Die Oö. Akademie für Umwelt und Natur und der Verband der Naturparke Österreichs luden von 05. bis 06. Februar 2009 in den Naturpark Obst-Hügel-Land. Über 30 Teilnehmer/innen besuchten die Tagung „Integrative Outdoor-Freizeit-Angebote entwickeln“ in St. Marienkirchen an der Polsenz, die sich einerseits der Theorie widmete, die hinter erfolgreichen barrierefreien Angeboten steckt und sich andererseits mit der praktischen Frage nach der barrierefreien Angebotsgestaltung vor Ort auseinandersetzte.
Die von Ulrike Schwarz (Österreichischer Alpenverein) geführte Wanderung durch den Naturpark auf einer Teilstrecke des geplanten Erlebniswegs „Obstkult[o]ur“ förderte die Sensibilisierung der Teilnehmer/innen hinsichtlich Barrieren, wobei die unterschiedlichen Perspektiven „erlebbar“ gemacht wurden – im Rollstuhl oder als blinder Mensch. Gemeinsam wurde über mögliche Adaptierungen von vorhandenen Angeboten diskutiert und in fünf Arbeitsgruppen wurden die Grundlagen für barrierefreie Angebote erarbeitet.
Seit 2005 gilt die ÖNORM B 1603 für barrierefreie Tourismuseinrichtungen. Leo Pürrer (Behinderten-Selbsthilfegruppe Hartberg) veranschaulichte die nicht immer leicht verständlichen Planungsgrundlagen mit praktischen Beispielen und brachte unabdingbare bauliche Voraussetzungen auf den Punkt.
Hermann Gigler (ÖAR Regionalberatung) konkretisierte die Anforderungen an Infrastruktur und Dienstleistungskette im barrierefreien Tourismus. Barrierefreie Angebote entlang der gesamten Dienstleistungskette sind bisher kaum vorhanden: Ziel und gleichzeitig eine große Herausforderung ist es, eine funktionierende Gesamtlösung zu erreichen. Rainer Silber (Naturpark Obst-Hügel-Land) stellte den Naturpark vor und veranschaulichte die Umsetzung der 4 Säulen „Schutz, Bildung, Erholung und Regionalentwicklung“ anhand zahlreicher Projekte. Aktuell zum Tagungsthema wird an der Adaptierung des Naturerlebnisprogramms „Expedition Streuobstwiese“ sowie an der barrierefreien Gestaltung des geplanten Erlebniswegs „Obstkult[o]ur“ gearbeitet.
In Österreich gibt es weder eine einheitliche Kennzeichnung noch Bewertungskriterien für barrierefreie Freizeit- und Erholungseinrichtungen sowie für Gastronomie- und Beherbergungsbetriebe. Franz Handler (Verband der Naturparke Österreichs) gab eine Übersicht über derzeit verwendete Piktogramme und dazugehörigen Kriterien in Österreich und Deutschland und informierte über aktuelle Initiativen. Verena Langer (Verband der Naturparke Österreichs) stellte barrierefreie Naturerlebnisangebote aus den Naturparken vor und informierte über das praxisorientierte Aufbaumodul „Naturvermittlung für Menschen mit Behinderung“, das im Mai 2009 erstmals angeboten wird.
Die Diskussionen und Arbeitskreise boten den Teilnehmer/innen die Möglichkeit zum Erfahrungs- und Meinungsaustausch. Aus den Diskussionen resultierende Erkenntnisse und Anregungen:
Barrierefreie Adaptierung aktueller bestehender Angebote. Keine Schaffung von „Spezialangeboten“.
Für barrierefreie Naturerlebnis- und Freizeitangebote gilt: Alle in alle Aktivitäten einbinden! So viel Selbstbestimmung wie möglich, soviel Unterstützung wie notwendig!
Sensibilisierung im Sprachgebrauch! Es gibt behinderte Menschen und nicht behinderte Menschen, aber nicht behinderte und gesunde Menschen!
„Das“ barrierefreie Angebot gibt es nicht. Berücksichtigung der Art der Behinderung – Anforderungen an Angebote sind von Rollstuhlfahrer/innen, blinden, gehörlosen oder geistig behinderten Menschen unterschiedlich.
„Produktwahrheit“ muss eingehalten werden – genaue Beschreibung des Angebots und der Infrastruktur.
Erfahrungsaustausch zwischen den Organisationen und ein Netzwerk der Wissenden und Expert/innen ist wichtig.
Es wird gefordert, einheitliche und für alle verständliche Piktogramme für die relevanten Kriterien zu entwickeln und zu verwenden – davon profitieren Benutzer/innen und Anbieter.
Wichtig und richtig wäre die Entwicklung integrativer Gesamtkonzepte für Regionen.
Dass touristische Förderungen nicht automatisch an die Erfüllung der Kriterien der Barrierefreiheit gemäß der ÖNORMen geknüpft sind, wird als Grundproblem erachtet. Um eine Förderung zu erhalten, sollten Mindeststandards eingehalten werden müssen.
Es bedarf einer Ausbildung bzw. Schulung der Begleiter/innen – Natur- und Landschaftsführer/innen u.a. Naturvermittler/innen. Sensibilisierung durch Selbsterfahrung, Kennenlernen und Ausprobieren der unterschiedlichen Kommunikations- und Anleitungsmethoden, Naturerfahrungs- und Wahrnehmungsspiele adaptieren und anleiten lernen.
Begrüßung, Einleitung und Schlussworte zur Tagung:
Johannes Kunisch, Oö. Akademie für Umwelt und Natur Franz Handler, Verband der Naturparke Österreichs
Referenten:
Referat*) zum Thema:
Hermann Gigler ÖAR Regionalberatung
Integration barrierefreier Angebote im touristischen Umfeld Anforderungen an Infrastruktur und Dienstleistungskette im barrierefreien Tourismus
8,3 MB
Franz Handler und Verena Langer Verband der Naturparke Österreichs
Naturvermittlung für Menschen mit Behinderungen
1,7 MB
Leo Pürrer Behinderten-Selbsthilfegruppe Hartberg
Barrierefreie Tourismus- und Freizeiteinrichtungen
2,4 MB
Ulrike Schwarz Österreichischer Alpenverein
Barrierefreie Angebotsgestaltung
45 KB
Rainer Silber Naturpark Obst-Hügel-Land
Einführung zum Naturpark Obst-Hügel-Land
1,2 MB
*) Die Vorträge der Referent/innen stehen per Mausklick zum Download bereit.
Wir danken allen Mitwirkenden und freuen uns auf eine weiterhin gute Zusammenarbeit!