglich-eiförmige, immergrüne Blätter. Sie blüht purpurrot und wird beim Verblühen meist lila. Die Blütezeit ist im Mai und Juni.

Die Blume bevorzugt magere Rasen an steinigen, felsigen Stellen. Normalerweise kommt sie in höheren Lagen vor. Die mehrjährige krautige Pflanze ist ein Endemit der Nördlichen Kalkalpen, d.h. sie kommt weltweit nur hier vor.

Diptam

Foto: Herfried Marek

Diptam (Dictamnus albus) ist eine ausdauernde, krautige Pflanze mit kriechendem, weißlichen Rhizom, die eine Wuchshöhe von 60 bis 100 cm erreicht. Sie blüht im Mai und Juni. Die Blüten sind dunkelgeadert rosa oder lila und haben lange Staubblätter.
Die Laubblätter sind einfach gefiedert mit 3 bis 5 Fiederpaaren und besitzen einen zitronenartigen Duft. Die länglich-eiförmigen Fiedern sind bis 8 cm lang.

Er wächst in den Lichtungen wärmeliebender Trockenwälder und Gebüsche, besonders aber an Waldsäumen im Übergang zu Trockenrasen und schätzt trockene, kalkhaltige und stickstoffarme Böden in halbschattiger Lage.

Die Volksheilkunde sagte dem Diptam harntreibende Wirkung nach. Außerdem wurde er auch gegen Nervenleiden eingesetzt. Die Fruchtschalen reißen bei trockenem Wind auf, rollen sich ein und schleudern die Samen bis zu 5 m weit fort.Zur Reifezeit geben die Drüsen der Fruchtstände so viel ätherisches Öl ab, dass die Pflanze schon von weitem gerochen werden kann. Es entsteht dabei das brennbare Gas Isopren. An windstillen Tagen kann es durch eine Zündquelle unterhalb der Blütenrispe entzündet werden, worauf die Feuerfront schnell die Blütenrispe empor läuft und dann erlischt. Die Pflanze nimmt dabei keinen Schaden. In der Dämmerung kann man bei Windstille und großer Hitze an der Pflanze kleine blaue Flammen sehen.

Echte Arnika

Foto: Ewald Neffe

Arnika (Arnica montana) erreicht Wuchshöhen von 30 bis 60 cm. Ihre Blätter sind meist rosettig. Die Körbchenblüten haben außen dottergelbe Zungenblüten und innen unscheinbare Röhrenblüten. Die Blütezeit ist von Juni bis August.

Die krautige Pflanze bevorzugt Weiden und magere Wiesen. Besonders auf der Kallbrunnalm und Litzlalm gibt es Arnikabestände, die als Lebensraum in charakteristischen Almgebieten mit offenen Weideflächen vorkommen.

Die Pflanze duftet aromatisch und wird als Heilpflanze genutzt. In Teilen Österreichs ist Arnika geschützt und darf dort nur in kleinen Mengen geerntet werden.

Echtes Johanniskraut

Echte Johanniskraut (Hypericum perforatum), Foto: Ewald Neffe

Stolz streckt es seine zarten, leuchtend gelben Blüten der Sonne entgegen. Das Echte Johanniskraut, "Pflanze des Lichts" – ein magisches und heilendes Kraut unserer Landschaft. Wenn es blüht, ist der Sommer da!

Wir zeigen, wieso diese Besonderheit der heimischen Pflanzenwelt als "Sonnwendkraut" bezeichnet wird und stimmungsaufhellend, magisch wie auch zart in gleicherweise Weise ist.

Foto: Andreas Kristl

Lichtverliebt und heiß begehrt

Seine ersten Blüten öffnet das Echte Johanniskraut jährlich um die Sommersonnenwende, einem Ereignis, mit dem das Echte Johanniskraut, Hypericum perforatum, schon seit uralter Zeit in Verbindung gebracht wird. Der Tag, an dem "das Licht das Dunkel besiegt", wurde von den Menschen seit jeher gefeiert. Mit Johanniskraut wurden die Altare geschmückt, beim Tanzen verzierten Kränze aus blühendem Johanniskraut die Häupter der Damen. Das ursprünglich heidnische Fest wurde zur Sommersonnenwende (21. Juni) gefeiert, jedoch nach der Christianisierung auf den 24. Juni verlegt und mit dem heiligen Johannes in Verbindung gebracht – daraus entstand der Johanni-Tag. Dies hat der Pflanze schließlich auch zu seinem deutschen Namen verholfen.

In unserer heimischen Flora finden wir mehrere Johanniskraut-Arten. Das Echte Johanniskraut lässt sich am besten anhand seiner Stängel identifizieren: Wird dieser direkt unter dem Blütenstand zwischen den Fingern gerollt, fühlt er sich zweikantig an. Dafür verantwortlich sind zwei gegenüber liegende Längsleisten an den sonst stielrunden Trieben. Auch seine Blätter sind charakteristisch: Gegen das Licht gehalten, werden auf ihren Flächen durchscheinende Pünktchen erkennbar – Öldrüsen, die in das Blattgewebe eingelagert sind. Der lateinische Artbeiname "perforatum" bezieht sich auf dieses Merkmal.

Während seiner Blütezeit zwischen Juni und August tummeln sich zahlreiche Insekten auf den filigranen Blüten. Aber nicht alle Blütenbesucher sind unbedingt nur an Pollen und Nektar interessiert. Auch Sonnenanbeter wie der Apollofalter und andere Schmetterlinge nutzen die Pflanze als sonnig-warmen Rastplatz.

Foto: Klaus Wanninger

Mit der Sonne kommt die gute Laune

"Pflanze der Sonne" wird das Echte Johanniskraut auch genannt – ein klingender Name, der große Erwartungen wach werden lässt. Was hat es mit dieser Pflanze auf sich, dass mit ihrem Beinamen der zentrale Stern unseres Sonnensystems gewürdigt wird? In der Tat schreiben die Menschen seit Jahrtausenden dem Echten Johanniskraut magische, vor bösen Einflüssen schützende Eigenschaften zu, die auf ihre heilende Wirkung hinweisen. Heute ist die Wirkung der einzelnen Inhaltsstoffe durch medizinische Forschung bestätigt, das Zusammenspiel der Wirkstoffe ist jedoch teilweise noch immer nicht geklärt.

Seinen Bezug zur Sonne zeigt das Johanniskraut jedenfalls in mehrfacher Hinsicht. Als Pionier und Magerkeitszeiger bevorzugt die Pflanze sonnenreiche und karge Standorte, wie Magerweiden, Wegränder und Waldsäume. Im übertragenen Sinne kann das Johanniskraut auch "Sonne in die Seele" bringen - es gilt als bestes pflanzliches Mittel gegen Depressionen. Seine antidepressive Wirkung ist seit langer Zeit bekannt. Schon Hildegard von Bingen hat dem Kraut den Beinamen "Arnika der Nerven" gegeben. Durch den Gehalt an Hypericin wirkt die Pflanze photosensibilisierend, das heißt, es macht die Haut empfindlich gegenüber UV-Strahlung. Positiv in lichtarmen Wintermonaten – mit Vorsicht zu genießen bei besonders heller Haut oder starker Sonneneinstrahlung. Hyperforin und andere Inhaltsstoffe des Johanniskrauts sorgen für eine verstärkte Verfügbarkeit von Neurotransmittern (= Botenstoffe) im Gehirn, welche die Reizleitung verbessern und somit stimmungsaufhellend wirken können. Dies sind die gleichen Wirkmechanismen, wie sie auch von synthetischen Antidepressiva bekannt sind.

Gewöhnliche Osterluzei

Foto: Herfried Marek


Die bis zu 100 cm große, kriechende Pflanze entwickelt im Mai und Juni mehrere gelbe, tütenförmige Blüten. Sie hat herzförmige Blätter, die auf langen Stielen sitzen.

Die Osterluzei (Aristolochia clematitis) bevorzugt extensiv genutzte Weingärtenränder und Auwiesen. Die Pflanze dient als ausschließliche Futterpflanze für die Raupen des Osterluzeifalters und wurde auch als Heilpflanze gegen Schlangenbisse und in der Geburtshilfe verwendet.

Gletscherhahnenfuß

Foto: Herfried Marek

Der Gletscherhahnenfuß (Ranunculus glacialis) ist eine grün überwinternde, ausdauernde, krautige Pflanze, die 5 bis 20 cm hoch wird. Die handförmigen Blätter sind in 3 bis 5 gezähnte Lappen geteilt; die grundständigen Blätter sind fleischig und dreiteilig. Die Stängel und Blätter sind meist kahl, selten zottig behaart. Die Pflanze blüht im Juni, Juli und August; die Blüten sind etwa 1,5 bis 3 cm breite Becher, die zuerst weiß, später zunehmend errötend blühen.

