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Erfolgreiche Modelle der Kulturlandschaftspflege in Naturparken - Naturparkbürgermeister-Tagung

Der Verband der Naturparke Österreichs lud in Kooperation mit dem Land Oberösterreich am 20. Oktober 2011 zur Naturparkbürgermeister-Tagung „Erfolgreiche Modelle der Kulturlandschaftspflege in Naturparken“ ins neu eröffnete AgrarBildungsZentrum Salzkammergut (ABZ). In Altmünster am Traunsee diskutierten ExpertInnen aus dem In- und Ausland über erfolgreich durchgeführte Projekte und zeigten Möglichkeiten der Zusammenarbeit und Finanzierung auf, wie die Kulturlandschaft der Naturparke auch in der Zukunft erhalten bleiben kann.

Die rund 60 internationalen TeilnehmerInnen wurden von Dir. DI Franz Fellinger als die ersten Tagungsgäste im ABZ begrüßt. Er präsentierte das neue Passivhaus, das energetische Vorbildfunktion im öffentlichen Bau erfüllen soll und beeindruckende Ausblicke auf Traunsee und Traunstein freigibt. Bgm. Hannes Schobesberger stellte die Klimabündnisgemeinde Altmünster vor, die sich schon seit vielen Jahren im Umweltbereich engagiert und verwies mit Stolz auf das Naturschutzgebiet Hollereck am Traunsee. Dir. Dr. Gottfried Schindlbauer benannte die Naturparke als Modellregionen für gewachsene Kulturlandschaften, die ihre Rolle als Motor für Regionalentwicklung erfüllen und gleichzeitig Zellen der Biodiversität darstellen. Zudem hob er die Wichtigkeit der Kommunikation in der Naturschutz- bzw. Naturparkarbeit hervor, deren Ziel die Erhaltung und Erhöhung der Lebensqualität der Bevölkerung ist. Präsident Bgm. Mag. Wolfgang Mair skizzierte die bald 50-jährige Erfolgsgeschichte der Naturparke in Österreich, die mit der Gründung des VNÖ eine gemeinsame Identität erlangten. Sie stellen für ihn landschaftliche Juwelen dar, die bei Gästen und Einheimischen einen hohen Stellenwert genießen. Mit zwei Naturparken in Oberösterreich bekannte sich LR Dr. Manfred Haimbuchner zu einer sparsamen Vorgehensweise bei der Ausweisung von Naturparken, die eine Auszeichnung mit einem besonderen Qualitätssiegel bedeutet. Kommunikation bedingt die Basis für Verständnis und Zusammenarbeit der lokalen Akteure aus Naturschutz, Landwirtschaft und der Dienstleistungsbetriebe in der Naturparkarbeit.

Den kooperativen Naturschutz als Zusammenwirken unterschiedlicher Interessensgemeinschaften aus Naturschutz, Landwirtschaft und Politik stellte GF Dr. Jürgen Metzner als zukunftsweisende Möglichkeit dar, vorhandene Strukturen zu nutzen und für überregionale Herausforderungen regionale Lösungsansätze zu finden und umzusetzen. Er verwies auf die großen Synergieeffekte, die Landschaftspflegeverbände auch in Österreich erbringen und nahm dabei die Länder in die Pflich t, Finanzierungsanreize dafür zu schaffen.

DI Felix Fößleitner präsentierte das Steinbacher Modell zur Senkung des Waldflächenanteils: der Erarbeitung eines Landnutzungskonzeptes als kommunale Entscheidungshilfe folgte das Aufzeigen der Landschaftspflegeleistung der LandwirtInnen und bot damit Grundlage für die Zuweisung von Fördermitteln.

Prof. Dr. Dr. h.c. Alois Heißenhuber skizzierte die Multifunktionalität der Landwirtschaft und definierte die Kulturlandschaft als öffentliches Gut, das auch maßgeblich für die Biodiversität ist. Damit stellt für ihn der Erhalt der Kulturlandschaft eine Gemeinwohlleistung dar, die gezielt honoriert werden muss – sowohl durch die öffentliche Hand über die Agrarpolitik, als auch über den Käufer.

Durch optimale Formen der Beweidung mit seltenen Nutztierrassen sowie durch abgestimmtes Management werden fünf brachliegende Almen in Salzburg und Bayern aktiviert, deren Artenvielfalt infolge jahrzehntelanger Nicht-Beweidung zwar stark reduziert, aber zumindest randlich erhalten ist. Die Ergebnisse sollen als „best practice“ auf andere Gebiete übertragen und Förderempfehlungen erarbeitet werden, berichtete DI Günter Jaritz.


Durch den Rückgang der landwirtschaftlichen Betriebe drohte auch den Fliesser Sonnenhängen die Verwaldung. Der gemeinsam erarbeitete Managementplan umfasst Naturschutzmaßnahmen, die in Impulsen für die Landwirtschaft resultieren, so LAbg. Bgm. Obm. Ing. Hans-Peter Bock. Inwertsetzung der Trockenrasen bzw. der geleisteten bäuerlichen Arbeit durch Produkte wie dem „Kaisermantel“ (Ziegenkäse) und Kooperationen ergeben in Summe eine Stärkung der regionalen Produktkreisläufe.

