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Foto: Franz Kovacs

Foto: Klaus Wanninger

Foto: F. Vondruska

Foto: Klaus Wanninger

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Foto: Public Domain

Biodiversität verwurzeln

Das Projekt „Naturparke verwurzeln“ setzt in sieben Pilot-Naturparken Maßnahmen für den Erhalt der Artenvielfalt unserer heimischen Hecken

In den Österreichischen Naturparken finden sich zahlreiche Raritäten unter den heimischen Wildgehölzen, die seit Jahrtausenden an unser Klima und unsere Böden angepasst sind. Es gelangen jedoch oftmals Gehölze in Gärten und freie Natur zur Auspflanzung, deren Ursprung und Herkunft weit außerhalb Österreichs oder sogar Europas liegt. Deren stetige Zunahme schwächt auf Dauer die Bestände der hiesigen Flurgehölze, so dass negative Folgen für die regionale biologische Vielfalt erwartet werden müssen. Um dem entgegen zu wirken führt der Verband der Naturparke Österreichs derzeit das Projekt „Naturparke verwurzeln“ unter Mitwirkung des Vereins Regionale Gehölzvermehrung (RGV) und des Wiener Büros LACON durch. „Naturparke verwurzeln“ zielt darauf ab, durch Pilot-Aktionen in Naturparken aus sieben Bundesländern Besonderheiten der heimischen Wildgehölze wie zum Beispiel Wacholder, Felsenbirne, Schlehe oder Alpen-Heckenrose in den Naturparken zu besammeln, zu vermehren, und die kräftigen, liebevoll herangezogenen Jungpflanzen wieder in Hausgärten, bei Bauernhöfen oder auf öffentlichen Flächen der Gemeinden zu verwurzeln. 

Heckenlandschaften haben einen beträchtlichen landschaftsprägenden Charakter; sie stiften regionale Identität. Darüber hinaus sind sie unverzichtbare Lebensraumstrukturen und Nahrungsgrundlage für Wildtiere, seltene Vogel- und gefährdete Insektenarten. Der Verlust an genetischen Reserven der Flurgehölze hätte dramatische Folgen für die biologische Vielfalt unserer Kulturlandschaft. Die Erhaltung, Verbesserung und Wiederherstellung der heimischen Gehölzvielfalt ist daher ein zentrales Ziel von „Naturparke verwurzeln“. Ein nicht minder wichtiges Anliegen ist zudem, die Bevölkerung über die biologische Vielfalt und die Bedeutung der heimischen Wildgehölze für den Naturschutz zu informieren; den Naturpark gewissermaßen auch im Bewusstsein der Menschen zu verwurzeln. Die Aktivitäten rund um das Projekt, wie Besammlung der Früchte, Vermehrung und Auspflanzung werden daher von bewusstseinsbildenden Maßnahmen begleitet.

Elf charakteristische Wildgehölze wurden in den sieben Pilot-Naturparken ausgewählt.

Folgende Naturparke nehmen an den Pilot-Aktionen teil

Naturpark Landseer Berge im Burgenland, Naturpark Dobratsch in Kärnten, Naturpark Leiser Berge in Niederösterreich, Naturpark Mühlviertel in Oberösterreich, Naturpark Weißbach in Salzburg, Naturpark Almenland in der Steiermark sowie der Naturpark Karwendel in Tirol. 

Naturpark Landseer Berge im Burgenland

Schlehenfrüchte (Foto: Klaus Wanninger)

Im Naturpark Landseer Berge wurden kürzlich die Früchte der Schlehe gesammelt. Die Schlehe ist ein wichtiges Nistgehölz für Vogelarten wie den Neuntöter und bietet fast das ganze Jahr über Nahrung für unzählige Wildtiere. Da die Schlehenblüte neben Pollen auch Nektar bietet, zieht sie viele Schmetterlinge an; insgesamt wurden schon über 113 Schmetterlingsarten auf Schlehenblüten gezählt. Damit eignet sich die Schlehe hervorragend, um der Bevölkerung, insbesondere Kindern die Bedeutung von Wildgehölzen für die biologische Vielfalt zu vermitteln. Im Rahmen von „Naturparke verwurzeln“ soll sie wieder vermehrt in die freie Landschaft ausgepflanzt werden.

 „Durch wiederkehrende Erfahrungen sowohl innerhalb als auch außerhalb der Schule soll ein langfristiger Einfluss auf die Umwelteinstellungen und das Handeln der Schülerinnen und Schüler erreicht werden. Naturpark-Schulen sind damit ein Beitrag zur Bildung für nachhaltige Entwicklung.“ so Beate Steiner, Geschäftsführerin vom Naturpark Landseer Berge über das Projekt und die aktive Einbindung von Naturpark-Schulen.