Die Pflanze kommt in den Zentralalpen, ebenso in den Pyrenäen und Karpaten in 2.300 bis über 4.200 m Höhe vor, außerdem in der Arktis. Sie gilt als Pionierpflanze in Gletschervorfeldern und bevorzugt kalkarme, steinige, humusarme Böden, Geröll, Gletschermoränen und blanken Fels. Die geschützte Pionierpflanze ist ausgesprochen selten.

Wie alle Hahnenfußarten enthält auch der Gletscherhahnenfuß Giftstoffe. Obwohl er zuweilen in der Volksmedizin verwendet wurde, scheinen ihm Inhaltsstoffe, die eine Heilwirkung rechtfertigen, zu fehlen. Lange Zeit galt der Gletscherhahnenfuß als die am höchsten blühende Pflanze in den Alpen, ist aber nach neuesten Informationen von „Natopia“ durch den „Roten Steinbrech“ abgelöst worden; die höchsten Fundorte des Gletscherhahnenfußes liegen in der Schweiz auf ca. 4.270 m. Selbstbestäubung ist aufgrund fehlender Insekten in diesen Höhen die einzige Möglichkeit der Befruchtung.

Hirschzungenfarn

Der Hirschzungenfarn, Foto: Herfried Marek

Im schattigen Schluchtwald fühlt er sich wohl. Gleichsam mystisch erscheint er hier und besonders malerisch, wenn die Sonne sein zartes Blatt zum Leuchten bringt. Der Hirschzungenfarn – Hexenkraut im Mittelalter und seltene Pflanze unserer Landschaft.

Eine Wasseramsel, Foto: Tobias Schernhammer

Nicht so einfach, das mit den Sporen

Heben sich die Morgennebel aus der kühlen, schattigen Schlucht, werden langsam Details erkennbar: ein kleines Bächlein zwischen bemoosten Felsblöcken, an den steilen Hängen mächtige Linden, Ahorn und Eschen und am Fuße ihrer Stämme eine üppige Vielfalt an Kräutern. Insekten schwirren in der Luft – ein reich gedeckter Tisch für die Wasseramsel auf Nahrungssuche. In diesem Reichtum bleiben die Blicke gern am Hirschzungenfarn hängen. Seine Blattwedel wirken beruhigend ebenmäßig, glatt ausgebreitet, mit welligen Rändern und in Büscheln trichterförmig wachsend. Im Unterschied zu den meisten anderen Farnen sind sie ungeteilt. Mit etwas Glück sind an der Blattunterseite auch sogenannte "Sori" zu erkennen, braun und linealisch geformt, auf eng benachbarten Nerven paarweise angeordnet. Das sind die Orte, an denen der Farn seine Sporen produziert. Im Unterschied zu den Blütenpflanzen vermehren sich Farne nämlich nicht über Samen, sondern eben über diese Sporen. Und jetzt wird’s spannend, oder jedenfalls ungewöhnlich! Aus den Sporen entwickeln sich unscheinbare, kurzlebige "Vorkeime", die in ihrem Aussehen eher an ein Lebermoos, als an einen Farn erinnern. Hier werden die männlichen und weiblichen Keimzellen gebildet. Nach erfolgreicher Befruchtung der Eizelle kann schließlich die bekannte Farnpflanze wachsen.
Der lateinische Artbeiname "scolopendrium" hat seinen Ursprung im griechischen "skolekes", was "kleine Würmer" bedeutet und sich auf das wurmartige Aussehen der Sori bezieht. Der sprechende Name "Hirschzunge" betrifft, leicht nachvollziehbar, die langgestreckte Form der Blätter.

Lebensraum des Hirschzungenfarn, Foto: Herfried Marek

Zauberhaft und unerkannt

Die Fortpflanzung der Farne gab den Menschen früher ein großes Rätsel auf. Weder Samen noch Keimlinge waren zu finden – das konnte doch nicht mit rechten Dingen zugehen! Fantasie und Aberglauben waren also Tür und Tor geöffnet. Es wurde vermutet, Farnblüten- und Samen wären unsichtbar. Andere Erzählungen wiederum berichten, das Farnkraut blühe nur in der Johannisnacht (23./24. Juni) und werfe dann den begehrten "Wünschelsamen" ab. Wer diesen besaß, hatte ein Zaubermittel in der Tasche, hieß es. Er ließe Wünsche in Erfüllung gehen, könne seinen Besitzer vor Hexereien und Zauber schützen und sogar unsichtbar machen, ihm beim Finden von verborgenen Schätzen helfen und Unwetter abhalten. Kein Wunder also, dass er so heiß begehrt war. Sogar Verbote für das Sammeln von Farn oder Farnsamen in der Johannisnacht wurden erlassen. Erst im 19. Jahrhundert lüftete ein Botaniker das Geheimnis um die Vermehrung der Farne.

In der modernen Homöopathie wird der Hirschzungenfarn wegen seiner lymphunterstützenden Wirkung geschätzt. Schon im Mittelalter schrieb Hildegard von Bingen, der Farn habe derart große Kraft, dass ihn der Teufel fliehe. Auf sie geht die Rezeptur eines Elixiers von Hirschzungenfarn mit Wein, Zimt, Pfeffer und Honig zurück. Es hilft gegen Lungenentzündung, Asthma, Husten, Bauchschmerzen, Störungen im Hormonhaushalt, Menstruationsstörungen, Lebererkrankungen und bei Beschwerden der Wechseljahre. Zu den wichtigen Inhaltsstoffen der Pflanze gehören Schleimstoffe, Gerbstoffe, Vitamin C, Cholin und Kohlenhydrate.

Kuhschelle

Foto: Ewald Neffe

Die Kuhschelle (Pulsatilla vulgaris) ist eine mehrjährige, krautige Pflanze, deren Blätter und Stängel meist lang, weich und silbergrau behaart sind. Sie erreichen eine Wuchshöhe von ca. 10 cm. Die Blüten sind glockenförmig, auch dicht behaart, rosa bis violett und erscheinen im April.

Die Pflanze wächst auf Kalk-Trockenrasen. Das sind Biotope, die sich an trockenen, nährstoffarmen Standorten ausbilden. In dem von Trockenheit geprägten Magerrasen wachsen niedrige Kraut- und Halbstrauchpflanzen. Typisch sind Arten der Steppenvegetation, aber auch Hochgebirgsarten und Orchideen kommen häufig vor.

Sie ist giftig, geschützt und eine alte Heilpflanze. Eine Pflegemaßnahme zum Schutz gegen Verbuschung der Trockenrasen ist die Beweidung mit Schafen.

Rundblättriger Sonnentau

Foto: Herfried Marek

Beim Rundblättrigen Sonnentau (Drosera rotundifolia) ist keine Verwechslung möglich. Sie bildet eine bodenständige Rosette aus, die eine Wuchshöhe von 5 – 20 cm erreicht. Ihre Blätter sind zu Fangblättern umgestaltet, auf denen jeweils rund 200 rötliche Tentakeln sitzen, an deren Ende ein klebriges Sekret ausgeschieden wird. Dieses dient dem Fang von Insekten.

Sonnentau wächst in Hochmooren, Flachmooren und Zwischenmooren auf sehr nährstoffarmen Standorten. Die Pflanze ernährt sich von kleinen Insekten, die sie mit den klebrigen Tentakeln auf ihren Blättern fängt und die von Verdauungsdrüsen in der Blattmitte zersetzt werden.

Schneerose

Foto: Herfried Marek

Die Schneerose (Helleborus niger) erreicht Wuchshöhen zwischen 10 und 30 cm. Die Blüten sind weiß, bisweilen rosa überlaufen und nach dem Verblühen grünlich; die Hauptblütezeit ist von Februar bis April. Die lederartigen, immergrünen Blätter sind handförmig geteilt (4 bis 9 - teilig).

Die mehrjährige Pflanze bevorzugt Buchen-Ahorn-Eschenmischwälder auf seichtgründigen Böden. Die Pflanze ist giftig. Ein Pulver aus dem getrockneten Wurzelstock ist Bestandteil vieler Niespulver.

Spinnweb-Hauswurz

Foto: H. Marek

Eine Pflanze, die spinnen kann? Und was macht eine Wurz´n am Haus? Ja und wo bitte wächst die Wurz, wenn gerade kein Haus da ist? Die Hauswurz ist eine ganz eigenartige Pflanze unserer Vegetation mit einem außergewöhnlichen Stoffwechsel. Sie ist immerlebend, einmalblühend, wasserspeichernd und spinnhaarig. 

Eine Spinnweb-Hauswurz im Naturpark Kaunergrat (Pitztal-Fließ-Kaunertal), Foto: A. Vorauer

Immerlebende Hitzemeisterin...

Dickfleischige Blätter, welche zu kleinen kugelförmigen Rosetten angeordnet sind, und wir haben unsere allseits bekannte Hauswurz, wie sie gern in Tontöpfen oder auf Steinmauern ums Haus gesetzt wird. Oft ist die Freude groß, wenn bekannt wird, dass diese Pflanzen bei uns sehr wohl auch wildwachsend vorkommen. Wo? Dazu später mehr.