Durch intensive Einbindung verschiedener InteressensvertreterInnen und der Bevölkerung in das Weißstorch-Projekt im Naturpark in der Weinidylle soll die Stabilisierung des natürlichen Bestandes durch Grobkartierung und Management der Nahrungsbiotope erreicht werden, berichtete GF DI Thomas Böhm. Gezielte Förderung der Nahrungsressourcen durch Anlage von Schlüsselbiotopen, z.B. Amphibienbiotope an Hochwasser-Rückhaltebecken, Betreuung der Horste und eine breite Öffentlichkeitsarbeit sollen den Weißsto rch zum wahrgenommenen Highlight des Naturparks machen.

Da die Pflege der Kulturlandschaft nicht finanziert werden kann, versucht GF Mag. Ronald Würflinger diese im Naturpark Jauerling-Wachau über Freiwilligenarbeit zu erhalten. Bisher erbrachten die 250 internationalen TeilnehmerInnen auf rund 9ha Trockenrasen eine Arbeitsleistung von € 80.000,--. Zum Naturschutzaspekt bringt das Engagement der jungen Menschen eine hohe Sozialkomponente mit sich und ermöglicht auch eine Stärkung der Akzeptanz der Schutzgebiete in der lokalen Bevölkerung.

Die Hirschbirne ist für den Naturpark Pöllauer Tal landschaftsprägend und steht gleichzeitig als Leitprodukt für die gesamte Region. Das ermöglicht es, die Hochstammkulturen aus Hirschbirnen zu erhalten und die Flächen zu pflegen, so Obm. Franz Grabenhofer. Der Überalterung der Baumbestände wurde 2011 durch die Anpflanzung von 600 Bäumen entgegengewirkt, wobei die Kosten zwischen Gemeinde, Naturparkverein und den BezieherInnen gedrittelt werden konnte.

Bgm. Obm. Johann Weichsler definierte die Zielsetzungen des schon 1995 gestarteten Kulturlandschaftsprogramms im Naturpark Weissensee: Offenhalten der Seeufer und Honorierung der zeitintensiven Handarbeit der LandwirtInnen. Ein eigener Verein organisiert und kontrolliert das Modell, das seine finanziellen Mittel aus der Kurtaxe bezieht.



Begrüßung und Einleitung

Dir. DI Franz Fellinger, ABZ Salzkammergut
Bgm. Hannes Schobesberger, Gemeinde Altmünster
Dir. Dr. Gottfried Schindlbauer, Amt der Oö. Landesregierung
Präsident Bgm. Mag. Wolfgang Mair, Verband der Naturparke Österreichs
LR Dr. Manfred Haimbuchner, Amt der Oö. Landesregierung

ReferentInnen: Referat*) zum Thema:
GF Dr. Jürgen Metzner
Deutscher Verband für Landschaftspflege
Kooperativer Naturschutz in Deutschland – Erfahrungen mit Landschaftspflegeverbänden
4 MB
DI Felix Fößleitner
Regionalmanagement Oö.
Kulturlandschaft zwischen Maisacker und Christbaumkulturen
7,4 MB
Prof. Dr. Dr. h.c. Alois Heißenhuber
TU München-Weihenstephan, Lehrstuhl
für Wirtschaftslehre des Landbaus
Zur Bedeutung von Kulturlandschaften
1,4 MB
DI Günter Jaritz
Amt der Salzburger Landesregierung
Vielfalt durch Beweidung – Modelle zur Aktivierung naturschutzfachlich wertvoller Almen in der Grenzregion zwischen Salzburg und Bayern
3,1 MB
LAbg. Bgm. Obm. Ing. Hans-Peter Bock
Naturpark Kaunergrat
Schutz und Nutzung der Trockenrasenwiesen im Naturpark Kaunergrat
5,4 MB
GF DI Thomas Böhm
Regionalmanagement Burgenland-Süd ARGE Naturparke
Erhaltung und Pflege wertvoller Flächen im Naturpark in der Weinidylle
3,7 MB
GF Mag. Ronald Würflinger
Naturpark Jauerling-Wachau
WachauVolunteer – UNESCO Freiwilligenprojekt des Jahres 2011
1,7 MB
Obm. Franz Grabenhofer
Naturpark Pöllauer Tal
Landschaftsprägende Hirschbirnen – Vermarktungsaktivitäten für die Produkte der Streuobstwiesen im Naturpark Pöllauer Tal
5,5 MB
Bgm. Obm. Johann Weichsler
Naturpark Weissensee
Aktivitäten im Naturpark Weissensee Tourismus schafft Blumenwiesen und freie Seeufer
600 KB

*) Die Vorträge der Referenten stehen per Mausklick zum Download bereit.

Der Verband der Naturparke Österreichs dankt allen Mitwirkenden und freut sich auf eine weitere gute Zusammenarbeit!


Impressionen:

Links:
www.land-oberoesterreich.gv.at
www.abzsalzkammergut.at
www.naturschauspiel.at

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