Naturpark Dobratsch in Kärnten

Faulbaum (Foto: Klaus Wanninger)

Im Naturpark Dobratsch wurden mit Faulbaum und Felsenbirne zwei Gehölzarten ausgewählt, die wichtige Nahrungspflanzen für zahlreiche Tagfalter sind und die den Schmetterling-Schwerpunkt des Naturparks widerspiegeln. Der Faulbaum ist eine essenzielle Futterpflanze für die Raupen des Zitronenfalters und damit unverzichtbar für das Vorkommen des gelben Frühjahrsfalters. Das Laub wird auch von anderen Falterarten wie beispielsweise dem Faulbaum-Bläuling gefressen und die Blüten werden von Bienen, Wespen, Schlupfwespen, Fliegen, Käfern und Schmetterlingen, speziell vom Kleinen Eisvogel, besucht. Die Felsenbirne ernährt nicht nur Vögel sowie kleinere und größere Wildtiere; ihre mehlig-süßen Früchte können zu Marmelade verarbeitet und getrocknet als Rosinenersatz genossen werden. Auch die Felsenbirne dient mehreren Schmetterlingsarten als wichtige Futter- und Nektarpflanze, beispielsweise dem Großen Wiener Nachtpfauenauge, der größten heimischen Falterart, die vom Aussterben bedroht ist.

 „Wir wollen ein Stück Naturpark in den Garten bringen. Jeder und Jede kann so ganz leicht einen Beitrag für die Natur leisten, einfach unsere Jungpflanzen in den Garten setzten. Bis zum Einpflanzen in die Gärten möchten wir noch viel Bewusstseinsbildung für dieses wichtige Projekt machen.“ Robert Heuberger, Geschäftsführer vom Naturpark Dobratsch.

Naturpark Leiser Berge in Niederösterreich

Pimpernuss (Foto: Klaus Wanninger)

Im Naturpark Leiser Berge werden Wacholder und Pimpernuss fachgerecht vermehrt. Der Wacholder ist sehr typisch für die Magerweiden des Naturparks. Seine Beeren sind das einzige Gewürz, das von Nadelbäumen stammt. Neben dem Menschen haben auch einige Vögel und Säugetiere den Wacholder auf dem Speiseplan. Mit der geplanten Pflanzung in Gärten der Gemeinden strebt „Naturparke verwurzeln“ eine vitale Anbindung an die wertvollen Lebensräume im Naturpark Leiser Berge an. Die Pimpernuss ist mit ihren weißen, zart duftenden Blütenrispen und lampionähnlichen Früchten eine hochattraktive Gartenpflanze. Zur Vollreife klappern die Samen, wenn sich die Früchte im Wind bewegen; dieses „Pempern“ hat sich lautmalerisch im Namen niedergeschlagen.

Eveline Lachmayer, Geschäftsführerin vom Naturpark Leiser Berge, verspricht sich vom Projekt, „die Pimpernuss als dekoratives, einheimisches Gehölz bekannter zu machen und den Wacholder (Kranawittn) wieder in die Gärten der Bewohner der Region Leiser Berge zu bringen.“ 

Naturpark Mühlviertel in Oberösterreich

Wacholder (Foto: Barbara Derntl)

Im Naturpark Mühlviertel wurden Wacholder und Schlehe als charakteristische Naturpark-Gehölze ausgewählt, durch die Spätfröste im heurigen Frühjahr gibt es jedoch keine Schlehen-Früchte. Der Wacholder, der nun fachgerecht vermehrt wird, hat im Mühlviertel einen hohen Stellenwert in der bäuerlichen Kulturlandschaft. Er spielte eine große Rolle im alpenländischen Volksglauben, wurde und wird zu Räucherzwecken verwendet und kann hervorragend kulinarisch eingesetzt werden. Seine Beeren sind das einzige Gewürz, das von Nadelbäumen stammt. Neben dem Menschen haben einige Vögel und Säugetiere den Wacholder auf dem Speiseplan. 

Barbara Derntl, Geschäftsführerin vom Naturpark Mühlviertel, sieht eine zentrale Bedeutung von „Naturparke verwurzeln“ darin, „das Vorkommen und die Bedeutung des heimischen Wacholders und Schlehdorns wieder mehr ins Bewusstsein der Bevölkerung zu rücken. Zudem wollen wir Gartenbesitzer sensibilisieren. Denn gebietsfremde Gehölze wie z.B. der Kirschlorbeer nützen weder der Tierwelt, noch dem Menschen!“ 

Naturpark Weißbach in Salzburg

Alpen-Heckenrose (Foto: Klaus Wanninger)