Der Sage nach gehört eine Hauswurz auf jedes Hausdach, weil sie dauerhaft vor Blitzschlägen schützt. Daher auch der deutsche Gattungsname unserer Pflanze. Die botanische Bezeichnung "Sempervivum" ist da schon mehr in der realen Welt, denn das heißt wortwörtlich übersetzt immer lebend. Die attraktiven, weniger als 2 cm Durchmesser aufweisenden Grundblattrosetten unserer Spinnweb-Hauswurz, sind aus dickfleischigen Einzelblättern aufgebaut, welche an der Spitze ein kleines Haarbüschel tragen. Schon im ganz jungen Zustand verkleben diese Haare mit denjenigen der Nachbarblätter. Dann wachsen die Blätter in die Länge, dehnen sich nach außen, und die Haare werden zu einem filzigen Netz aufgespannt, welches an ein Spinnennetz erinnert. Im Gegensatz zum Tierreich dient dieses Netz aber als Wärme- und Strahlungsschutz. Die dicken Blätter speichern Wasser (unsere Pflanze gehört zur Familie der Dickblattgewächse) und ermöglichen damit ein Leben an ausgesprochen trockenen Standorten. Wenn die Sonne scheint, ist es hier sehr heiß: An der Blattoberfläche wurden schon 60°C gemessen. An so einem Platz ist ein guter Verdunstungsschutz wichtig. Daher öffnet die Hauswurz ihre Spaltöffnungen zur Aufnahme von CO2 aus der Luft nur in der Nacht, im Gegensatz zu fast allen anderen heimischen Pflanzen. Der Stoffwechsel in Form der Photosynthese findet bei unserer Pflanze sehr wohl auch untertags statt, es braucht ja das Sonnenlicht dazu. In der Zeit dazwischen speichert die Hauswurz das CO2 als Äpfelsäure zwischen. Sie zählt damit zu den sogenannten CAM-Pflanzen (Crassulacean Acid Metabolism).

Lebensäume im Gebirge, Foto: H. Marek

...doch nicht unsterblich

Eine große Besonderheit in unserer Flora ist das Blühverhalten der Hauswurz: Sie lebt viele Jahre als eher unscheinbare Blattrosette, bevor sie dann einmal aus der Mitte der Blattrosette stark in die Höhe wächst. Die Spinnweb-Hauswurz blüht dann sehr auffällig in Form von rosafarbigen Sternen, gebildet aus je 8-10 Blütenblättern. Und nach diesem pompösen Ereignis stirbt unsere Pflanze. Es überleben nur die Samen sowie kleine Tochterrosetten, welche schon zuvor gebildet wurden. Diese dienen auch der Ausbreitung als "Bergab-Roller". Und bergab gibt es viel zu rollen, denn die Spinnweb-Hauswurz wächst in den hohen Berglagen unserer Zentralalpen nur über kalkfreiem Gestein in kargen Felsfluren. Hier sind Nährstoffe Mangelware und Wasser ebenso. Dieser extreme Lebensraum im Gebirge erfordert spezielle Anpassungen, wie die schon beschriebenen dicken und Wasser speichernden Blätter oder den ganz besonderen Stoffwechsel. Die kugeligen Blattrosetten sind kleine Nährstoffbomben, weshalb sie als Nahrung für Tiere dienen können und gelegentlich auch vom Alpensteinbock als Energiequelle genutzt werden.

Die Spinnweb-Hauswurz wächst sehr langsam. Erfreuen wir uns daher in aller Ruhe an ihrer Blütenpracht direkt vor Ort auf den Berggraten und -rücken. Schauen wir zu, wie die nektarreichen Blüten von Insekten besucht werden, und wie hübsch sich die Tochterrosetten um die Mutterpflanze herum gruppieren. Und wenn wir unser eigenes Haus vor Blitzschlag schützen oder schlecht heilende Wunden mit dem Pflanzensaft der Hauswurz heilen wollen, dann schauen wir doch zur Gärtnerei unseres Vertrauens für eine deutlich rascher wachsende und kultivierte Dach-Hauswurz.

Sträucher und Kletterpflanzen

Besenheide

Eine Besenheide in voller Blütenpracht, Foto: H. Marek

So spät im Jahr wie sie blüht kaum wer: In zartem Rosa auf kurzen holzigen und stark verzweigten Trieben erfreut uns die Besenheide im späten Herbst noch mit ihren zarten rosafärbigen Blüten. Die Blätter der Besenheide, wie sie noch genannt wird, sind schuppenförmig und dicht anliegend.

Wir zeigen unter anderem, wie diese Pflanze zu ihrem Namen kam und welche Verwendungsformen der Mensch für diese spät im Jahr blühende Schönheit gefunden hat.

Eine Erika, auch bekannt als Schneeheide

Erika ist was anderes

Gern und oft wird die Besenheide als "Erika" verkauft – sie ist eine willkommene Pflanze in Zierbeeten, wo sie als im Herbst blühende Bodendeckerin eingesetzt wird. Aber wer genau schaut, sieht alsbald den Unterschied zwischen diesen beiden Zwergsträuchern: Die Blätter der Besenheide sind schuppenförmig übereinander liegend, wogegen bei der im Frühling blühenden Schneeheide oder Erika die Blätter nadelförmig sind und weit abstehen. Die Blüte der Besenheide täuscht uns gern, denn was da rosa blüht, sind die Kelchblätter. Die sind bei den meisten anderen Pflanzen unscheinbar und grün. Die eigentlichen Blütenblätter sind nur halb so lang und nur bei genauem Hinschauen zwischen dem Kelch zu erkennen.

Heidekrautlandschaft im Naturpark Naturpark Blockheide Gmünd-Eibenstein, Foto: W. Müllebner

Der botanische Name unserer Pflanze, Calluna, leitet sich aus dem Griechischen "kallynein" her, was "schön machen" bedeutet. Damit ist das Wohnhaus gemeint, denn früher wurden die langen und vielfach verzweigten zähen und holzigen Stängel der Besen(!)heide zu gut kehrenden Besen gebunden. Diese fegten dermaßen gut, dass selbst üble Stimmungen und böse Wünsche anderer Menschen aus dem Haus gekehrt wurden, so die Sage. In der Volksheilkunde werden die getrockneten Blüten und Blätter als harntreibender, stark entwässernder Tee eingesetzt. Da die Pflanze viele Gerbstoffe enthält, können die Blüten auch als farbgebende, stark aromatische Speisewürze eingesetzt werden.

Und weil die Besenheide so spät im Jahr blüht, geht es sich mit dem Ausreifen der Früchte heuer nicht mehr aus. Erst im kommenden Frühling öffnen sich die Kapseln und geben die winzigen Samen frei, welche vom Wind verbreitet werden.

Vorkommen des Heidekrautes rund um die Steinformationen im Naturpark Blockheide Gmünd-Eibenstein, Foto: Verein Naturparke Niederösterreich / Fotograf: www.pov.at

Sauer und mager

Der alte Name "Heide" bezeichnete ein unbebautes, karges Gebiet. Namensgebend dafür ist unsere Besenheide: Sie gedeiht nur auf ausgesprochen nährstoffarmen und sauren Böden bei sehr extensiver Nutzung. Durch stärkere Beweidung, häufigere Mahd und vor allem Düngung wird sie rasch zurück gedrängt. Bis in die zweite Hälfte des letzten Jahrhunderts war sie noch auf Weideflächen der Tieflagen und Ebenen weit verbreitet. Heute finden wir sie fast nur mehr auf mageren Weiden der Berglagen außerhalb der Kalkgebirge. So auch auf vielen Almen, wo etwa Wildschweine nach Nahrung suchen. Das Wachstum auf solch kargen Böden ermöglicht der Besenheide eine spezielle Form der Mykorrhiza, also der Symbiose der Pflanzenwurzeln mit Pilzen, welche bei der Nährstoffaufnahme behilflich sind.

Die zarten rosafärbigen Blüten der Besenheide bieten reichlich Nektar an leicht zugänglicher Stelle an. Damit wird unsere Pflanze gern von Insekten besucht, ganz besonders von Honigbienen, welche hier noch eine späte Tracht vorfinden. Aber auch spezialisierte Sand- und Seidenbienen sind auf den Nektar der Besenheide angewiesen. Ist das Wetter im Herbst schlecht und sind daher keine Insekten mehr unterwegs, verlängert die Besenheide einfach ihre Staubfäden und der Pollen wird reichlich über den Wind abgegeben und verbreitet: So ist die geschlechtliche Vermehrung in jedem Falle sicher gestellt. Als Nahrung dient die Besenheide den Raupen einiger Sackträger-Falter sowie den Larven von Rüsselkäfern.

Deutsche Tamariske

Foto: Naturpark Tiroler Lech

Wer die Deutsche Tamariske in natura zu Gesicht bekommt, kann sich glücklich schätzen, denn sie ist bei uns mittlerweile sehr selten. Der Rispelstrauch, wie sie noch genannt wird, gilt als DER Maßstab für naturnahe Fließgewässer und Flusslandschaften und kann im Naturpark Tiroler Lech bewundert werden.  Die Deutsche Tamariske ist ein einzigartiger Strauch mit rosa Blüten und graugrünen, schuppenförmigen Blättern – widerstandsfähig, extrem, selten und anspruchsvoll.

Foto: H. Marek

Tamariske ist nicht gleich Tamariske

Bei "Tamariske" denken viele an einen Zierstrauch für den eigenen Garten oder vielleicht an die letzte Reise nach Nordafrika, wo Tamarisken an Straßenrändern zu finden sind. Unsere heimische Deutsche Tamariske ist zwar mit diesen verwandt, aber doch etwas ganz Eigenes. Sie ist ein kleiner, bodennah reich verzweigter Strauch mit rutenartigen Ästen. Die Blätter sind graugrün und dachziegelartig dem Zweig angedrückt. Damit ergibt sich eine ganz eigentümliche Wuchsform, da die Blätter aus größerer Entfernung praktisch nicht zu sehen sind und der graugrüne bis blaugrüne Farbton der Pflanze überrascht. Auffällig ist unser Strauch während der Blütezeit von Mitte Mai bis spät in den Juni hinein. Dann leuchten die langen und steif aufrecht stehenden hellrosa Blütentrauben am Ende der Zweige und Äste im Sonnenlicht. Die bestäubte Blüte wächst zu einer einen Zentimeter langen schmalen Kapsel aus, welche zur Reifezeit mehr als 100 Samen freigibt. Diese Samen tragen einen Haarschopf und sind ausgezeichnete Schirmchenflieger. Ähnlich wie bei Weiden ist die Keimfähigkeit der Samen ausgesprochen hoch, jedoch nur von kurzer Dauer und erlischt nach etwa einem Monat. 

Foto: Naturpark Tiroler Lech

Der botanische Name unserer Pflanze "Myricaria" ist griechischen Ursprungs und bedeutet "Rispelstrauch", so auch der weniger gängige, zweite deutsche Name der Tamariske. Abgeleitet dürfte diese Bezeichnung vom altsemitischen murr sein, was "bitter" bedeutet, denn die Rinde der Pflanze schmeckt sehr bitter und wurde als gerbstoffreiche Droge eingesetzt. Der Artbeiname germanica bedeutet, dass die Pflanze ursprünglich nach einem Vorkommen in Deutschland beschrieben wurde, obgleich unsere Deutsche Tamariske von den Pyrenäen bis zur Mongolei vorkommt.

Foto: E. Neffe

Sowas von selten

Noch vor 100 Jahren war die Deutsche Tamariske an vielen Fließgewässern in Österreich eine sehr häufige Art, beinahe so wie Weiden. Aber sie benötigt einen sehr naturnahen Gewässerverlauf, da sie gegenüber anderen Arten, wie z.B. den Weiden, wenig konkurrenzstark ist und nur auf häufig sich verändernden Standorten dauerhaft vorkommt. Wird also eine Schotterbank jährlich umgelagert, so fühlt sich unsere Tamariske wohl, denn sie kann selbst bei einer 25 cm starken Überschotterung wieder bis zur Oberfläche durchtreiben – das vermag kein anderes Gehölz! Solche naturnahen Fließgewässer sind die Kinderstube für zahlreiche Fischarten, wie auch der Bachforelle und damit Nahrungsgrundlage z.B. für den Fischotter. Wurde ein Gewässerlauf begradigt und das Ufer befestigt, so gibt es keine Schotterbänke mehr und die Tamariske wird von Weiden verdrängt. In solchen Fällen: auf Nimmer-Wiedersehen. Denn mittlerweile ist die Deutsche Tamariske eine unserer seltensten heimischen Pflanzenarten.

In vielen Bundesländern Österreichs ist die Deutsche Tamariske bereits ausgestorben. Großflächige natürliche Vorkommen existieren nur mehr in Tirol, vor allem an Lech, Isel und Zubringern zur Isel, und sind an letzteren auch Anlass für einigen Streit: Denn mit einem Wasserkraftwerksbau verschwinden die von einem Wildfluss geprägten Flusslandschaften und damit auch die sich bei einem Hochwasser umlagernden Schotterbänke und mit ihnen unter anderem die Standorte für die Tamariske. Wiederansiedelungsprojekte gibt es in einigen Bundesländern, aber nur in wenigen, wie in Kärnten an der Drau, hat dies auch nachhaltig funktioniert.
Darum können sich all die, welche eine Deutsche Tamariske an einem natürlichen Standort entdecken durften, mehr als glücklich schätzen: Hier lebt und werkt ein wildes Gewässer, bildet die Grundlage für einen hochdynamischen Lebensraum, ein Ökosystem mit vielen besonderen und hochspezialisierten Pflanzen- und Tierarten.

Dirndl

Foto: Gerlinde Wakonigg

Der Dirndl-Strauch (Cornus mas) kann zwischen 4 und 8 m hoch werden, wobei die Stämme eine Dicke von 15 bis 20 cm erreichen können. Die Rinde ist anfangs gelbgrau und blättert später in dünnen verbogenen Schuppen ab. Die Blätter sind eiförmig-elliptisch und ca. 4 bis 10 cm lang. Die Oberseite ist glänzend. Die Blüten sind goldgelb; sie erscheinen von Februar bis April vor den Blättern am alten Holz. Die Früchte sind glänzend rot, länglich und etwa 2 cm lang. Das rote Fruchtfleisch ist essbar, aber säuerlich.

Der wärmeliebende Strauch wächst auf sonnigen, buschbestandenen Hängen, in lichten Wäldern, an Waldrändern und in Hecken. Er ist nicht wählerisch und verträgt auch lichten Schatten.

Durch die frühe Blüte ist die Kornelkirsche eine wichtige Bienennährpflanze. Vögel ernähren sich durch die Früchte und finden im Gehölz Schutz. Die Früchte haben einen hohen Vitamin C Gehalt und werden für Marmeladen und Obstbrände verwendet.

Echter / Gemeiner Seidelbast

Foto: Ewald Neffe

Der Seidelbast (Daphne mezereum) ist ein kleiner, wenig verzweigter Strauch, der eine Höhe von 40 bis 125 cm erreichen kann. Die Blüten sind weiß bis rosafärbig und sitzen in Reihen direkt am Ast auf. Die Blütezeit ist im April und Mai. Die Früchte sind rote oder gelbe Beeren. Laubblätter entwickeln sich nur an den Triebspitzen.

Die Pflanzen wachsen an Wald- und Wegesrändern und sind typische Buchenbegleiter. Als Standorte werden kalkhaltige und nährstoffreiche Böden von Laubmischwäldern, insbesondere Buchen- und Eichen-Hainbuchenwaldgesellschaften bevorzugt. Sie mögen trockene und lichtreiche Standorte. Rinde und Samen enthalten ein sehr starkes Gift.

Eingriffeliger Weißdorn

Foto: Herfried Marek

Der Eingriffelige Weißdorn (Crataegus monogyna) ist ein Strauch oder kleiner Baum, der Wuchshöhen von 2 bis 6 m erreicht. Seine Äste haben zahlreiche kräftige Dornen. Die 5 bis 7 cm langen Laubblätter sind in 3 bis 7 Lappen geteilt. Die von Mai bis Juni vorkommenden Blüten sind in Gruppen von 5 bis 25 Stück angeordnet und haben einen Durchmesser von 8 bis 15 mm. Die 8 bis 10 mm langen, eiförmigen Früchte sind dunkelrot.

Die Licht- und Halbschattenpflanze wächst in Laub- und Mischwäldern, an Waldrändern, Hecken, Feldgehölzen sowie an Felsenhängen und bevorzugt kalkreiche Böden. Der Eingriffelige Weißdorn ist eine Heilpflanze für Herzerkrankungen. Die Früchte sind essbar, aber nicht sehr wohlschmeckend.

Gemeiner Wacholder

Foto: Herfried Marek

Der Gemeine Wacholder (Juniperus communis) wächst als aufrechter bis kriechender Strauch oder kleiner Baum bis 10 m Höhe. Er hat immergrüne, sehr spitze Nadeln, die dem Schutz vor Weidetieren dienen. Die Entwicklung zum reifen, beerenförmigen Zapfen dauert drei Jahre; die Ernte der schwarzbraunen, bläulich bereiften Wacholderbeeren erfolgt im September.

Der Wacholder ist zweihäusig, d.h. männliche und weibliche Blüten befinden sich auf getrennten Pflanzen. Der Strauch mag trockene, magere Böden. Wacholder wird zum Würzen, Räuchern und zum Schnapsbrennen genutzt.