Im Naturpark Weißbach sind die Alpen-Heckenrose, Mehlbeere und Eibe ausgewählte Gehölzarten, die besammelt wurden. Diese Gehölze eignen sich als Besonderheiten des Naturparks und aufgrund der Sammelbestände sehr gut für die Einbindung in das Naturvermittlungsangebot. Die Alpen-Heckenrose zählt zu den schönsten heimischen Wildrosen und schafft es als einzige Rosenart, sich oberhalb der Baumgrenze anzusiedeln. Ihre Früchte, die Hagebutten, bleiben oft über den Winter am Strauch hängen und sind dann immer noch genießbar. Sie dienen vielen Tieren, wie Kolkraben, Krähen, Seidenschwänzen, Tannenhähern, Birkhühnern und auch Füchsen als Nahrung. Die Mehlbeere hat wunderschönes Laub, eindrucksvolle Blüten, einen feinen Duft und ist somit perfekt als Gartenpflanze geeignet. Ab September bringt sie apfelförmige Früchte hervor, die gekocht vom Menschen genossen werden können aber vor allem bei Vögeln heiß begehrt sind. Die Eibe war ursprünglich in ganz Europa weit verbreitet, wurde stellenweise allerdings ausgerottet, da ihr Holz für den Bau von Bögen und Armbrüsten sehr geeignet ist. Heute ist sie geschützt. Fast alle Teile der Eibe, insbesondere die Nadeln und Samen sind giftig, lediglich der rote Samenmantel, der die samenverbreitenden Vögel anlockt, ist frei von Giftstoffen.

 „Das Mosaik an Maßnahmen der Regionalen Gehölzvermehrung in den Naturparken trägt österreichweit zum Erhalt von blühenden Hecken als Lebensgrundlage für heimische Vögel und Insekten bei.“ so Birgit Battocleti, Geschäftsführerin vom Naturpark Weißbach.

Naturpark Almenland in der Steiermark

Vogelbeere (Foto: Ewald Neffe)

Im Naturpark Almenland wurden kürzlich die Früchte der Vogelbeere gesammelt. Sie soll als typischer Hof- und Hausbaum wieder verstärkt in das Bewusstsein der Bevölkerung gelangen. Zudem hat sie einen beeindruckenden Nutzen für mehr als 70 Insekten-, 60 Vogel- und 30 Säugetierarten als Futterpflanze. Im nächsten Jahr werden dann die Früchte der Holzbirne besammelt, die nicht nur Seltenheitswert sondern ebenso eine große Bedeutung als Nahrung für viele Wildtiere hat. Die Nachkommen der Wacholderbestände werden ebenfalls 2017 für die Pflanzung in Hausgärten und bei Bauernhöfen vermehrt, um ihre lange Tradition als Haus- und Hofgehölz fortzusetzen. 

Ernst Gissing, Geschäftsführer vom Naturpark Almenland sieht in „Naturparke verwurzeln“: „eine großartige Chance, Sorten wie die wilde Vogelbeere, die über Jahre hinweg Schädlingen und Klimaeinflüssen getrotzt haben, zu erhalten und zu vermehren.“

Naturpark Karwendel in Tirol

Felsenbirne (Foto: Klaus Wanninger)

Im Naturpark Karwendel werden Felsenbirne, Vogelbeere, Eibe und Alpen-Heckenkirsche fachgerecht vermehrt. Die Felsenbirne ernährt nicht nur Vögel sowie kleinere und größere Wildtiere; ihre Früchte können auch von Menschen genossen werden. Ebenso dient die Felsenbirne mehreren Schmetterlingsarten als wichtige Futter- und Nektarpflanze. Die Vogelbeere erfreut sich nicht nur bei Schnapsbrennern großer Beliebtheit, sondern ist auch eine wichtige Futterpflanze für das Birkhuhn, welches im Karwendel mit 300 bis 500 Revieren einen tirolweit bedeutenden Bestand aufweist. Die Eibe wurde in Europa stellenweise ausgerottet und ist heute geschützt. Im Naturpark gibt es noch gewaltige uralte und geschichtsträchtige Exemplare zu bestaunen, deren Nachkommen in Gärten Fuß fassen werden. Im Vergleich zu allen anderen heimischen Nadelbäumen hat die Eibe das stärkste Regenerationsvermögen bei Verletzungen. Dazu ist sie frosthart, schattentolerant und kann hohe Wasserverluste ertragen. Die Alpen-Heckenkirsche wurde als Charakterart für den Naturpark Karwendel ausgewählt, weil sie als Gartenpflanze eine angenehme Wuchshöhe hat, die selten drei Meter Höhe erreicht. Außerdem ist sie schattenverträglich und vor allem durch ihre auffällige Blüte sehr attraktiv.

 „Naturparke verwurzeln“ ist für uns eine weitere Möglichkeit, den Naturpark im besten Sinn des Wortes begreifbar zu machen.“ Hermann Sonntag, Geschäftsführer vom Naturpark Karwendel.

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