Gemeines Heidekraut

Foto: Herfried Marek

Das gemeine Heidekraut (Calluna vulgaris) ist ein verholzender, immergrüner Zwergstrauch, der eine Wuchshöhe von 10 bis 50 cm erreichen kann. Die Blätter sind nadelförmig und stehen in Büscheln. Die Besenheide blüht von Juli bis Oktober hellrot bis selten weiß. Die Blüten sind glockenartig und bilden eine einseitige Traube.

Die Pflanze mag helle, lichte Wälder, Moorlandschaften, Sandflächen, Kiefernbruchwälder, Felsen und dergleichen. Wichtig ist, die Verbuschung und Verwaldung durch permanente Pflegemaßnahmen zu verhindern.

Die Triebe wurden auch als Besen verwendet und dienten ebenso zum Färben wie zur Ledergerbung. Der wissenschaftliche Name der Gattung Calluna kommt ursprünglich vom griechischen Wort für „Saubermachen“ oder „Wischen“. Die Blüten ergeben einen beruhigenden Tee. Außerdem ist das Heidekraut eine hervorragende Honigpflanze.

Grüner Veltliner

Foto: Herfried Marek

Der Grüne Veltliner (Vitis vinifera subsp. vinifera) ist eine Kletterpflanze, die eine Wuchshöhe von 2 bis 10 m erreichen kann. Aus dem mehrjährigen verholzten Teil wachsen jedes Jahr Triebe, auf denen die Blätter sitzen. Diese sind 3 bis 5 gelappte, lang gestielte Laubblätter. Die Weinrebe gedeiht besonders gut auf Lössböden und wird in ganz Niederösterreich angebaut.

Verwendet werden die Trauben als Tafeltrauben oder Rosinen bzw. für Wein und Traubensaft. Der Grüne Veltliner ist die in Niederösterreich am häufigsten angebaute Rebsorte.

Heidelbeere

Foto: Ewald Neffe

Die Heidelbeere (Vaccinium myrtillus) ist ein mehrjähriger Strauch, der bis 30 cm hoch wird. Die Blüten sind rötlich und nickend; die Blütezeit ist im Mai und Juni. Die schwarzblauen Früchte können etwa ab Juli geerntet werden. Die Blätter sind 2 bis 3 cm lang, eiförmig bis elliptisch.

Der Strauch kommt auf kalkfreien Böden in der Sonne und im Halbschatten vor. Man findet ihn neben Wegen, auf Heiden oder in schattigen Nadelwäldern.

Heidelbeeren helfen gegen Durchfall und Nachtblindheit. Es werden Säfte, Tees und Liköre erzeugt. Die Früchte hinterlassen auf den Zähnen und Lippen eine schwarze Färbung.

Hundsrose

Die Hundsrose (Rosa canina) ist ein sommergrüner, lockerer Strauch, mit bogig überhängenden Zweigen, die mit ihrer grünen Färbung auch Photosynthese betreiben. Die Pflanze wird 2-3 m hoch, als Spreizklimmer auch höher und kann ein Alter von bis zu 300 Jahren erreichen. Die Dornen sind in Wirklichkeit Stacheln, die leicht abgestreift werden können und als Kletterorgane bzw. Fraßschutz dienen. Die Laubblätter sind wechselständig angeordnet und in Blattstiel und Blattspreite gegliedert. Die Blattspreite ist unpaarig gefiedert mit 5 oder 7 Fliederblättern, die elliptisch bis eiförmig sind und deren Rand gesägt ist. Die Herbstfärbung ist fahlgelb.

Die Hundsrose hat viele Blüten, die einzeln oder bis zu zehnt zusammenstehen und keinen Nektar haben. Die Blütezeit ist im Juni, die Einzelblüten sind nur wenige Tage geöffnet. Die Blüten sind zwittrig, fünfzählig und haben eine doppelte Blütenhülle. Die Blütenkrone hat einen Durchmesser von 3,5 – 4,5 cm und die Kronblätter sind meist hellrosa, seltener weiß oder kräftig rosa gefärbt.

Der Artname canina deutet auf die Häufigkeit der Pflanze hin; sie ist sozusagen „hundsgemein“, kommt also praktisch überall vor. Sie ist die häufigste wild wachsende Rose in Mitteleuropa. Man findet sie in ganz Europa, mit Ausnahme von Finnland und Isalnd, zudem im Nordwesten Afrikas und in Vorderasien.

Die Früchte werden Hagebutten genannt und sind Sammel-Nüsschen. Die einzelnen Nüsschen werden dabei von einem gemeinsamen, fleischigen, rot gefärbten Fruchtbecher umschlossen. Hagebutten sind länglich-elliptoidisch oder eiförmig; ihr Stiel ist meist zwei mal so lang wie die Hagebutte selber.

Die Hagebutten sind sehr Vitamin C reich und werden vielfältig verwendet, z.B für Tees, Hagebuttenwein und Hagebuttenöl. Weitere Verwendung findet die Hundsrose als Unterlage zur Veredelung von Rosen, als Bodenfestiger, zur Wiederbegrünung und für Misch- und Schutzpflanzungen. Die Fruchtreife ist im Oktober und November wobei die Früchte oft im Frühling noch am Strauch hängen.

Die Licht- bis Halbschattenpflanze bevorzugt trockene bis frische Böden, die basenreich, mäßig sauer bis milde sind. Sie ist ein Pioniergehölz und kommt in Gebüschen, Waldsäumen, an Straßen- und Wegrändern sowie in lichten Wäldern vor und kann in den Alpen bis in Höhenlagen von 1.680 m gefunden werden.

Holler

Foto: Andreas Kristl

Der Schwarze Holunder (Sambucus nigra) ist ein Strauch oder kleiner Baum, der eine Wuchshöhe von bis zu 11 m erreichen kann und stark verzweigt ist. Die Rinde ist graubraun und korkartig und auf jungen Zweigen sitzen helle Korkporen. Die Laubblätter sind gegenständig angelegt und unpaarig gefiedert. Die Blattfiedern sind etwa 30 cm lang und haben 5 – 7 elliptische Einzelblätter, die ca. 12 cm lang sind.
Die kleinen Blüten fassen sich in bis zu 30 cm großen, flachen Schirmrispen zusammen. Die Blüten sind weiß bis leicht gelblich, fünfzählig und haben einen frischen, fruchtigen Duft, den die Pflanze auch verströmt, wenn man die Laubblätter zwischen den Fingern zerreibt. Die Blütezeit ist ab Mai bis in den Juni. Die Holler-Beeren (eigentlich Steinfrüchte) sind ca. 6 mm groß, anfangs rot, später schwarz und reifen im August und September. Auch die Stiele, auf denen die Früchte sitzen, färben sich in der Reife rötlich. Verbreitet werden die Früchte hauptsächlich durch Vögel. Die Pflanze kann bis zu 100 Jahre alt werden.

Der Schwarze Holunder gehört zu den in Mitteleuropa häufigsten Straucharten. Er ist robust und anspruchslos und gedeiht gut im Halbschatten, auf Unkraut- und Ruderalfluren, auf Waldlichtungen oder an Wegrändern. Er ist ein Stickstoffzeiger und ist in den Alpen bis ca. 1.500 m Seehöhe anzutreffen. Der Holler wird auch kultiviert, wobei die Steiermark das größte Anbauzentrum Österreichs und Europas ist.

Die Blüten und Früchte des Hollers finden Verwendung als Heilmittel, Lebensmittel und Farbstoff. Roh genossene Früchte können zu Durchfall und Erbrechen führen, abgekocht als Saft, Mus, Marmelade oder Suppe sind sie bedenkenlos zu genießen. Die Blüten können herausgebacken oder zu Saft verarbeitet werden. Weit verbreitet ist die Mischung dieses Saftes mit Sekt. Da die Beeren sehr Vitamin C-haltig sind, sind sie ein gutes Mittel gegen Erkältungen und Grippe. Auch Tees aus Rinde und Blütenständen gelten als Hausmittel gegen Erkältungskrankheiten, Nieren- und Blasenleiden sowie zur Stärkung von Herz- und Kreislauf.

Die Beeren enthalten einen violetten Farbstoff, der früher zum Färben von Haaren und Leder eingesetzt wurde. Heute wird er in der Lebensmittelindustrie zum Färben von Süßigkeiten und Molkereiprodukten verwendet. Im Phänologischen Kalender ist der Schwarze Holunder eine Zeigerpflanze. Wenn die Beeren reif werden, beginnt der Herbst. Auch im Volksglauben nimmt der Holler eine bedeutende Rolle ein. Das Abhacken oder Verstümmeln eines Hollers brachte Unglück und Tod. Wenn Teile abgestorben sind, zeigte das den Tod eines Familienmitglieds an. Im Hausgarten ist der Holler ein Lebensbaum und Beschützer des Hauses gegen schwarze Magie, Feuer und Blitzeinschlag. Auch gute Hausgeister sollen im Holunder wohnen; dadurch entwickelte sich der Spruch, dass man vor einem Hollerbusch den Hut ziehen soll.

Rostblättrige Alpenrose

Eine Rostblättrige Alpenrose (Rhododendron ferrugineum) in voller Blütenpracht, Foto: Robert Zideck

Bekannt aus Heimatfilmen lässt ihr Name "Almrausch" Bilder von romantischer Bergwelt auftauchen und steht für unverbrauchte Landschaft. Die Schönheit der Berge bezaubert mit purpurroten Blüten und hat auch sonst Interessantes zu bieten.

Wir zeigen, was dieses stark giftige Heidekrautgewächs, das zwischen 30 und 130 cm hoch wird, so besonders macht und wie andere Lebewesen von ihrem Vorkommen profitieren.

Ein Distelfalter labt sich am Nektar einer Rostblättrigen Alpenrose, Foto: Herfried Marek

Rosarot auch ohne Brille

Die reich verzweigten, immergrünen Alpenrosen-Gebüsche sind in unseren Alpen an und über der Waldgrenze anzutreffen. Erst bei genauerer Betrachtung fällt auf, dass sich hinter den Alpenrosen, oder "Almrausch" im Volksmund, zwei unterschiedliche Arten verbergen: Neben der Rostblättrigen Alpenrose, die saure Böden bevorzugt, kommt auch noch ihre Schwesternart, die Bewimperte Alpenrose, vor. Diese wächst jedoch nur in den Kalkgebirgen und vertritt dort quasi unsere Rostblättrige Alpenrose. Der Artbeiname "Rostrot" rührt von einem Merkmal der Laubblätter her, die unterseits im Alter durch Schuppenhaare rostbraun gefärbt sind. Im Gegensatz dazu ist die Laubblattunterseite der Behaarten Alpenrose grün und die Blattränder sind deutlich bewimpert. Die purpurroten Blüten des Almrauschs erscheinen zwischen Juni und August in dichten Blütenständen. Danach reifen in holzigen Kapselfrüchten die Samen heran, welche schließlich durch den Wind verbreitet werden. Im Winter benötigen die Pflanzen eine schützende Schneedecke, um nicht zu erfrieren bzw. zu vertrocknen. Blätter, Früchte, Blüten und sogar der Nektar der Rostblättrigen Alpenrose enthalten giftige Inhaltsstoffe (Andromedoxin, Arbutin, Ursolsäure, Rhododendrin). Als "Folia et stipites Rhododendriferruginei" wurde sie früher als offizielle Arzneipflanze eingesetzt. Heute wird sie aufgrund ihrer Giftigkeit nur mehr homöopathisch bei Gicht- und Rheumaschmerzen verwendet. Der botanische Name "Rhododendron" kommt übrigens vom griechischen "Rosenbaum" (Rhodon = Rose und Dendron = Baum). Die weißblühende Form unsere Pflanze gilt als besonders zauberkräftig. Sie zeigt Goldadern oder andere Schätze an, so heißt es.

Auch Schneefinken profitieren vom Vorkommen der Rostblättrigen Alpenrose, Foto: H. Marek

Von Pionieren und Eroberern

Vielleicht nicht auf den ersten Blick erkennbar ist, dass die Rostblättrige Alpenrose ausgezeichnete Pionierfähigkeiten bei der Besiedelung von nährstoffarmen Rohhumusböden hat. So ist sie beispielsweise in der Lage Schutthalden zu überwuchern, loses Hangmaterial zu befestigen und den Untergrund für anspruchsvollere Pflanzen vorzubereiten. Während an solchen Standorten ihr großer ökologischer Nutzen klar im Vordergrund steht, kann sie auf Almweiden zu einem lästigen "Unkraut" werden, da sie als starker Konkurrent zu den wertvollen Weidegräsern und -kräutern auftreten kann. Oftmals hilft schließlich nur mehr ein gelegentliches Schwenden der Gebüsche, um wieder ein für den Menschen zufriedenstellendes Gleichgewicht herzustellen. Immerhin dienen die Almrauschgebüsche auch als wertvoller Lebensraum für Kleinsäuger, Insekten und Spinnen und machen sie damit zum Jagdrevier für Vögel, wie z.B. die Schneefinken, die im Gebirge über der Waldgrenze leben. Die Blütenknospen dienen dem Schneehuhn als wichtige Winternahrung.

Lebensraum des Almrausches, Foto: Herfried Marek

Manche haben sich vielleicht auch schon gefragt, was es denn mit den leuchtend roten "Rosenäpfeln" auf sich hat, die im Herbst oft an den Almrauschbüschen zu beobachten sind. Sind das Früchte? Gehören die zur Pflanze? Nicht ganz, denn das sind Wucherungen, welche weder etwas mit Äpfeln noch mit Rosen zu tun haben. Auch sind es nicht die Früchte des Almrauschs – denn das sind, wie wir schon gehört haben, verholzte Kapseln. Urheber dieser sogenannten Gallen sind Pilze, die das Gewebe auf der Unterseite der Blätter oder im Blütenstand dazu bringen, sich in dieser Form zu verändern. 

Schlehdorn

Foto: VNÖ

Der Schlehdorn (Prunus spinosa) ist ein Strauch oder auch kleiner Baum, der meistens rund 3 m hoch wird – manchmal auch höher – und ein Alter von bis zu 40 Jahren erreichen kann. Die Pflanze ist sommergrün, sehr dornenreich mit einem stark verästelten  Erscheinungsbild. Die Rinde ist dunkel, fast schwarz, bei jüngeren Trieben rotbraun. Die wechselständigen Laubblätter stehen an 2 – 10 mm langen Blattstielen und sind 2 – 5 cm lang; die Breite liegt bei 1 – 2 cm. Die Form der Blätter ist verkehrt-eiförmig, der Rand ist fein gezähnt. Am Grund der Blattspreite befinden sich Nektardrüsen. Die weißen Blüten sind fünfzählig und zwittrig, ihr Durchmesser beträgt etwa 1,5 cm und sie haben einen charakteristischen Mandelduft. Die Blütezeit ist im März und April, vor dem Blattaustrieb.

Die blauschwarzen, bereiften Steinfrüchte sind kugelig bis schwach elliptoid mit einem Durchmesser von 6 – 18 mm. Das grüne Fruchtfleisch löst sich nicht vom Kern und ist sehr sauer und herb; erst nach dem ersten Frost wird es schmackhafter. Die Fruchtreife ist ab Oktober und November, die Früchte bleiben den Winter über am Strauch. Der Schlehdorn ist in Europa, Vorderasien und Nordafrika heimisch. Er wächst an sonnigen Standorten wie Weg- und Waldrändern sowie felsigen Hängen und ist als Heckenpflanze weit verbreitet. Er mag eher kalkhaltige oft auch steinige Böden und besiedelt Höhenlagen von bis zu 1.600 m.

Der Name ist wahrscheinlich auf die Farbe der Früchte zurückzuführen; (S)li bedeutet „bläulich“. Die Schlehe zählt zu den wichtigsten Wildsträuchern für Tiere. Die Blüten geben Nektar für Insekten; die Blätter dienen verschiedenen Schmetterlingsraupen und Käfern als Nahrung. Die Früchte werden von Vögeln gefressen und das Gebüsch selber bietet Tieren Schutz und Nistplatz. Die langen Dornen schützen die Schlehe vor größeren Pflanzenfressern. Die Früchte werden erst nach dem ersten Frost geerntet, da durch die Kälteeinwirkung die bitter schmeckenden Gerbstoffe zum Teil abgebaut werden. Der Schlehdorn ist ein Wurzelkriechpionier; die weitreichenden Wurzeln bilden Schösslinge, sodass oft dichte, undurchdringliche Schlehenhecken entstehen.
Früher wurde mittels der Schlehe das Wetter bzw. der beste Erntezeitpunkt für Getreide bestimmt. Es wurden die Tage zwischen dem Aufblühen der Schlehe und dem Georgi-Tag (23. April) gezählt und so der Erntetermin um den Jakobi-Tag (25. Juli) errechnet.

Sumpfporst

Foto: Herfried Marek

Der Sumpfporst (Rhododendron tomentosum) ist ein mehrjähriger Strauch, dessen Zweige rostbraun und filzig behaart sind. Die Blätter sind immergrün und lanzettförmig, am Rand eingerollt und auf der Unterseite rotbraun. Er kann eine Höhe von 50 bis 150 cm erreichen. Die Blüten sind weiß und in Dolden am Ende der Zweige angeordnet. Die Blütezeit ist zwischen Mai und Juni. Aufgrund ätherischer Öle verbreitet der Strauch einen balsamterpentinartigen Geruch.

Die Pflanze kommt auf sauren, sumpfigen Magerböden vor, besonders in Hoch- und Übergangsmooren. Von der Bronzezeit bis in die frühe Neuzeit wurde er wegen seiner berauschenden Wirkung als Brauzusatz verwendet. Der Sumpfporst ist ein eiszeitliches Relikt und steht in vielen Ländern auf der Roten Liste der gefährdeten Pflanzenarten.

Bäume

Bergahorn

Foto: Andreas Kristl

Der Bergahorn (Acer pseudoplatanus) kann bis zu 35 m hoch werden. Er blüht im April und Mai und hat flügelförmige Früchte, die wie kleine Propeller fliegen. Die sommergrünen Blätter sind fünf-lappig.

Wie der Name schon sagt, kommt der Bergahorn in mittleren und höheren Lagen vor, also im Bergwald. Der Baum ist tolerant gegen Einschotterung. Sein Holz wird im Musikinstrumentenbau verwendet.

Edelkastanie

Foto: Klaus Wanninger

Kraftvoller Baum und anspruchsvolle Diva unserer Wälder, weitgereist und schon von den Römern hochgeschätzt, ihre Früchte sind heute schmackhafte herbstliche Delikatesse und waren früher lebensrettendes "Notbrot". Die Edelkastanie, ein Wunderwuzzi!

Foto: Ewald Neffe

Die Nüsse haben´s in sich – und nicht nur die!

Ursprünglich aus Kleinasien und mit den Römern bis in unsere Breiten nordwärts gereist, konnte sich die Edelkastanie in klimamilden Lagen in unseren Laubmischwäldern ansiedeln. Sie gehört mit ihren Schwesternarten, der Eiche und der Buche, zu den mächtigsten Laubbäumen unserer heimischen Wälder. Was den Standort betrifft, ist die exotische Diva äußerst anspruchsvoll. Warm muss es sein, wo sie gedeiht, und gleichzeitig feucht genug. Spätfröste oder Dauerregen zur Blütezeit – nein danke! Mit ähnlichen Vorlieben wie der Weinstock harmonieren die beiden Gehölze somit nicht nur kulinarisch in Form von "Sturm und Maroni". Und was essen wir hier eigentlich, wenn wir von Maroni oder Kestn, wie die Früchte der Edelkastanie auch genannt werden, reden? Botanisch gesehen handelt es sich hierbei um Nussfrüchte mit dicken Speicher-Keimblättern. Bis zu drei Nüsse werden von einem stacheligen Fruchtbecher umschlossen, der sich bei Fruchtreife durch einen Austrocknungsmechanismus öffnet. Reich an Stärke, hochwertigem Eiweiß, wichtigen Mineralstoffen und Spurenelementen sowie Vitaminen können sich sowohl der Nähr- als auch der Heilwert der Maroni sehen lassen. Sie sind gekocht oder gebraten magenfreundlich und sorgen für eine gute Verdauung. Sie wirken blutbildend und antiseptisch, außerdem stark stopfend, sind also Heilnahrung bei Durchfall, aber auch bei Hauterkrankungen und allgemeiner Schwäche. Auch für DiabetikerInnen sind sie aufgrund der fehlenden Glucose und Fructose sehr gut verträglich. Neben ihren geschmacklichen Vorzügen bringt die Edelkastanie auch ein sehr wertvolles Holz hervor. Es ist extrem widerstandsfähig und haltbarer als Eichenholz. Unter Wasser ist Kastanienholz eines der dauerhaftesten Hölzer und dadurch im Wasser- und Schiffsbau sehr begehrt.

Foto: Klaus Wanninger

Gut Ding braucht Weile

Nicht nur wir Menschen erfreuen uns an den Produkten, welche die Edelkastanie zur Verfügung stellt. Wenn die Kastanienbäume zwischen Mai und Juni erblühen, lockt der intensive Blütenduft zahlreiche Insekten an. Sieht man sich die Blüten genauer an, lassen sich rasch zwei unterschiedliche Formen erkennen. Die Edelkastanie bildet nämlich männliche und weibliche Blüten in getrennten Teilblütenständen ("Kätzchen") aus. Die männlichen Blüten sind leicht an den zahlreichen, lang abstehenden Staubbeuteln zu erkennen, die weiblichen hingegen sind unscheinbarer. Die Blüten, besonders die männlichen, werden von Bienen und Käfern besucht. Ihre reiche Pollen- und Nektarproduktion ist unter anderem für die Honigbienen von großer Bedeutung. Hier finden sie große Mengen an Pollen und Nektar, der sowohl in den Blüten selbst, als auch zusätzlich in sogenannten extrafloralen Nektarien, also Nektardrüsen, die außerhalb der Blüten in den Blattachseln sitzen, angeboten wird. Bis Kastanienbäume das erste Mal in ihrem Leben blühen, vergeht viel Zeit. Zumindest 20-30 Jahre alt sind sie, wenn sie ihre ersten Blüten und Früchte hervorbringen. Früher durften Menschen, die keinen eigenen Grund besaßen, auf öffentlichem Boden Edelkastanien für den Eigengebrauch pflanzen. Durch die lange Entwicklungszeit der Bäume profitierten jedoch oft erst die nächsten Generationen von deren Früchten. Aus diesen dunklen Zeiten stammt auch die Tradition des Maronibraters. Heute bemüht sich die Pflanzenzüchtung um die Entwicklung von Sorten, die schon in jüngeren Jahren fruchten, um die Edelkastanie für den Kulturanbau effizienter nutzen zu können. Trotz aller Beliebtheit ist der Glanz unserer Diva nicht ungetrübt: Ein parasitischer Pilz, Cryphonectria parasitica, treibt sein Unwesen unter den Edelkastanien unserer Wälder. Aus Asien in den 1960er-Jahren bis Österreich verschleppt, ist der Kastanienrindenkrebs in unseren Breiten die gefährlichste Krankheit für die Edelkastanie. Über kleine Wunden gelangt der Pilz in die Bäume, wächst in ihre Leitgefäße ein und zerstört das Gewebe. Dadurch können die darüber liegenden Astabschnitte nicht mehr versorgt werden und sie sterben ab. Das kann bis hin zum Tod des ganzen Baumes führen. Oft hilft nur ein starker und großzügiger Rückschnitt der befallenen Äste und Stämme.

Hainbuche

Foto: Ewald Neffe

Die Hainbuche (Carpinus betulus) ist ein sommergrüner Laubbaum, der bis 25 m hoch werden und einen Stammdurchmesser von rund 1 m erreichen kann. Junge Bäume haben eher senkrechte Äste, mit dem Alter biegen sich diese in die Horizontale um. Die Krone des Baumes ist dicht und breit-oval. Das Höchstalter beträgt ca. 150 Jahre.
Die Blätter sind dunkelgrün, 4 – 10 cm lang, eiförmig und am Ende meist zugespitzt. Sie stehen wechselständig. Die ausgeprägten Blattadern geben den Blättern das Aussehen, als wären sie gefaltet. Der Blattrand ist doppelt gesägt. Die Blätter hängen teilweise braun bis zum Frühjahr an den Zweigen.

Hainbuchen haben männliche und weibliche Blüten. Die männlichen sind als 4 – 6 cm lange, gelbgrüne Kätzchen ausgebildet. Die weiblichen sind haarig, anfangs grün, dann hellbraun, 2 – 4 cm lang und ebenfalls als Kätzchen ausgebildet. Die Blütezeit ist im April und Mai, die Bestäubung erfolgt durch den Wind. Die Früchte sind kleine Nüsse, die dreilappige, flügelartige Vorblätter besitzen. Die Reifezeit ist im August und September, die Früchte lösen sich aber erst während der Wintermonate ab und werden durch den Wind verbreitet.

Hainbuchen sind Halbschatten- bis Schattenpflanzen. Sie sind Mäßigwarme- bis Wärmezeiger. Die größte Verbreitung haben sie in Mitteleuropa, wo sie in Höhen von 700 – 1.000 m vorkommen. Die Namen Hainbuche bzw. Hagebuche leiten sich aus dem Althochdeutschen ab. Hag bedeutet Hecke oder Einzäunung und bezieht sich auf die Schnittfähigkeit des Baumes. Hain bedeutet kleiner Wald und soll verdeutlichen, dass Hainbuchen auch auf freiem Feld kleinere Wälder/Haine bilden können. Wirtschaftlich ist die Hainbuche heute eher von geringer Bedeutung. Ihr Holz wird zur Herstellung von Parkett und bestimmten Werkzeugen verwendet, außerdem ist es ein gutes Brennholz. In Gärten wird sie gerne als Hecke gepflanzt, da sie Schnitt sehr gut verträgt.

Hirschbirne

Foto: Ewald Neffe

Imposante Obstbaumriesen, ihrer kulinarischen Werte hoch geschätzt – auch wenn sie mit ihrem Prädikat der „geschützten Ursprungsbezeichnung“ EU-Luft schnuppern darf, bleibt die Hirschbirne ein steirisches Original von der Wurzel bis zum Kerngehäuse ihrer g´schmackigen Früchte.

Foto: Ewald Neffe

Gut Ding braucht Weile

Ein erster Biss in ihre süß duftenden Früchte lässt oft Gesichter lustige Grimassen schneiden – die adstringierende Wirkung ist schon etwas gewöhnungsbedürftig. Die Hirschbirne ist mit ihren herb-aromatischen Früchten eine Mostbirnensorte, die sich durch einen hohen Gerbstoffgehalt auszeichnet. Anders als die meisten Kultur-Birnensorten stammt sie von der Schnee-Birne ab, einer Birnenart die ursprünglich im südlichen Mitteleuropa und in Kleinasien beheimatet war. Die Sorte entstand vermutlich als Zufallssämling um 1800 und ist sowohl historisch als auch heute noch ausschließlich in der Oststeiermark insbesondere im Naturpark Pöllauer Tal und der Buckligen Welt verbreitet.

Foto: Ewald Neffe

Hirschbirnbäume können sehr alt werden. Das Alter der aktuell mächtigsten lebenden Bäume wird auf rund 200 Jahre geschätzt. Traditionell werden die Bäume auch heute noch in Streuobstwiesen und Baumreihen kultiviert. Zur Blütezeit Anfang Mai verwandeln sich die mächtigen Baumkronen in weiße Blütenwolken, die Dank der Frostunempfindlichkeit der Blüten auch überraschende Kälteeinbrüche unbeschadet überstehen können. Mit der Fruchtreife lässt sich die Hirschbirne viel Zeit. Erst später im Herbst, wenn in den Obstplantagen und Spalierreihen bereits wieder Ruhe nach dem Erntestress eingekehrt ist, kommt die Zeit der kleinen, rundlichen Hirschbirnen.

Foto: Alois Pöltl

Oststeirerin mit Potenzial

Die Pöllauer Hirschbirne g.U. hat es geschafft, als regionale Besonderheit bis in internationale Kreise der Europäischen Union vorzudringen und findet sich hier in illustrer Gesellschaft mit anderen namhaften kulinarischen Größen mit verordnetem EU-Herkunftsschutz (g.U. = „geschützter Ursprungsbezeichnung“) wieder, wie der „Wachauer Marille“, der „Steirischen Käferbohne“ aber auch italienischen Schmankerln wie dem „Grana Padano“ und dem „Prosciutto di San Daniele“. So bemerkenswert und besonders die kleinräumige Verbreitung der Hirschbirne auch ist, hat dies jedoch auch Schattenseiten, die sich aktuell in einer Überalterung der Bestände und einem starken Rückgang der Zahl der Hirschbirnbäume äußern.

Foto: Alois Pöltl

Dies stellt große Herausforderungen an die regionalen Bäuerinnen und Bauern, die bemüht sind, die Baumbestände zu sichern, was nur durch Nachpflanzen junger Bäume erreicht werden kann. Die Nutzung der Hirschbirnen erfolgt auf mannigfaltige, sowohl traditioneller als auch modern-innovativer Weise, beispielsweise zu Saft, Most, Essig, Spirituosen, Kletzen (=gedörrte Birnen) oder Fruchtaufstriche und findet Eingang in zahlreiche kreative Gerichte. Und wer sich schließlich noch fragt, wie die Birne eigentlich zu ihrem „Hirsch“ im Namen kam, erfährt nun vielleicht ein kleines „Aha!-Erlebnis“. Tatsächlich leitet sich ihr Name vom mundartlichen „Hirscht“ oder „Hiascht“ für „Herbst“ ab und weist damit auf die späte Reifezeit der Birne hin.

Rotbuche

Foto: Herfried Marek

Die Rotbuche (Fagus sylvatica) wächst als sommergrüner Baum und kann Wuchshöhen von bis zu 35 m erreichen. Der Namensteil „Rot“ bezieht sich auf die leicht rötliche Färbung des Holzes. Die Rinde ist meist hellgrau mit sichtbaren Narben bereits abgefallener Zweige.

Der häufigste Baum im Wienerwald ist die Rotbuche; sie wird auch als Mutter des Waldes bezeichnet. Dieser Baum ist in der Jugend relativ schattentolerant, im Alter benötigt er jedoch mehr Licht.

Die Früchte sind dreikantige Nüsse, die Bucheckern genannt werden, essbar sind und sehr aromatisch schmecken. Das Holz wird für Parkettböden, im Möbelbau und als Brennholz verwendet.

Schwarzföhre

Foto: Ewald Neffe

Die Schwarzföhre (Pinus nigra austriaca) wird zwischen 20 und 50 m hoch und kann ein Alter von 800 Jahren erreichen. Aufgrund der Ausbildung einer schirmförmigen Krone wird die Schwarzföhre auch Schirmföhre genannt. Die schuppige Rinde hat eine schwarzgraue Färbung und auch die Zapfen sind innen schwarz gefärbt. An den ersten warmen Februar- oder Märztagen kann man im Wald das Knacken der aufspringenden Zapfen hören und die ausfliegenden Samen sehen.

Der Nadelbaum mag trockene, warme Wälder und Felsen. Die Keimlinge sind sehr lichtbedürftig. Die Schwarzföhre siedelt sich daher vielfach in Karstgebieten an und ist im allgemeinen sehr anspruchslos. Der Baum wurde besonders zur Harzgewinnung angebaut. Auch wird das Holz gerne für Theaterbühnen eingesetzt, da es nicht knarrt.

Stieleiche

Foto: Herfried Marek

Stieleichen (Quercus robur) werden zwischen 20 und 40 m hoch und erreichen einen Stammdurchmesser von bis zu 3 m. Durchschnittlich werden sie 500 bis 1000 Jahre alt, es gibt aber vereinzelt auch ältere Exemplare. Die Früchte, genannt Eicheln, sitzen zu 3 bis 5 Stück auf bis zu 4 cm langen Stielen, der die Stieleiche ihren Namen verdankt. Die Bäume sind lichtbedürftig und daher besonders an Waldrändern zu finden.

Die Eicheln dienten als Tiernahrung; besonders Schweine wurden in die Eichenwälder getrieben und gemästet. Das Holz wird gerne für Parkettböden, Furniere oder als Brennholz verwendet.

Vogelbeere

Foto: Ewald Neffe

Der Vogelbeere-Baum (Sorbus aucuparia) kann bis zu 20 m hoch werden und blüht Ende Mai. Im September werden die roten Früchte geerntet, die in Rispen eng zusammen sitzen. Die Blätter sind gefiedert und erinnern an die Blätter der Esche, woher auch der Name Eberesche kommt.

Die Früchte enthalten viel Vitamin C und werden für Marmeladen und Schnäpse verwendet, außerdem dienen sie vielen Tieren als Nahrung. Das Holz wird aufgrund der schönen Maserung gerne bei Drechselarbeiten gebraucht.

Wachauer Marille

Foto: H. Marek / E. Neffe

Der Baum wird 6 – 10 m hoch und blüht von Anfang bis Mitte April weiß. Die kugeligen hellgelb bis orangerot gefärbten Steinfrüchte reifen von Mitte bis Ende Juli und besitzen einen Durchmesser von 4 – 8 cm. Von der Marille wird die Frucht nicht nur als Obst genutzt, sondern es werden auch Marmeladen, Schnaps, Säfte und Seife erzeugt.

Wachauer Marille (Prunus armeniaca) ist eine geschützte Ursprungsbezeichnung der EU. Im Naturpark Jauerling-Wachau hat der Verein „Wachauer Marille“ seinen Sitz. Die Wachauer Marille wird in den Naturparkgemeinden Aggsbach, Emmersdorf, Mühldorf, Maria Laach und Spitz angebaut.

Weberbartlapfel

Foto: Ewald Neffe

Beim Weberbartlapfel (Malus domestica) handelt sich um eine alte Apfelsorte. Der starkwüchsige Baum kann bis zu 100 Jahre alt werden und blüht Ende April. Anfang bis Mitte Oktober können die Äpfel geerntet werden. Die Schale ist grünlich-gelb und dunkelrot gestreift.

Der Weberbartl-Apfel ist im Naturpark Obst-Hügel-Land eine regionaltypische alte Apfelsorte, die vor allem in Streuobstwiesen und bäuerlichen Obstgärten angebaut wird. Die Sorte wurde nach Bartholomä Reiter vom Weberhaus in St. Marienkirchen benannt, da dieser die Sorte herangezogen und weiterverbreitet haben soll.

Zirbe

Foto: Herfried Marek

Der Nadelbaum wird bis zu 25 m hoch und kann bis zu 1000 Jahre alt werden. Die biegsamen 5 – 11 cm langen Nadeln stehen in 5er Büscheln. Die jungen Zapfen sind blauviolett und sehr harzig, später werden sie zimtbraun und bis 8 cm lang.

Die Zirbe (Pinus cembra) ist ein Baum des alpinen Hochgebirges und der Waldgrenze. Ihr Holz ist ein attraktives Bau- und Möbelholz sowie Schnitzholz. Ihm wird  eine gesundheitsfördernde Wirkung nachgesagt (z.B. blutdrucksenkend). Reife Samen (Zirbelnüsse) können verzehrt werden. Aus den unreifen Zapfen wird durch Ansetzten der Zirbenschnaps gewonnen.

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